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Auswirkung auf die Partnerschaft

Alea-Dono

Neues Mitglied
Registriert seit
3 Aug. 2019
Beiträge
2
#1
Hallo zusammen!

Erst einmal freue ich mich, dass ich dieses Forum gefunden habe. Beim Durchlesen verschiedener Beiträge habe ich den Eindruck bekommen, dass man sich hier ganz wunderbar unterstützt. Daher hoffe ich, dass ich hier nicht ganz verkehrt mit meinem Anliegen bin.
Vor etwa einem Monat hatte ich einen Unfall zu Hause, bei dem ich beinahe erstickt wäre. Dank meines Vermieters, der zum Glück da war und das Heimlich-Mannöver kannte, ist es nochmal gut ausgegangen. Ich bin auch froh und dankbar, dass ich wahrscheinlich keine bleibenden körperlichen Schäden davontragen werde.
Mein Anliegen ist psychischer Natur und ich würde mich über Erfahrungsberichte von Personen freuen, denen es ähnlich erging und Ideen, wie sie damit umgegangen sind.
Seit dem Unfall erlebe ich starke Stimmungsschwankungen, ich bin leicht reizbar, verfalle ohne wirklichen Grund in schlechte Laune, breche in Tränen aus und fühle mich nicht mehr wie "die Herrin im eigenen Haus". Hinzu kommt, dass mir die sozialen Kontakte, zu denen ich mich zwinge, kaum Freude bereiten.
Am stärksten sind diese Ausbrüche bei meinem Verlobten. Kleinste Meinungsverschiedenheiten führen zu Weinanfällen meinerseits und so sehr er sich auch bemüht, ich komme aus dieser Gereiztheit und zum Teil Wut immer seltener raus. Dazu sollte man wissen, dass er am Tag des Unfalls unterwegs und nicht erreichbar war. Ich war alleine und hatte den furchtbaren Gedanken, dass er mich finden würde, wenn niemand da wäre, mir zu helfen. Ich frage mich, ob ich deswegen gerade so wütend auf ihn bin, weil er nicht da war, so wenig rational das ist, aber vielleicht hat es damit zu tun?
Ich würde mich freuen, von Euch und Euren Erfahrungen zu hören und bedanke mich schon einmal ganz herzlich,
Alea
 

Rekobär

Aktiver Sponsor
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3 März 2011
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3,086
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www.unfallreko.de
#2
Hallo Alea-Dono,

was genau ist denn beim Unfall passiert? Ich kann mir unter "Heimlich-Mannöver" nichts vorstellen. (Sollte es irgend eine peinliche Situation gewesen sein, kannst Du mir das auch per E-Mail schreiben unter info@unfallreko.de. Ich behalte es dann für mich. Eine persönliche Nachricht kannst Du erst ab 25 Beiträgen verschicken, oder Du wirst aktiver Sponsor. Mit dem Modus "Aktiver Sponsor" kannst Du auch sofort persönliche Nachrichten verschicken.

Die psychischen Erscheinungen, die Du beschreibst, habe ich schon häufiger bei HWS-Geschädigten mitbekommen. Das hat unweigerlich Auswirkungen auf die Partnerschaft. Es gibt natürlich Partnerschaften, die das aushalten, es gab aber auch welche, die dadurch in die Brüche gegangen sind.

Grundsätzlich würde ich Deinem Partner keinen Vorwurf machen, dass er nicht zu Hause und auch nicht erreichbar war. Man kann die Erreichbarkeit nicht immer sicherstellen. Zumal das auf der anderen Seite auch für Deinen Partner eine ständige Angespanntheit mit der Erwartungshaltung, es könnte ja ständig irgend etwas schlimmes passieren, zur Folge hätte. Und glaube mir, solch eine Angespanntheit ist nicht gut und kann unter Umständen Deinen Partner krank machen.

Herzliche Grüße vom RekoBär :)
 

Meli

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#5
Guten Tag, Alea-Dono, es gibt eine Therapie, die sehr gut helfen kann, solche Traumatas zu verarbeiten, google mal zu EMDR - das wird von der Krankenkasse bezahlt. Du hättest eine gute Chance, dadurch die Folgen besser zu bewältigen. Wenn du nichts tust, kann es auch sein, dass dein PTBS chronisch wird, und das willst du sicher nicht. Du könntest auch EMDR stationär machen, z.B. in der Alexianerklinik in Krefeld, die haben auch eine Trauma-Abteilung.

Alles Gute für dich!
Meli
 

Ruth80

Neues Mitglied
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20 März 2019
Beiträge
19
#6
Hallo Alea-Dono,

den Tipp mit EMDR kann ich dir auch geben. Schau mal, hier gibt es hilfreiche Infos dazu und sogar eine Therapeutensuche emdria.de.

Alles Gute für dich,
Ruth
 

Alea-Dono

Neues Mitglied
Registriert seit
3 Aug. 2019
Beiträge
2
#7
Guten Abend und vielen lieben Dank für die vielen Beiträge!:D

Nein, unangenehm ist das nicht zu erzählen: Ich war sehr unachtsam und beim Kochen in Gedanken, sodass ich mich schwer verschluckt habe beim Probieren von Okara (das sind pürierte Sojabohnen, die haben eine ähnliche Konsistenz wie eingeweichte und pürierte Kichererbsen). Beim Husten habe ich irgendwann bemerkt, dass ich zwar aus- aber nicht mehr einatmen konnte. Nach etwa einer Minute bin ich losgerannt, als mir klarwurde, dass ich das alleine nicht mehr aus der Lunge bekomme.

Danke für die Hinweise mit EMDR, das werde ich mir gleich im Anschluss ansehen. Habt ihr abgesehen von den Hinweisen Richtung Therapie/Beratung etc. auch Erfahrungen, welche "kleinen Alltagsdinge" Euch da geholfen haben und gut getan haben (z.B. Sport, Gedanken aufschreiben, sowas in der Art)?

Zu der Sache mit den Vorwürfen:
RekoBär, du hast natürlich vollkommen recht damit, dass das kein Weg ist, der irgendwem weiterhilft, wenn ich jetzt anfangen würde, ihm das zum Vorwurf zu machen. Es ist so, dass ich in dem Moment, als ich zu meinen Vermietern gerannt bin, diesen Gedanken hatte ("Er ist nicht da und er wird mich so finden, wenn nichts passiert."), der sich mit einem unbeschreiblich starken Gefühl von Hilflosigkeit und Kontrollverlust gekoppelt hat. Und seitdem kommt dieses Gefühl in Situationen auf, in denen wir nicht einer Meinung sind, er anderweitig beschäftigt ist oder andere gute Gründe hat, im übertragenen Sinne "nicht da zu sein" (quasi nicht auf meiner Seite, daheim, in Gedanken bei mir, etc.pp.). Ich bin mir bewusst, wie albern das ist und in Momenten außerhalb dieser Situationen kann ich auch darüber lachen (zumindest innerlich). Sobald so ein Moment wieder auftaucht, kommt dieses Gefühl wieder und ich rutsche regelrecht ab in Wut und Trauer und Panik und ach ja....quasi als ob mein Gehirn weiß, dass er sich nichts vorzuwerfen hat, aber mein Herz es ihm trotzdem nicht verzeihen kann. Ich hoffe, ich konnte das nun etwas besser erklären.

Auf jeden Fall merke ich auch schon, wie das Darüber-Sprechen mit Menschen, die mich etwas mehr verstehen als derzeit die Leute um mich herum, unglaublich gut tut. Sich gehört fühlen hat echt etwas Heilsames. Vielen Dank dafür <3

Alea
 

Rekobär

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#8
Hallo Alea,

ich glaube, Du solltest mal unabhängig von dem Vorfall Dir darüber Gedanken machen, welches Vertrauensverhältnis Du zu Deinem Partner hast. Ich habe so den Eindruck, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Dir und Deinem Partner bereits vor dem Vorfall im Argen lag, aus welchem Grund auch immer. Ich glaube, der Vorfall hat das lediglich deutlich gemacht.

Herzliche Grüße vom RekoBär :)
 

Sekundant

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#9
hallo Alea,

nicht dass ich hier von erprobten methoden oder gar fachlich etwas beitragen könnte, aber zu deinem problem

Sobald so ein Moment wieder auftaucht, kommt dieses Gefühl wieder und ich rutsche regelrecht ab in Wut und Trauer und Panik
würde ich doch einen vorschlag machen. im grunde geht es darum, wie man auf situationen reagiert und wenn man merkt, es ist nicht angepasst, wie man es ändern kann.

dass man überreagiert, vll falsch reagiert hat, wird man sich erst im nachhinein bewusst.
versuche doch folgendes: mache dir das so zunutze, dass du versuchst, sobald du merkst, dass du auf eine situation überreagiert oder falsch reagiert hast, dies ganz bewusst zu machen; nehme das auch immer wieder zum anlass, dass du versuchst, diesen "moment der erkenntnis" möglichst nahe an die situation zu führen. du wirst sicher irgendwann merken, dass dir die unangemessene reaktion schon während eines solchen ausbruchs bewusst wird. vielleicht führt es dahin, dass du soweit kommst, dass du deine emotionen schon vor der reaktion kontrollieren kannst und diese ausbrüche unter dem eindruck, dass sie möglicherweise ungerecht sind und dem miteinander schaden, bewusst vermeidest.
das geht sicher nicht von heute auf morgen. und bis zu einer veränderung sollte der partner das auch wissen. das solltet ihr besprechen.


gruss

Sekundant
 
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