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Die Belastbarkeit der Wirbelsäule aus funktionellanatomischer + sportmed. Sicht

oerni

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
2 Nov. 2006
Beiträge
4,207
Ort
Bayrisch-Schwaben
Hallo Zusammen,


heute im Internet gefunden.

Die Belastbarkeit der Wirbelsäule aus funktionellanatomischer und sportmedizinischer Sicht

Tittel K, Universität Leipzig

Die im Verlauf der letzten zwei bis drei Generationen kontinuierlich gestiegene fernere Lebenserwartung im mitteleuropäischen Bereich - sie beläuft sich gegenwärtig bei 70-Jährigen auf über 10 Jahre, bei 80-Jährigen noch auf 5 (männlich) bzw. 7 (weiblich) Jahre - sowie die sich damit verändernde Bevölkerungsstruktur haben dazu geführt, dass mehr als ein Drittel der Einwohnerunseres Landes über dem Pensionsalter lebt.
Morbidität und Mortalität haben sich mehr und mehr in die Lebensspanne zwischen 75 und 90 Jahren verlagert. Das “Altern“ des Menschen als eine Funktion in Zeit und Raum und als ein universelles Merkmal unseres vom persönlichen Verhalten sowie von Umwelteinflüssen geprägten Lebens hat in der Hinwendung der Medizin zu den Altersbereichen ihrer Patienten und deren Krankheitsgeschehen in den letzten 20 Jahren einen spürbaren Wandel ausgelöst. Was hat dazu beigetragen ? Die immer noch zu beobachtende körperliche Unterforderung größerer Teile der Bevölkerung (und hierbei besonders der Älteren) findet ihren Niederschlagunter anderem in dem fortschreitenden, messbaren Verlust an Skelettmuskel- Masse (ab 35. bis 40. Lebensjahr um 3-5 % / Dekade, ab 60. bis 70. Lebensjahr um 8-10 % / Dekade), in einer deutlichen Reduzierung des Muskelfaser-Gesamtquerschnitts und der Muskelfaser-Gesamtzahl (= Verlust an Kraft und damit an Mobilität), in einer Zunahme muskulärer Dysbalancen zwischen Agonisten und Antagonisten sowie in einer gleichzeitigen Abnahme des maximalen Sauerstoff-Aufnahmevermögens (= verminderte Gewebsdurchblutung). Diese funktionellen, biochemischen und strukturellen Maladaptationen an einen bewegungsarmen Lebensstil beschleunigen die involutiven Vorgänge innerhalb der Wirbelsäule. Sie spielen sich vor allem an den Zwischenwirbelscheiben (Verlust an Stoßdämpfer-Funktion), an der Wirbelkörper-Spongiosa (lnaktivitäts-Osteoporose) sowie an den kleinen Intervertebral-Gelenken (osteochondrotische und spondylotische Veränderungen) ab. Sie führen im Erdergebnis zur Insuffizienz und Instabilität der Bewegungssegmente des zentralen Achsenorgans, das den statischen, mechanisch-koordinativen und neuro-koordinativen Anforderungen nur noch in begrenztem Umfang gerecht werden kann. Die mit derartigen degenerativen Prozessen in Zusammenhang stehenden, akut oder chronisch-rezidivierend auftretenden Rückenschmerzen, die in der Regel Ergebnis und Ausdruck eines Missverhältnisses zwischen Belastung und Belastbarkeit sind, führen den Betroffenen in die ärztliche Sprechstunde und lassen ihn häufig zum “Dauerpatienten“ werden.
Rückenbeschwerden haben eine multifaktorielle Genese; eine der möglichen Ursachen ist - was wir manchmal vergessen - aufs engste mit unserer Stammesgeschichte verbunden. Der Weg von der stabilen Vierpunkt- zur instabilen ZweipunktUnterstützung mit ständiger Körperschwerpunkt-Verlagerung erfordert zur Aufrichtung und Balance von Rumpf und Kopf viel Haltearbeit, die eine gute Ausdauer-Leistungsfähigkeit voraussetzt. Sie ist jedoch - bezogen auf eine kräftige Muskulatur des Stammes und der unteren Extremitäten - bei vielen, weitgehend untrainierten Personen nicht mehr vorhanden. Das bedeutet, dass unsere, phylogenetisch junge, störanfällige, den Gesetzen der Statik mehr und mehr ausgesetzte Wirbelsäule, die einen optimierten “Kompromiss“ zwischen Stabilität und Flexibilität darstellt, unter Berücksichtigung der kleinen Unterstützungsfläche der Füße und des relativ hochliegenden Körperschwerpunkts einen ständigen “Kampf“ zwischen Schwerkraft und Aufrechterhaltung des Körpers bei den verschiedenen Verrichtungen auszufechten hat. Dies wirft aus funktionell-anatomischer, sportmedizinischer und leistungssportlicher Sicht einige nach wie vor interessante Fragen auf. So beispielsweise zum Zeitpunkt der frühest möglichen, ärztlich vertretbaren Belastung des zentralen Achsenorgans (unter anderem in den kompositorischen Disziplinen), zu unterschiedlichen Belastungsformen der Wirbelsäule im Leistungssport, zur Integration des Achsenorgans in sportliche Ganzkörper-Bewegungsabläufe (Analysen mit Hilfe von Muskelschlingen) sowie zur Gefährdung der Wirbelsäule durch sportartspezifische Verletzungen und Fehlbelastungen. An Hand zahlreicher Beispiele wird im Vortrag dazu Position bezogen. Desweiteren werden Schlussfolgerungen für eine möglichst effektive Gestaltung der Be- und Entlastung der Wirbelsäule abgeleitet.
37. Deutscher Kongress für Sportmedizin und Prävention - Prävention durch Bewegung und Sport -
26. bis 30. September 2001 in Rotenburg a. d. Fulda (immer noch aktuell)

http://www.sportmedinfo.de/gelenk-und-wirbelsaeulenschaeden.htm
 
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