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wirklich schicksalsbedingt oder Widerspruch ?

Ramona

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
7 Sep. 2006
Beiträge
303
Ort
Ortenau
Hallo Sisvas,

ich bin eine der wenigen, die eine BK anerkannt bekommen hat - mit Urteil (L 2 U 127/02 LW). Es handelt sich um die BK 2110 - Ganzkörperschwingungsbelastungen (etwas vom Traktor fahren).

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass "schicksalsbedingt" der Ablehnungsgrund überhaupt ist, weil man diesen schlecht widerlegen kann.

Die Herren Gutachter fanden während ihrer zahlreichen Untersuchungen immer wieder neue Ablehnungsgründe. Im ersten Gutachten war es der angeblich frühe Beschwerdebeginn und das Betroffensein auch anderer Wirbelsäulenabschnitte und Monosegmentalität (das Betroffensein nur eines Wirbelsegments - L5/S1).
Den frühen Beschwerdebeginn konnte ich im Widerspruch erklären, da es nur Muskelverspannungen gewesen sind, ich nicht behandelt werden musste und ich danach auch ohne Probleme weiter meinen Beruf ausüben konnte.
Hat man eine angeborere Krankheit an der WS, hält man schwere körperliche Arbeit nicht so lang aus und muss beizeiten den Beruf wechseln.

Die anderen beiden Gründe konnten später Anhand der Rö-Bilder widerlegt werden.

Der zweite GA fand dann einen sechsten Lendenwirbel und stellte eine Hypermobilität und muskuläre Dysballancen fest, die für meine Probleme veräntwortlich wären. Aber meine WS hätte kaum degenerative Veränderungen , nur am Übergang zu S1, was aber normal sei bei einem Übergangswirbel.
(Welch ein Widerspruch zum ersten GA, der an der gesamten Wirbelsäule degen. Veränderungen festgestellt hatte)

Ich ging vor Gericht (SG) und wurde nochmals 3 Mal begutachtet. Der Erste GA widerlegte die Hypermobilität und fand keinen 6. LW und stellte Veränderungen an der LWS fest, die einer BK entsprachen und gab 10% MdE. Der Zweite blieb beim 6. LW und seinen Ausführungen vom ersten GA, was er bei mir gemacht hatte. Der Dritte lehnte die BK ab, weil der Schaden monosegmental sei. Übergangswirbel sei nicht relevant, hypermobil wäre ich nicht.

Diese ganzen Ungereimtheiten ließen mich weiter kämpfen, denn meiner Meinung nach musste irgendwer ja die Unwahrheit sagen. Und als schicksalsbedingt konnte ich meine Erkrankung nicht einschätzen, denn dazu hatte ich zu schwer und zu viel gearbeitet - in einem Männerberuf.

Vom LSG wurde dann nochmals ein GA bestellt und der stellte fest, dass ich keinen 6. LW habe, nicht hypermobil bin, die LWS an drei Segmenten Veränderungen aufweist, wobei L5/S1 am stärksten betroffen ist.

Zischendurch kamen dann immer wieder Stellungnahmen der BG, die genau das aussagten, was ihre GA herausgefunden hatten und die anderen Ärzte, die eine BK festgestellt hatten, teilweise als inkompetent hinstellten.

Zu guter Letzt gab es noch eine Stellungnahme eines Arztes im Auftrag der BG, der zugab, dass ich keinen 6. LW hätte aber.... es wäre der 4 LW, der schief sitzt und dieser hätte die Krankheit verursacht - also schicksalsbedingt.

Das Gericht entschied sich für Anerkennung einer BK.

Ich will dir mit dieser Kurzzusammenfassung zeigen, dass man nicht gleich am Anfang aufgeben darf, nur weil etwas von schicksalsbedingt dort steht.
Natürlich liegt bei euch der Fall anders, dein MAnn ist älter. Da wird man dann noch sagen, dass die Veränderungen an der LWS dem Alter entsprechend sind. Hat man bei mir auch gesagt, nur dass ich damals 34 Jahre jung war und eine Bandscheiben-OP in diesen jungen Jahren nicht dem Alter entsprach.

Wenn ihr die Kraft dazu habt, solltet ihr kämpfen. Eine Skoliose ist z.B. erst ab 20° als konkurrierende Erkrankung anzusehen.

Hier eine interessante Seite dazu : http://www.abekra.de/Berufskrankheiten/Berufskrankheiten/BK 2108-2110-HVBG-Konsensus AG Teil 1.pdf

Ich wünsche euch jedenfalls alles Gute, Kraft und lasst euch nicht ins Boxhorn jagen.

L.G. Ramona
 

sisvas

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
11 Nov. 2008
Beiträge
227
Ort
Sachsen-Anhalt
Hallo Ramona,
da hast Du ja wirklich einen langen Atem gehabt.
Also bei meinen Mann war bisher auch nie von einem 6 Lendenwirbel die Rede. Davon hat weder der Arzt nach der CT etwas gesagt, noch stand es in dessen Befund. Das haben wir erst von der BG gehört nachdem mein Mann die CD mit den Aufnahmen hingeschickt hatte. Dann ging es ganz schnell mit dem Befund, die scheinen da ja wohl einen mit Luchsaugen zu haben! In den letzten dreißig Arbeitsjahren war mein Mann auch nur zweimal mit Hexenschuss krank geschrieben, nimmt allerdings seit Jahren Schmerzmittel für seinen Rücken.
Gestern war er nun beim MDK und die Gutachterin hat ihm gesagt, dass er in seinem Alter leider kaum eine Chance auf Anerkennung durch die BG hätte, das wären dann meistens altersbedingte Abnutzungserscheinungen. Unser Arzt (ein ganz lieber, geduldiger) meinte nur sarkastisch: „ Dann wünsche ich Ihnen mal alles Gute mit Ihrem Schicksal“ und hat ihm gleich noch eine Überweisung in die Hand gedrückt.
Aber mein Mann ist jetzt soweit, dass er keinen Widerspruch einlegen will. Er sieht einfach zu wenig Erfolgschancen und das Ganze ist ihm zu stressig.
Heute morgen nun hat er den Antrag für die EU-Rente angefordert und gleich für nächste Woche einen Abgabetermin (2 Stunden soll er einplanen) bekommen.
Allerdings wurde ihm dabei auch gesagt medizinische Reha geht vor Rente und der Antrag ruht dann erstmal. Und wenn er dann kein Krankengeld und kein ALG1 mehr bekommt, die Bearbeitung des Rentenantrages dauert im Durchschnitt nur 3 Monate und dann bekämen wir das Geld ja nachgezahlt.
Wie das gehen soll, wissen wir aber im Moment wirklich nicht. Er hat ja im Moment nur noch ca. 500,00 € Krankengeld (ich habe die günstigere Steuerklasse), aber wir haben uns immer gerade so von einem Monat zum anderen gehangelt. (Das geht ja sicher vielen so, zu den gesundheitlichen Problemen kommen dann noch die finanziellen). Ab Juni gehe ich dann noch in Altersteilzeit und wir haben noch einige Kredite auf unser Haus laufen. Die wollten wir ja bis zur Rente fast abgezahlt haben. Aber es kommt eben immer anders …
Mein Mann hat ja auch immer noch die Hoffnung, dass er es nochmal mit Arbeit versuchen kann. Er hat ja einen Abschluss als Straßenbaumeister und könnte auch im Büro als Kalkulator arbeiten. Einige Bewerbungen laufen noch, die Frage ist, ob es klappt und hält er es durch
Wir haben mit der ganzen Problematik ja noch nicht so wirklich viel Erfahrung, ich habe zwar inzwischen so ziemlich alles gelesen, was ich in die Finger bekommen habe und das ist eine ganze Menge (bin Bibliothekarin), aber wie wir es nun richtig machen oder was am Günstigsten ist, wissen wir immer noch nicht. Vielleicht hat ja noch jemand einen guten Tipp
LG sisvas
 

sisvas

Erfahrenes Mitglied
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11 Nov. 2008
Beiträge
227
Ort
Sachsen-Anhalt
Erwerbsunfähigkeitsrente ist durch

Hallo,
ich muss mich jetzt endlich mal wieder melden.
Seit meinem letzten Beitrag ist doch so einiges geschehen.
Zumindest finanziell ist es bei uns nun doch etwas sicherer geworden.
Im Frühjahr 2009 konnte ich meinen Mann endlich dazu überreden einen Schmerztherapeuten aufzusuchen.
Es folgte eine weitere Akupunktur/ (die wir selbst bezahlten und leider ohne wirkliche Ergebnisse).
Im Sommer 2009 war er zur Reha. Das einzige was dabei raus kam war, dass er möglichst alle Schmerzmittel absetzen sollte, weil die Leberwerte extrem schlecht waren. Aber ohne ging es auch nicht, es war und ist ein ständiges rumprobieren. Im Herbst kam der Bescheid, dass er auf Grund der Berufsunfähigkeit eine halbe Rente erhält.
Nachdem die Schmerzen immer schlimmer wurden, hat er, auf anraten des Arztes den Antrag auf eine volle Rente gestellt und letzte Woche kam der Bescheid, dass er sie rückwirkend erhält.
Das beruhigt doch ein wenig, zumal ich mir im April den Fuß gebrochen habe und inzwischen an einem Morbus Sudeck herumlaboriere.
Meinem Mann geht es nun psychisch wesentlich besser, der ständige Druck ist weg und inzwischen gibt es auch beim Schmerzmittel neue Ansätze.
 
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