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Was erwartet mich bei der Erstellung eines Gutachtens?

Jina

Mitglied
Registriert seit
16 Juni 2019
Beiträge
57
#1
Hallo zusammen,

bei mir steht demnächst die Erstellung eines Gutachtens an und da ich keine Ahnung habe, worauf ich mich einstellen muss, wollte ich hier mal nach euren Erfahrungen fragen. Also was für Untersuchungen es gibt (nur ein Gespräch oder wird auch ein CT/MRT angeordnet)? Außerdem bin ich mit der Ansicht meines Arztes nicht ganz zufrieden und überlege, ob ich auf eine Untersuchung bestehen soll oder bis zum Gutachten warten kann, wenn das denn da mit abgedeckt wird.

Meine Geschichte:
Ich hatte im letzten Oktober einen Reitunfall. Dabei habe ich mir auf der linken Seite Rippe 3-9 sowie 4 Querfortsätze gebrochen (Risse in weiteren sind auf dem damaligen CT erkennbar). Links hatte ich außerdem einen Hämatopneumothorax und entsprechend eine Drainage. Außerdem habe ich mir das linke Sprunggelenk verletzt, welches sich aber erst Monate später vernünftig angeschaut wurde. Erkennbar war im MRT eine Entzündung sowie die Vermutung einer osteochondralen Läsion Stadium 1-2 oder einer subtalaren Arthrose. Eine OP, um die Rippen zu fixieren stand im Raum, wurde dann aber von den Ärzten nicht durchgeführt, da ich aufgrund meines jungen Alters (26) auch so damit zurechtkommen würde. Generell sah man auf dem CT, dass zwei Rippen nicht so gut standen (Überlappung), was aber kein Problem darstellen sollte.
Aktuell macht das Sprunggelenk noch Beschwerden. Außenrotation tut weh und auf unebenem Boden habe ich Schmerzen beim Laufen. Normalerweise wandere ich gerne, das kann ich aktuell vergessen. Außerdem arbeite ich eigentlich im Garten- und Landschaftsbau. Da mir der Rücken weiterhin Probleme bereitet, habe ich bis mindestens Ende September einen 10kg-Schein. Ich kann auf der linken Seite schmerzfrei nichts auf der Schulter trage, auch keine Umhängetasche die nur 1kg schwer ist. Mal kurz was Heben geht, aber von meinem Beruf mit den ganzen Tag schweren körperlichen Tätigkeiten bin ich noch weit entfernt. Beim Gehen habe ich hinten am Schulterblatt ein ständiges Blockierungsgefühl, tiefes Atmen verursacht teilweise auch noch ein Ziehen, Belastung ein Brennen. Im Brustbereich habe ich unterhalb der Narbe von der Drainage Missempfindungen. Ich bin kurzatmiger als früher, die Lungenfunktion ist aber im Normbereich.

Es gibt vom Rücken kein aktuelleres CT oder MRT, als das vom Oktober und meine Arzt sieht dafür auch erstmal keine Notwendigkeit. Der Pneumologe hatte mir dagegen erzählt, dass neue Aufnahmen gemacht werden sollten, wenn ich immer noch Probleme habe (Verdacht, dass nicht alles zusammengewachsen ist). Für viele Ärzte sind die Verletzungen wohl eher eine Lapalie: Ein paar Rippen waren kaputt und das wars. Da stellt sich mir die Frage, ob ich überhaupt eine Chance habe, dass eine Invalidität festgestellt wird? Gezahlt hat die Unfallversicherung bereits etwas, da ich ja seit über einem halben Jahr eingeschränkt bin. Nun geht es darum, eine dauerhafte Beeinträchtigung festzustellen und das soll im Oktober passieren, also ein Jahr nach dem Unfall.

Sorry für den langen Text. Falls jemandem was zu meinen Fragen einfällt, freue ich mich über eine Antwort.
 

Rudinchen

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#2
Hallo Jina,

Bei der Begutachtung wird der Arzt dich eingehend nach deiner Krankheitsgeschichte fragen (wenn's gut läuft). Er kann auch neue Aufnahmen machen.

Meistens werden aber alle vorherigen Befunde eingesehen. Deshalb ist es wichtig, dass du alles in Kopie dabei hast! Lass dir vom erstbehandelnde Krankenhaus und allen Ärzten die Befunde geben und nimm sie mit.
Schreibe chronologisch auf, was wann passiert ist und welche Beschwerden du (noch) hast. Gib das ebenfalls dem Gutachter.

Je mehr aussagekräftige Arztbefunde, umso besser!

Lies Mal hier nach: https://unfall-opfer-bayern.de/downloads/Vorbereitung auf Gutachtentermin.pdf

Viele Grüße,

Rudinchen
 
Zuletzt bearbeitet:

Kasandra

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Irgendwo im Nirgendwo
#3
Hallo Jina,

häufig wollen die GA Röntgenbilder machen. Dies ergibt 2 Probleme:

1. auf Röntgenbildern sieht man häufig nicht sehr viel und somit fallen die GA schlecht aus.

2. Röntgen stellt eine KV dar. Die musst Du nicht über Dich ergehen lassen.

Wie Rudinchen bereits geschrieben hat, nimm alle MRT´s / CT´s auf CD mit (Achtung, hier meine ich von Dir neu gebrannte), nicht die Originale, diese
gibst du NIE aus der Hand!!!

Gerne geht mal was verloren und lass Dir die Übergabe schriftl. bestätigen.

Viele Grüße

Kasandra
 

Rekobär

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#4
Hallo Jina,

was ist denn das Ziel des Gutachtens?

Grundsätzlich sollte der Gutachter Dich persönlich untersuchen und zwar mit sinnvollen Untersuchungen und nicht Pseudountersuchungen. Zum anderen sollte der Gutachter alle relevanten Fakten erfassen. Dazu gehört, dass er den richtigen Namen, das Geburtsdatum usw. im Gutachten auch richtig wiedergibt. Er sollte Dir auch erklären, warum er welche Untersuchungen durchführt.

Herzliche Grüße vom RekoBär :)
 

Jina

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#6
Danke schonmal für die Infos und Links, lese ich mir morgen in Ruhe durch.
Wenn ich das richtig verstehe, würde es also durchaus Sinn machen, vorher zum Arzt zu gehen und ihm zu sagen, dass ich für das Gutachten ein aktuelles CT brauche?
Ansonsten müsste ich soweit alle Befunde zu Hause haben. Da habe ich generell drauf geachtet, dass ich die bekomme.
Mein Arzt hatte bereits einen Bogen ausgefüllt, in dem stand, wie eingeschränkt ich bis Ende April in welchem Zeitraum war (in Prozent). Dort gab es auch die Frage nach der Beurteilung von dauerhaften Beeinträchtigungen. Er hat geschrieben, dass die, wenn vorhanden, in 5 Monaten feststellbar wären.
Die Unfallversicherung hat mir daraufhin einen Betrag zugesagt und auch schon überwiesen. In dem Brief stand dann "
Nach den ärztlichen Feststellungen wird der Unfall voraussichtlich dauerhafte Folgen hinterlassen. Eine verbindliche Beurteilung ist jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Wir werden deshalb eine
Nachuntersuchung im Oktober 2019 veranlassen und melden uns rechtzeitig zu diesem Termin wieder."
Mehr Infos habe ich bisher auch nicht.
 

HWS-Schaden

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Bei den Stadtmusikanten
#7
Hallo Jina, willkommen im Forum.

Wenn der Pneumologe frischere Aufnahmen wegen der weiterhin bestehenden gesundheitlichen Probleme ratsam findet, warum ordnet er dann diese Aufnahmen nicht an? Ich würde mich erstmal an den Pneumologen halten und schauen, dass ich über ihn eine Überweisung zur MRT (oder was angesagt ist) erhalte.

Beim Arzt aufzutreten mit „Ich brauche ein CT für die Versicherung“ halte ich für wenig ratsam.
Ein CT (oder andere bildgebende Untersuchung) wird veranlasst, wenn es eine medizinische Indikation gibt, nicht weil man versicherungsrechtliche Ansprüche belegen will. Überlege dir deshalb, wie du beim Arzt argumentierst und auftrittst. Ich würde mich an den Pneumologen wenden, der eine medizinische Indikation sieht, Mir wäre die Abklärung wichtig, um (gesundheitlich) Gewissheit zu bekommen.

LG
 

Jina

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#8
Hallo,

der Pneumologe hat sie nicht angeordnet, weil das eigentlich nicht seine Baustelle ist. Ich war da, um meine Luftprobleme abzuklären. Er hat Röntgenbilder machen lassen, die Lunge sah darauf ok aus, damit hatte er seinen Teil getan. Wir haben uns auf den Bildern trotzdem nochmal die Rippen angesehen und er hat mir die Bruchstellen gezeigt, die man noch eindeutig sieht. Daraufhin meinte er, wenn ich noch Probleme habe, wäre ein CT sinnvoll, aber ging wohl davon aus, dass ich das mit meinem Arzt (Unfallchirurg und Orthopäde) kläre, weil es nun mal nicht sein Fachbereich ist. Der hält ein CT allerdings für aktuell nicht notwendig, da ich schmerzmäßig zeitlich noch im Rahmen wäre. Ich hatte so eine Diskussion vor einigen Monaten schonmal, damals schickte mich der Rehaarzt wieder zum Chirurgen, damit der nochmal ein CT anordnet. Auch da kam nur, dass er das nicht für notwendig hält, es sei denn, ich bräuchte das für meine Versicherung, was ich zu dem Zeitpunkt verneint habe... Daher meine Idee, das jetzt als Argument zu nutzen.
Am schlimmsten finde ich, dass die Ärzte alle anderer Meinung sind und ich langsam nicht mehr weiß, wem ich denn nun glauben soll und auf welche Untersuchungen ich tatsächlich bestehen kann.
 

Ruby62

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Beiträge
32
#9
Eine Krankenkasse ist nicht dafür zuständig, die Kosten für ein MRT oder CT zu tragen, welches einer Versicherungsleistung dient. Ebenfalls wird kein Arzt bei einem Kassenpatienten sein Budget mit der Verordnung eines MRT bzw. CT belasten.
Du kannst diese Untersuchungen jederzeit als Selbstzahler durchführen lassen um beim Gutachten deiner Beweispflicht nachzukommen und dem Gutachter aktuelle Befunde zur Verfügung zu stellen
 

Jina

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57
#10
Nur warum sollte ich eine Untersuchung zahlen, wenn die Versicherung ein Gutachten machen möchte? Ich habe sie ja nicht darum gebeten. Das würde ich höchstens machen, wenn mir das Ergebnis nicht gerechtfertigt erscheint.
Allerdings ist der Fall auch noch etwas komplizierter. Es war nämlich nicht mein Pferd (bzw. meine Pferde, waren zwei involviert), sondern es ist auf Leihpferden im Urlaub passiert. Entsprechend holt sich meine Krankenkasse eh das Geld vom Besitzer (und gleichzeitig Veranstalter des Rittes) zurück oder halt von dessen Versicherung. Wobei ich da so gut wie keine Infos habe, wie der Stand der Dinge ist. Ich weiß nur, dass er zu dem Zeitpunkt des Unfalls eigentlich keinen Versicherungsschutz hatte, vermutlich gegen Forderungen klagen wird (oder es schon tut) und dass meine Krankenkasse ihn bezüglich Zahlungen angeschrieben hat.
 

Rudinchen

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#11
Hallo,

sprich noch mal mit deinem Orthopäden und weise ihn darauf hin, dass du das CT sinnvoll hältst, um deine Beschwerden abzuklären. Vielleicht geht er ja darauf ein. Du kannst ja auch erwähnen, dass du Angst hast, dass etwas übersehen wurde und du dich deshalb unwohl fühlt.

Vielleicht hilft´s und er macht die Aufnahme ...

Auf den Gutachter darfst du dich in dieser Beziehung nicht verlassen. Wenn er ein für dich ungünstiges Gutachten schreibt, bist du diejenige, die dieses Gutachten für immer in der Akte hat und die die Mühe hat, es zu entkräften - was so gut wie nie gelingt!

Viele Grüße

Rudinchen
 

Sekundant

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#12
hallo Jina,

neben den sonstigen hier beschriebenen einwänden und fürs und widers fällt im zusammenhang mit der verordnung eines MRT eines auf: auch wenn der pneumologe fachlich nicht zuständig ist, hat er aufgrund seiner tätigkeit sicher stets auch mit entsprechenden verletzungen zu tun und äussert seine meinung nicht von ungefähr. wenn nun schon auf einem CT eine auffälligkeit und überlappung zweier rippen erkennbar ist, die ärzte (ich vermute die ursprünglich behandelnden) keine notwendigkeit weiterer befunderhebungen sehen, stellt sich die frage weshalb dies so ist und wem hier mehr zu trauen ist.
darauf (auf die erkennbaren auffälligkeiten und die meinung des pneumologen) würde ich den arzt ansprechen und ein MRT zur klärung erbitten. und dies zwar auch gerade dann, wenn weiter eine andere meinung vertreten wird. sowohl deine bedenken als auch die auffassung des pneumo stünden dagegen und können so beseitigt werden. es geht nicht um eine leistung, die von einer versicherung verlangt oder sonst willkürlich eingefordert wird, sondern um eine nötige aufklärung und befunderhebung, was dem arzt eigentlich klar sein sollte. eine weitere meinung eines anderen arztes schiene zumindest zu überdenken, wenn das nicht fruchtet.


gruss

Sekundant
 
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