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Warum unsere Versicherungen immer wieder so lange brauchen...

seenixe

Super-Moderator
Mitarbeiter
Registriert seit
31 Aug. 2006
Beiträge
8,316
Ort
Berlin
Diesen Text schrieb eine Versicherungsnehmerin an Ihre Versicherung.
Sie wurde aufgefordert, zu erklären, wie es dazu kommen konnte, das
ein Sturmschaden an Ihrem Gartenzaun entstanden ist.
Sie fühlte sich wohl etwas verarscht.



Sehr geehrte Damen und Herren

Sie fordern eine Begründung wie es dazu kam, das mein Zaun von einem Sturm
zerstört worden ist. Nach anfänglicher Ratlosigkeit, was man da wohl
schreiben soll, ich dennoch gezwungen bin zu antworten, um meinen
Pflichten als Versicherungsnehmerin nachzukommen, trage ich nun ordnungsgemäß vor:

"Die Sonne wärmt die Luft weltweit unterschiedlich.
Wo sie senkrecht auf die Erde trifft (am Äquator), wärmt sie stärker als
da, wo sie schräg auftrifft (Nord- und Südpol).

Und über Land wärmt sie stärker als über dem Meer.

Aufgewärmte Luft dehnt sich aus, der Luftdruck wird an diesen Stellen höher
(man nennt das "Hochs").

An kühleren Stellen bleibt der Luftdruck niedrig ("Tiefs").

Die Luft versucht, diese Druckunterschiede wieder auszugleichen: Sie strömt
von Gebieten mit hohem Luftdruck in Gebiete mit niedrigem Luftdruck,
je größer die Druckunterschiede sind, um so schneller bewegt sich
die Luft , ab 6 Km/h, nennt man das Wind.

Ab 75 Km/h nennt man diese Bewegung Sturm, ab 118 Km/h Orkan.

So schnell ist die Luft aber nur bei extremen Druckunterschieden. Ein
solcher Druckunterschied lag am Schadenstag über Deutschland vor.

Zur Unglückszeit passierte schnelle Luft den Großraum Hessen, wobei sie
auch durch Asterode und an meinem Haus vorbeikam.

Da mein Haus der schnellen Luft im Wege stand, sollte es weggepustet werden.
Das jedoch ließ mein treuer Zaun nicht zu.
Um das Haus zu schützen, hat sich mein armer Zaun mit aller Kraft gegen
die schnelle Luft gestemmt.
Es gelang ihm zunächst, sich und das Haus erfolgreich zu verteidigen, so
dass die schnelle Luft gezwungen war, den Weg durch das Nachbarhaus zu
nehmen.

Als das große Dach des Nachbarhauses in einem Stück vorbeigeflogen kam,
was nur in sehr seltenen Fällen vorkommt, muß mein Zaun erschrocken oder
zumindest kurz abgelenkt gewesen sein.

Die schnelle Luft hat ihre Chance sofort genutzt und meinen treuen Zaun
heimtückisch niedergedrückt.

Der Held brach zusammen und starb noch am Boden liegend vor dem Haus,
welches er jedoch immerhin erfolgreich beschützt hatte."

Das ist meiner Ansicht nach der Vorgang, so wie er sich real zugetragen
hat.
Es könnte jedoch auch weniger dramatisch gewesen sein und der Fall ist
als ganz gewöhnlicher Sturmschaden zu behandeln, dem nichts hinzuzufügen
ist, außer, dass an dem Tag in Asterode - wie in ganz Deutschland - Sturm
war.

Sollte weiterer Vortrag notwendig sein, Zeugenaussagen begehrt oder
Ihrer Ansicht nach eine Obduktion des Zaunes erforderlich sein, stehe ich
gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
 

Kai-Uwe

Gesperrtes Mitglied
Registriert seit
11 März 2007
Beiträge
3,038
Guten Morgen Seenixe,

ich habe wieder einmal herzlich Lachen können.

Dankeschön:)

Lieben Gruß
Kai-Uwe´s Frau
 

Ariel

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
23 März 2007
Beiträge
2,698
Hallo seenixe,

bei wem lässt die Versicherung nun das Gutachten erstellen, beim Wetteramt - Meteologen, oder interdisziplinär bei dem Schreiner, der den Zaun erstellt hat?

Es muss ja Schadensanspruchsentsorge betrieben werden, also muss das Ergebnis zeigen, dass das Holz für den Zaun nicht prädestiniert war für Luftzüge aus dem Mittelmeerraum, also das Holz schon Kindheitstraumen erlitten habe = Vorschaden. Außerdem der Zaun nicht Windlinear aufgestellt war, also kein Schaden durch Drittschuldner, sondern vorsätzliche Eigenverschuldung = Versicherungsbetrug.

Es steht ja in den Verträgen, dass man eine Schadensvorsorge treffen müsse, also den Zaun je nach vorbestellter Windrichtung immer umstellen müsse um drohende Zerstörung zu vermeiden. Dafür sind doch die Versicherungsverträge da! Dafür wird ja auch täglich in den Wetterberichten die Windrichtungen angegeben.

Ich denke, es ist ein Eigenverschulden und kein Wetterbruch. Sicherlich hat die Anspruchsstellerin den Föhn (Haartrockner) zu Hilfe genommen, damit der Zaun umfalle.
;)
Gruß Ariel
 

j_e_n_s

Erfahrenes Mitglied
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6 Feb. 2007
Beiträge
1,329
Ort
Sachsen
Hallo Seenixe,

leider geht aus dem Schreiben nicht hervor, warum sich der Zaun nicht hinter dem Haus versteckt hat :confused:.

Hier wäre Vorsatz zu vermuten, der von der Versicherungsleistung ausgeschlossen ist :D.

Gruß Jens
 

bln_ib

Erfahrenes Mitglied
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Hallo seenixe,

einfach köstlich und eure Bemerkungen auch! :D

Viele Grüße und heut braucht ich das *grins_keuch_kringel* sehr :p
 

Santafee

Erfahrenes Mitglied
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11 Okt. 2007
Beiträge
1,591
:)...ach, köstlich, einfach genial! *immernochköstlichlach*:)

Aber im Ernst, lieben Dank Seenixe, denn diesen Fachvortrag kann ich evtl. noch für meine Sache mit der Motorhaube nutzen, falls ich nochmal zum Sturm Stellung nehmen muss:D

LG Santafee
 

Reickja

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
27 Feb. 2007
Beiträge
470
Hallo an alle,
das war wirklich etwas zum Schmunzeln.

War schön wenigstens einmal am Tag lachen zu können, der auch ohne Sturm heute sehr stürmisch war.

An Seenixe,
auch das mit dem Kellner war köstlich und leider nur zu wahr.

Allen noch einen schönen Abend
 
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