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Verkehrsunfall 2003 SHT3.Grad,Spätfolgen

Holdryn

Neues Mitglied
Registriert seit
29 Okt. 2006
Beiträge
3
Hallo,kurz zu meiner Geschichte, bin 43 Jahre alt hatte im Dez.2003 einen unverschuldeten Autounfall mit den Folgen daß ich ua.ein SHT
3.Grad,Schädelbasisbruch,Lungenquätschung,Felsenbeinbruch beidseitig 10 Rippen gebrochen Facialparese und einiges mehr davongetragen habe.Bin eigentlich von den körperlichen Folgen mehr oder weniger gut genesen(mitlerweilen volle Erwerbsminderrente,80%Schwerbehindert Merkzeichen G). Aber jetzt werden meine Psychologischen Probleme wieder schlimmer das heißt die Partnerschaft steht auf der Kippe weil ich sehr Agressiv geworden bin ,zudem kommt das ich mich von fast alle gesellschaftlichen Aktivitäten sowie von Freunden und Bekannten zurückgzogen habe und eigentlich nur noch für mich sein möchte.
Frage an Euch: Weil das so nicht weiter gehen kann suche ich Hilfe dachte an eine Stationäre Reha kann jemand aus eigener erfahrung eine geeignete Rehastätte empfehlen
 

Divegirl

Mitglied
Registriert seit
8 Sep. 2006
Beiträge
56
Hallo Holdryn,

du solltest dringend eine Psychotherapie (wohl Richtung Verhaltenstherapie) machen. Du hast sicherlich noch heute mit den Auswirkungen des Unfalls zu kämpfen, deine Einschränkungen werden dir tagtäglich bewusst. Der Psychologe sollte sich mit Traumatherapie / Unfallopfern auskennen.

Hast du mit deinem Neurologen mal darüber gesprochen? Was meinte er dazu? Aggressivität kann auch ein Folge deines SHT III sein (man kann sogar Veränderungen im EEG sehen unter Belastung). Ich denke durch deinen Unfall wurde euer Familienleben ganz schön durchgeschüttelt. Das bleibt nicht ohne Folgen für ALLE Beteiligten und kann sich mit der Zeit ganz schön hochschaukeln.

Ich persönlich habe mit einer ambulanten Therapie gute Erfahrungen gemacht. Während meiner beiden Rehaauffenthalte hatte ich gar keine psychologische Betreuung. Erste Reha auf BG-Kosten 4 Monate nach dem Unfall und 2. Reha auf Veranlassung der Rentenversicherung gute 3 Jahre nach dem Unfall.

Meine Therapie habe ich erst 3 Jahre nach dem Unfall gegonnen. Die Chemie zwischen Therapeut und dir sollte stimmen und du solltest es freiwillig machen. Bei mir ging es so spät los weil die Neurologen vorher mir immer nur 1-2 Therapeuten genannt, bzw. Liste in die Hand gedrückt hatten ... tja und dann stand ich da! Einige lehnten ab weill ihnen die BG zuviele Anforderungen an die Berichte stellte, andere sagten privat gerne - auf BG-Kosten nicht ... oder eben 9 Monate Wartezeit. Einem zu diesem Zeitpunkt bereits leicht depressiven Menschen haut das schon mal etwas um. Ich hatte dann aufgegeben einen Therapeut zu suchen. Den letzten Schubs zu Therapie machte dann wiederum die BG. Sie hat angefragt ob noch Intersse an einer Therapie bestünde und mir daraufhin einige Therapeuten vorgeschlagen in meiner Nähe. Davon habe ich mir eine ausgesucht, mit ihr telefoniert und dann haben BG und Therapeut alles unter sich geklärt. Meine Therapeutin hat nämlich keine Kassenzulassung. Letztendlich hat alles super geklappt. Mir gehts nach über einem Jahr Therapie (mit Pausen dazwischen, bin öfters mit meinem Männe unterwegs in Urlaub) wieder prächtig. Ich kann zwar nicht mehr als vorher (arbeitsmäßig), die Einschränkungen sind natürlich immer noch da - aber: ich habe einen anderen Umgang damit und mein Männe auch. Ich spreche auch schneller aus was gerade im argen liegt - merke auch schneller und öfter dass sich gerade ein tierisches Mißverständis anbahnt aufgrund unserer verschiedenen Denkweise.

Hoffe mein Erfolg mit diesem Weg macht auch dir etwas Mut und du suchst dir professionelle Hilfe. Träger der Therapie wäre bei dir wohl in erster Linie die Krankenkasse (die holt sich ds Geld dann wieder vom Unfallverursacher). Du kannst auch versuchen dass die Haftpflicht des Unfallverursachers die Kosten gleich übernimmt. Für eine stationäre Reha kommt wohl nun eine Klinik mit dem Schwerpunkt "Psyche" in Frage. Für mich wäre eine Klinik nie in Frage gekommen. Dort bekomme ich einen Therapeuten mit dem ich klarkommen muss. Zu Hause wird die Therapie dann wieder mit einem anderen Therapeuten fortgesetzt. Außerdem konnte ich so immer die kleinen und größeren Kümmernisse bzw. Ärgernisse des Alltags der Woche besprechen.

Lass es dir in Ruhe durch den Kopf gehen und sprich auch mit deinem Partner über diese Möglichkeit. Vielleicht braucht auch dein Partner etwas Hilfe mit der Lebensumstellung klar zu kommen.

Alles Gute für dich und eine Familie
Divegirl
 

frido

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
10 Okt. 2006
Beiträge
678
Ort
NRW
Hallo Holdryn,

ich kann dir von meinen Erfahrungen berichten. Ich bin letztes Jahr für knapp 6 Wochen in die Psychiatrie gekommen, weil mir keiner geglaubt hat. Es ging alles den Bach runter. Die BG hat mir das Leben zur Hölle gemacht. Die Partnerschaft kriselte und ich habe mich auch immer mehr zurückgezogen. Ich habe u.a. eine PTBS. Ich war so verzweifelt, weil ich gedacht habe, ich werde bekloppt. Nach dieser negativen Erfahrung mit dem Krankenhausaufenthalt ( da hat man mich in eine Ecke gedrängt, wo ich gar nicht hingehöre), habe ich durch meine Schmerztherapeutin eine Adresse für Traumatherapie bekommen. Das war dann endlich der richtige Schritt. ich weiß nicht wo Du wohnst. Ich habe dann erst mal eine ambulante Therapie in Krefeld im Alexianerkrankenhaus gemacht. Da wurde ich ernst genommen. Danach bin ich nach Diez ( WKA-Klinik) für 3 Monate in die Reha gekommen. Dort gibt es spezielle Traumatherapeuten. Das hat mich wieder ein Stück weiter gebracht. Da mein Mann immer weniger mit mir zurecht kam, habe ich ihn mit ins Boot genommen. Wir hatten mehrere Gespräche zu dritt. Er wurde erst mal "aufgeklärt" was mit mir los ist. Er hat das nicht verstanden vorher. Jetzt geht es schon besser. Das Umfeld und die Partner kennen uns anders, auf einmal ist da ein schlimmes Ereignis und schon ist man aus der Bahn geworfen. Das ist für das Umfeld und Partner sehr schwer zu verstehen. Überlege Dir welche Therapie Du machen willst ( ambulant oder stationär). Versuche Deinen Partner mit ins Boot zu holen. Ich kann Dir auch noch ein gutes Buch empfehlen. Das habe ich meinem Partner in die Hand gedrückt, damit er in Ansetzen versteht, was mit mir los ist. Das Buch heißt: "Kein Trauma muss für immer sein" von Christian Lüdke und Karin Clemens. Mir hat das Buch sehr geholfen, aber jeder ist anders. Melde Dich mal.
Vielleicht konnte ich Dir ein bißchen weithelfen.
Liebe Grüße von frido
 

Holdryn

Neues Mitglied
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29 Okt. 2006
Beiträge
3
hallo,danke für eure Ratschläge kann ich gebrauchen,habe auch heute gleich mal einen Termin beim Neurologen gemacht.verstehen tu ich meine ganze Wesensveränderung aber trotz alle dem nicht ,habe ja nach meinem Unfall 2003 einige Rehas und Psychotherapien gemacht war dann eigentlich auch ok. aber seit ca. 1/2Jahr geht alles den Bach runter meine Frau die immer zu mir gehalten hat und ohne die ich das alles bis heute nie geschaft hätte behandel ich wie den letzten Dreck ebenso meine Familie auf die dasselbe zutrift. Muss noch dabei sagen das der Rechsstreit mit der gegnerischen Versicherung und meiner Privaten Versicherung immer noch andauert hat aber mit meinem problemen nicht viel zutun (glaube ich weil keine finanz. Probleme)
 

Divegirl

Mitglied
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8 Sep. 2006
Beiträge
56
Hallo Holdryn,

also ich denke schon daß auch die momentane andauernde Auseinandersetzung mit deinem Schadensverursacher, Versicherung, BG o.ä. mit deiner Stimmungslage zu tun hat! Ich merke daß ich vor Begutachtungsterminen immer wieder in leichte Depressionen verfalle. Auch so einige Alltagssituationen verursachen einen Abwärtstrend. Nicht zu sprechen von dem Nervenkrieg mit der Versicherung. Auch ich bin derzeit finanziell gut abgesichert - trotzdem bleibt das nicht in den Kleidern stecken und ich kann es mit ihnen nachts ablegen.

Zu deiner Info: Wesensveränderung nach schwereren Schädelbrüchen oder SHT II / III sind gar nicht so selten! Ich hatte einen Arbeitskollegen der nach einem sehr leichten Gehirnschalg massive Wesensveränderungen hatte. Früher eine Seele von Mensch und durch nicht zu erschüttern - danach außerst dünnhäutig und vor allen Dingen von sich aus Aggressiv. Hier stehst du keinesfalls alleine und es nicht außergewöhnlich. U.a. hat es mit einem veränderten Stoffwechsel z.B. zu tun (hoffe ich erinnere mich hier noch richtig, hatte ich mal in diesem Forum was dazu gelesen).

Gruß Divegirl - und vergiss nicht dem Neurologen eindringlich deine Probleme zu schildern! Am besten anhand eines einfachen Beispieles wie eine Sache eskaliert ist. Überhaupt habe ich die Erfahrung gemacht daß man mit Beispielen viel besser verständlich wird und der Arzt genauer hinhört!
 

frido

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10 Okt. 2006
Beiträge
678
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Hallo Holdryn,

ich kann Dich sehr gut verstehen. Ich war vor meinem Unfall sehr aktiv mit Sport, etc. Jetzt fällt mir das alles sehr schwer. Ich bin schlecht belastbar und breche häufig in Tränen aus ( mir wird alles sehr schnell zu viel, das kannte ich vorher nicht). Das alles macht mich sehr traurig und wütend, weil ich weiß, daß ich vorher anders war. Das lasse ich auch an anderen aus. Ich habe auch Therapien hinter mir und beginne wieder eine Psychotherapie bei einer Neuropsychologin. Hier werden noch andere Sachen ( auf mein Gehirn bezogen)trainiert. Da habe ich auch wieder Hoffnung ein Stück weiter zu kommen. Wie Divergirl schon geschrieben hat, dann kommen die ganzen Gutachten von der BG und gegn. Versicherungen hinzu, die auch sehr belastend sind.
Wir sind im Forum ein Glück nicht allein. Das tröstet mich etwas.
Liebe Grüße von frido
 
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