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Unfallversicherung schiebt alles auf die Psyche

Rosi70

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
14 Nov. 2014
Beiträge
462
Hallo,

meine private Unfallversicherung verweigert die Zahlung des Krankenhaustagegeldes, weil ich angeblich psychisch krank sei, was so nicht stimmt.

Seit nunmehr 25 Jahren bin ich bei der Unfallversicherung versichert. Bisher haben wir uns immer gut verstanden. Ich habe pünktlich gezahlt und von der Versicherung kamen nie Beschwerden.

Im vergangenem Jahr hatte ich nun aber einen Unfall mit SHT und habe bis heute einige somatischen Symptome (Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörung, Schlafstörung) und bin z. Zt. berufsunfähig geschrieben.

In diesem Jahr war ich einige Woche in einer psychosomatischen Klinik, um die Schmerzen zu minimieren. Einweisungsgrund: ausschließlich die körperlichen Beschwerden!

Auf Grund der körperlichen Beschwerden hat inzwischen die Psyche auch gelitten. Wer tagelang mit dumpfen Kopfschmerzen und Schwindel flach liegt, nicht arbeiten kann, soziale Kontakte vernachlässigen muss, kann dies sicher nachvollziehen.

Meine private Unfallversicherung lehnte die Zahlung des Krankenhaustagegelden mit der Begründung ab, dass ich auf Grund der psychischen Störung stationär war und dies keine Folge des Unfalls ist.
Ich glaub, ich spinne! Wäre der Unfall nicht gewesen, wäre ich kern gesund, hätte Freude und Spaß am Leben. Für mich gehören definitiv die psychischen Symptome zu den Unfallfolgen.
Ok, habe ich gedacht, war wohl der Sachbearbeiter etwas übermüdet ... ich also, den Einweisungsschein meines Unfallarztes, ein ärztliches Attest vom Hausarzt mit Begründung der Einweisung und dem Klinikbefund ... das wichtigste unterstrichen, damit der Sachbearbeiter sich nicht wieder schläfrig liest ... erneut zur Unfallversicherung geschickt.
Resultat: erneute Ablehnung und Androhung, dass ich das Krankenhaustagegeld des vorigen Klinikaufenthaltes (BG Klinik, wo beginnende psychische Symptome erwähnt wurden) zurück zahlen muss.

Habe nun alles einem Anwalt übergeben, nachdem ich noch einmal einen letzten telefonischen Versuch einer gütigen Einigung unternahm. Fehlanzeige; man hat mir sogar am Telefon mitgeteilt, dass man meine Schreiben in Zukunft ignoriert.

Hat irgendwer von euch ähnliches erlebt und kann mir eine Tipp geben oder mir sagen, wie meine Chancen sind.

Habe ja nun schon mit der BG und meiner Berufsunfähigkeitsversicherung negativer Erfahrungen gemacht und möchte den Glauben an Gerechtigkeit noch nicht ganz verlieren.

LG

Rosi
 

buchfreundin

Gesperrtes Mitglied
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12 Dez. 2012
Beiträge
788
Moin moin!

Rosi, als erstes mußt du mal bitte schauen, ob entsprechend nachfolgendem Satz etwas in den Versicherungsunterlagen steht:

... fallen unter den Versicherungsschutz nicht krankhafte Störungen infolge psychischer Reaktionen, gleichgültig, wodurch diese verursacht sind...

Wenn etwas demenstprechendes in den Vertragsbedingungen steht, hast du bei psychischen Störungen auch verursacht durch das SHT keine Chance. Denn diese sind in den Vertragsbedingungen mit deiner Unterschrift ausgeschlossen. Und diese Ausschluß-Klausel ist in vielen Verträgen rechtsgültig enthalten.

Des weiteren, du schreibst einerseits "somatischen Symptome (Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörung, Schlafstörung)".
Somatische Symptome sind keine psychischen Störungen per se sondern Beschwerden auf Grund einer Organstörung. Sehstörung z.B durch Schädigung des Sehnervs oder Gehirnstrukturen, Schwindel durch Gleichgewichtsorganschädigung. Die Auswirkungen der Störung sind im Rahmen einer Diagnostik nachwiesbar (z.B. Frenzel-Brille + Nystagmus + Kreislaufreaktionen bei Schwindel, Sehstörungen je nach Art etc.,).

Psychosomatische Störungen also psychische Störungen sind Beschwerden des Patienten, die auf kein defektes Organsystem zurückzuführen sind und auch nicht im Rahmen der Diagnostik relativierbar.

Ist dieses im Rahmen der Berichte getrennt worden? Oder wurden die Beschwerden statt auf "Organveränderungen" (also somatisch) im Rahmen einer psychischen Reaktion gewertet? Sprich wurde eine psychosomatische Störung oder ggf. somatoforme festgestellt?

Wenn nein, dann hast du ggf. die Chance, daß die Versicherung ggf. im Klageverfahren doch zahlen muß.

Aber du mußt dir bitte etwas angewöhnen. Sauberes Argumentieren.
Wenn du an die Versicherung etwas wie "Für mich gehören definitiv die psychischen Symptome zu den Unfallfolgen." geschrieben hast, dann ist die Wahrscheinlichkeit, daß du Erfolg haben wirst, gerade sehr gegen Null gegangen.
Denn du bestätigst damit selber, daß diese Symptome psychischer Ursache sind. Und falls entsprechendes im Vertrag ausgeschlossen ist ...
In disem Sinne auch Vorsicht mit dem Begriff "somatoform". Er geht nicht ganz soweit, schließt es aber auch nicht sicher aus.

Wenn demnächst von deinen Symptomen gesprochen wird, dann achte bitte darauf, daß "somatisch" benutzt wird.

Gruß
 

Rosi70

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
14 Nov. 2014
Beiträge
462
Hallo Buchfreundin

danke für deine ausführliche Erklärung.

Mir ist sehr wohl bewusst, dass psychische Störungen bei Unfallversicherungen ausgeschlossen sind.

In erster Linie bin ich körperlich krank und deshalb bin ich stationär aufgenommen worden. Leider in einer psychosomatisichen Klinik. Die Unfallversicherung hat einfach nur das Wort "psycho" gelesen und schon bin ich als psychisch krank abgestempelt. Alles andere wird schlichtweg ausgeblendet.

Eine derartige Aussage: "Für mich gehören definitiv die psychischen Symptome zu den Unfallfolgen." habe ich gegenüber der Versicherung selbstverständlich nicht getätigt. Ich habe versucht, durch den Einweisungsschein und dem ärztliches Attest zu belegen, dass ich auf Grund des Unfalls und der dazugehörigen organischen Symptome eingewiesen wurde.

Inzwischen achte ich sehr genau darauf, was als ICD angegeben wird. Die Klinik hat als Kopfschmerzdiagnose beispielsweise das "Posttraumatische Schmerzsyndrom" angegeben. Und ich glaube eine "reaktive Depression" habe ich auch in einem der zahlreichen Diagnose mal gelesen. Ich hoffe, dass dies richtig eingeschätzt wurde Oder gibt noch besser formulierte Diagnosen? Somatoforme Schmerzstörung vielleicht?

LG
 

buchfreundin

Gesperrtes Mitglied
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12 Dez. 2012
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Moin moin!

Also, mit reaktiver Depression hast du definitiv eine psychische Diagnose.

Kannst du mir einen Gefallen tun und mal bitte die ICD-10-Codierung für das posttraumatische Schmerzsyndrom rüberreichen?

Es gibt verschiedene "Arten" davon. Je nach Codierung bezogen auf das Organsystem oder auf die Psyche. Ich kann dann genauer bestimmen, welche Richtung.

Und bitte mit dem Begriff somatoforme Schmerzstörung vorsichtig sein.
Die „anhaltende somatoforme Schmerzstörung“ ist durch andauernde quälende Schmerzen über mehrere Monate gekennzeichnet, für die keine körperliche Ursache gefunden werden kann, welche die Beschwerden erklären würde.
Definitionsgemäß ist es eine psychische Störung mit psychosomatischen Zeichen körperlichen Begleiterscheinungen.
Und wird mit F45.40 codiert.

Davon abzugrenzen ist "Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Im Vordergrund des klinischen Bildes stehen seit mindestens 6 Monaten bestehende Schmerzen in einer oder mehreren anatomischen Regionen, die ihren Ausgangspunkt in einem physiologischen Prozess oder einer körperlichen Störung haben. Psychischen Faktoren wird eine wichtige Rolle für Schweregrad, Exazerbation oder Aufrechterhaltung der Schmerzen beigemessen, jedoch nicht die ursächliche Rolle für deren Beginn.
Definitionsgemäß ist es damit eine organische Erkrankung, in der es durch die organischen Schäden und die dadurch bedingten Konsequenzen sekundär zur psychischen Begleiterscheinungen kommt.
Und wird mit F45.41 codiert.

Ein kleiner, aber feiner Unterschied in der Wortwahl und Codierung mit gravierenden Konsequenzen.

Ich denke, damit verstehst du auch, warum ich oben gesagt habe, bei der posttraumatischen Schmerzstörung ist es wichtig auf Wortwahl und Codierung zu achten.

Gruß
 

Rosi70

Erfahrenes Mitglied
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14 Nov. 2014
Beiträge
462
Hallo,

momentan kann ich dir keine genaueren Angaben machen, da alle Befunde bei meinem Anwalt liegen, der diese prüfen möchte.

Ein bisschen verunsicherst du mich.

Ich hatte vor über einem Jahr meinen Unfall mit SHT. Es konnte keine Blutung oder Bruch festgestellt werde. Trotzdem habe ich tägliche Kopfschmerzen von unterschiedlicher Intensität, Schwindel, kann optisch bewegte Bilder nicht aufnehmen, habe eine Merkfähigkeitsstörung, ein Klopfen auf dem rechten Ohr, Schlafstörungen, eine Gesichtsfeldeinschränkung beidseits und Schulte-Nackenbeschwerden, weil ich wegen des Schwindels meinen Kopf so wenig wie möglich bewegen.

Wenn die körperlichen Symptome nicht so stark ausgeprägt sind, geht es mir psychisch gut. Wenn ich auf Grund der Symptome flach liege und nichts machen kann, bin ich psychisch auch angeschlagen.
Unter reaktive Depression verstehe ich ein Depression, die als Reaktion auf die Schmerzen entsteht ...

Wenn ich dich richtig versteh, ist die Diagnose "Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren" die richtige Diagnose für mich. Die Schmerzen bestehen seit nunmehr über einem Jahr ... also chronisch und für meine körperlichen Beschwerden ist die Psyche ursächlich nicht verantwortlich... eher umgedreht ... auf Grund der körperlichen Beschwerden entwickelte sich die Depression.

Phu ... auf was man alles achten muss.

LG
 

Rosi70

Erfahrenes Mitglied
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14 Nov. 2014
Beiträge
462
Ergänzung:

Folgende Diagnose stand auch in einem Bericht:

Postkontusionelles Syndrom (ICD: 10: F07.2
 

Rudinchen

Erfahrenes Mitglied
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6 Dez. 2009
Beiträge
2,413
Hallo,

vielleicht hilft dir dieser Link weiter?

http://www.iww.de/vk/archiv/versich...lausel-in-der-unfallversicherung-durch-f32349

Daraus geht hervor, dass du eine Entschädigung bekommst, bei

  • "Psychische Reaktionen, die als unvermeidliche Begleiterscheinungen einer hirnorganischen Verletzung auf Grund eines Unfalls auftreten und zu behandeln sind (OLG Frankfurt OLGR 00, 27"
Du musst quasi beweisen, dass bei dir eine hirnorganische Schädigung vorliegt. Das kann ein guter Neurologe nachweisen, eher aber noch ein Neuropschologe, der - wenn er gut ist - den Unterschied durch Tests herausarbeiten kann.


Neuropsychologen findest du hier:


http://www.gnp.de/_de/fs-Behandlerliste-Gesamtliste.php


Ich hoffe, dass du mit dem Anwalt bei deiner Unfallversicherung weiterkommst und durch den Neuropsychologen organische Schädigungen bestätigt bekommst.



Allerdings wird dich die UV dann sicher zu dementsprechenden Gutachtern schicken, um dir nachzuweisen, dass es doch psychisch ist. ...


Viele Grüße,

Rudinchen
 
Zuletzt bearbeitet:

buchfreundin

Gesperrtes Mitglied
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12 Dez. 2012
Beiträge
788
Und nochmal Moin moin!

Also, F07.2 bedeutet
Organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma
Das Syndrom folgt einem Schädeltrauma, das meist schwer genug ist, um zur Bewusstlosigkeit zu führen. Es besteht aus einer Reihe verschiedenartiger Symptome, wie Kopfschmerzen, Schwindel, Erschöpfung, Reizbarkeit, Schwierigkeiten bei Konzentration und geistigen Leistungen, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen und verminderter Belastungsfähigkeit für Stress, emotionale Reize oder Alkohol.

Es fällt unter die ICD-10-Codierung allgemein F00 - F09, also
Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen.
Dieser Abschnitt umfasst eine Reihe psychischer Krankheiten mit nachweisbarer Ätiologie in einer zerebralen Krankheit, einer Hirnverletzung oder einer anderen Schädigung, die zu einer Hirnfunktionsstörung führt. Die Funktionsstörung kann primär sein, wie bei Krankheiten, Verletzungen oder Störungen, die das Gehirn direkt oder in besonderem Maße betreffen; oder sekundär wie bei systemischen Krankheiten oder Störungen, die das Gehirn als eines von vielen anderen Organen oder Körpersystemen betreffen.

Und damit eine organische Ursache mit in der Folge auch psychischer Konsequenzen. Es ist keine reine psychische Erkrankung wie z. B. reaktive Depression oder o.g. Schmerzstörung, sondern eine organische Erkrankung mit einer psychischen Komponentewie z.B. auch Alzheimer.

Und damit wäre Rudinchens Urteilslink auf dich anwendbar.
Nachweisen mußt du da nichts, die Diagnose hast du ja. Und die Versicherung ist in der Beweispflicht, wenn sie gegenteiliges behauptet.

Da ich hier aber nur auf Grund deiner Angaben spekulieren kann, besorg dir die exakten Diagnosen und ICD-10-Ziffern vom Anwalt.
Im Moment hat es etwas von Eidotterlesen. Ein paar Schlieren sind zu differenzieren, aber ob es Huhn oder Hahn wird, ist so nicht absehbar.

Gruß
 

Anne601

Erfahrenes Mitglied
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Private Versicherungen

Moin

Thema icd-codierung, B99 Kadegorie D.Frage ist es richtig das dies heist,Endogriene Ernährungs und Stoffwechechsel Erkrankung.Und Kadegorie D , Blut Lymph Milz und andere Erkrankungen.Kann das heißen,CLL also Chronische Lymphatische Leukämie? Vielen dank im voraus,für eure Antworten.

MFG
Anne601
 

buchfreundin

Gesperrtes Mitglied
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Moin moin!

Schau mal bitte nach, was genau du meinst.
Im ICD-10 gibt es keine Buchstabenunterkategorien zu den Kategorien.

Gruß
 

Rosi70

Erfahrenes Mitglied
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Moin Buchfreundin,

deine Tipps sind sehr hilfreich und ich werde nunmehr verstärkt auf die Diagnosen der Befunde achten. Hab vielen Dank.

Allen einen schönen 2. Advent
 
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