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Trauma nach Verkehrsunfall vor 10 Jahren

Seraphine

Nutzer
Registriert seit
19 Juli 2008
Beiträge
5
Hallo zusammen,

ich bin neu hier und möchte mich bzw. meine Unfallproblematik kurz vorstellen. :)

Mein Unfall liegt mittlerweile schon 10 Jahre zurück. Ich war damals 17 und stand kurz vor der PKW-Fahrprüfung in der Fahrschule - wie ich den Führerschein geschafft habe, weiß ich bis heute nicht, aber ich habe ihn. Unser Unfall passierte auf der Landstrasse: Meine beste Freundin am Steuer, ich auf dem Beifahrersitz, eine weitere Freundin saß hinten. Es kam bei voller Geschwindigkeit zu einem Frontalzusammenstoß, weil ein PKW auf der Gegenspur einen Auffahrunfall verhindern wollte und auf die Gegenspur - also auf unsere - auswich. Die Autos stießen zusammen, dann säbelten wir einen Baum um, um uns dann einige Meter ins Feld hinein zu überschlagen und auf dem Dach zu landen. Mitten an einem heißen Sommertag im Getreidefeld, überall Benzin, wir eingeklemmt. Nach 45 Minuten konnten Sie uns aus dem Auto befreien. Fahrerin und Beifahrerin lebensgefährlich verletzt...
Um nicht weiter ins Detail zu gehen... Die körperlichen Wunden sind bei uns Dreien soweit gut verheilt; auch wenn durch diverse Knochenbrüche und Verätzungen am Körper chronische Probleme auftreten (können).

Mein Ziel ist es dieses Jahr, eine Traumatherapie zu beginnen. Ich bin schon auf der Suche nach Therapeuten und bin optimistisch. Ich möchte gern angstfrei ans Autofahren denken, angstfrei in ein Auto steigen und es selbst angstfrei und mit guter Laune fahren. Seit 2005 traue ich mich ab und an hinter das Lenkrad - durch die tatkräftige Unterstützung meines lieben Mannes, der allerdings viel aushalten muss ehe ich dann mal ein Stück fahre...

In einigen Beiträgen habe ich mich schon wiedererkannt und freue mich daher sehr, mich hier austauschen zu können.

Liebe Grüße, schönes Wochenende,
Seraphine
 

ondgi

Erfahrenes Mitglied
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Beiträge
474
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Hessen
Hallo Seraphine,
hast Du denn überhaupt seit dem Unfall Psychologische Hilfe erhalten?
Mein Unfall war auch mit Überschlag und rausschleudern aus dem Auto,
erzählte man mir da ich kurz nach dem querstellen des PKWs das Bewustsein verlor.
Ich wurde erst nach ...Minuten wieder wach irgendwo unter Bäumen.
Die Aufarbeitung des Unfalls hat mein D-Arzt mir mit einem Psychologen empfohlen, was ich nun auch seit einem Jahr mach.
Hilft aber nicht weiter die "Phantasie" Bilder aus dem Kopf zu bekommen.
Phantasie deswegen da ich keine Erinnerung habe an den Unfall, mein inneres aber wissen will, WIE, WARUM,WO, WIESO etc. !
Ich werde jetzt wohl eine Trauma Therapie machen "EMDR" !
Mehr dazu kannst Du hier erfahren:
http://www.emdr-institut.de/

Oder such hier im Form oben mitte/rechts nach Trauma, EMDR etc.!

ondgi
 

TinaM

Neues Mitglied
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24
Hallo,

ich bin seit Anfang des Jahres in psychologischer Behandlung und wir wenden EMDR an. Ich kann es empfehlen!

Es muß nur sicher gestellt sein, daß ein 100%iges Vertrauen zu dem Psychologen besteht.

Mir hilft es und hat es schon geholfen. Vorher konnte ich keine Autobahn fahren. Nun geht es bereits am WE wenn wenig Verkehr ist. Im September 2006 hatten mein Mann und ich einen sehr schweren Verkehrsunfall auf einer Autobahn in Südfrankreich bei der ich fast ums Leben gekommen wäre. "Leider" kann ich mich an jedes Detail erinnern.

Liebe Grüße
Tina
 

Seraphine

Nutzer
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19 Juli 2008
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Hallo,

vielen Dank für Eure Antworten. Am Donnerstag bin ich zum Kennenlerngespräch bei einer Psychologin eingeladen - vielleicht ist es gleich die Richtige. :)

@ondgi:
Nein, die psychologische Hilfe war damals anscheinend für uns Dreie nicht nötig. Zumindest hat niemand der vielen Ärzte je etwas in die Richtung verlauten lassen. Die gegnerische Versicherung von der Unfallverschulderin hatte eh viel zu bezahlen. Gelder, die natürlich primär die materiellen und physischen Schäden deckten. Alles was in Richtung Psyche ging (z.B. verpatzte Fahrschulprüfung) zahlte die Versicherung nur sehr widerwillig. An Therapie hat aber niemand gedacht, nein. Diese Verhandlungen zwischen Anwalt und Versicherung gingen auch gute 3 Jahre - und wir Dreie hatten schon nach 1 Jahr die Sch*** voll... immer wieder das leidige Thema. Die Fahrerin und ich hatten eh genug Blessuren davon getragen - wir wollten nur wieder körperlich gesunden und alles andere stand gar nicht zur Debatte. Mittlerweile denke ich da auch anders. Gerade, weil Traumatherapie usw. völlig normal ist. Ich weiß nicht wie das vor 10 Jahren war.

Vielen Dank für Deinen Link. Mal schauen ob die Therapeutin am Donnerstagd mit EMDR etwas anzufangen weiß. Ich drücke Dir fest die Daumen, dass Deine Therapie irgendwann Früchte trägt. So was Tiefenpsychologisches dauert ja auch ewig... Aber immer optistisch bleiben. :)

@TinaM:
Oh ja, das Gefühl kenne ich, sich "leider" an alles erinnern zu können. Ich war damals auch diejenige von uns Dreien, die nach wenigen Minuten wieder wach wurde... Erst der Retter in Weiß, der mit dicker Kanüle und dem Zauberbeutel zu mir angerannt kam, sich auf meinen Arm kniete und das Ding reindrückte - hat mich erlöst. Ich begrüßte ihn mit den Worten: "Na endlich krieg ich meine Ruhe!" Natürlich völlig hysterisch. Heute lächel ich darüber, aber damals war es Kritik und Wut, dass er uns so lange hat liegen lassen. Der arme Arzt... :eek: Meine Fahrerin und ich schrien immer abwechselnd, um nicht die Nerven zu verlieren - und, um sie nicht zu verlieren. Sie bekam das meiste ab: den Frontalen Zusammenstoß und der Baum, der meinen Sitz auf sie schob. Sie war unter denm Beifahrersitz eingeklemmt und verlor das meiste Blut und immer wieder das Bewußtsein.
Jedenfalls... die Helfer, die zuerst zu uns kamen, haben sich erschrocken als ich anfing zu reden. Denn sie dachten alle Insassen sind tot.

Super, dass Dir die Therapie hilft! Mutig, Schritt für Schritt. Ich versuchs ja auch ab und an... ich freu mich immer tierisch, wenn ich gut gefahren bin. Anschließend und die folgenden Tage danach muss ich viel an mir arbeiten, um nicht depri zu werden. Na ja, oder ich verdräng es halt. :)
Wie erging es denn Deinem Mann?


Danke Euch und alles Gute, bis dann
 

TinaM

Neues Mitglied
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12 Dez. 2007
Beiträge
24
Hallo Seraphine,

mein Mann ist nur mit Prellungen aus dem Unfall raus gekommen.

Da er nach drei Wochen die Heimfahrt von Frankreich (wo ich die drei Wochen lang nicht transportfähig war und im KH lag) aus mit einem ADAC-Fahrer antreten mußte ist er wieder sehr früh mit der Situation Autobahn konfroniert worden. Es macht ihm mittlerweile nichts mehr aus.

Ich selbst wurde mit dem ADAC-Auslangsrettungs-Jet überführt.

Aufgrund meiner Verletzungen durfte ich über 1/4 Jahr lang kein Auto fahren. Weil Autobahnfahrten bei uns eh meistens nur für Besuche und/oder Urlaube ansteht wurde ich damit nicht konfroniert und habe es als Eigenschutz beiseite geschoben.

Wie gesagt- die EMDR funktoniert bei mir sehr gut.

Ich drücke Dir fest die Daumen, daß die erste Therapeutin auch direkt die richtige für Dich ist :). Die Chemie muß einfach stimmen denn sonst bringt es überhaupt nichts.

Liebe Grüße
Tina
 

michisma

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228
Hallo Seraphine

Ich dacht vier lang Jahre dass man es doch alleine schafft und so was nicht braucht.
Da ich nicht selber das Opfer war,nur die Mutter.
Jetzt hab ich mir Hilfe gesucht und denke wie kann man nur so eigensinnig sein wie ich und die ganzen Jahre die Ratschläge nicht annehmen und auf Hilfe verzichten.
Nimm die Hilfe in Anspruch und wenn Du beim Ersten Therapeuten kein gutes Gefühl hast,dann such weiter.
Ich habe auch drei Anläufe gebraucht um den richtigen zu finden und es wird wirklich besser.

Ich wünsch Dir viel Glück
Kopf hoch
michisma
 

Seraphine

Nutzer
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Beiträge
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Hallo,

@ondgi: Ich hab mal eine Frage... Du sagst, dass Du Dich nicht wirklich an etwas erinnern kannst und Du quasi nur unspezifische Phantasiebilder als Erinnerung hast. Wie geht dann Dein Arzt an das EMDR Verfahren heran? Ich frage, weil die Therapeutin mich gestern fragte, inwiefern ich durch Sinneseindrücke oder unbewußt an den Unfall erinnert werde, z.B. Gerüche, Geräusche, Blackouts in bestimmten Momenten, die vielleicht auf das Unfallereignis zurückzuführen sind. Ich hab das gestern so verstanden, dass man mittels solcher Bruchstücke wohl therapeutisch arbeitet. Hm, ich habe aber so etwas kaum zu bieten... ich kann Benzin riechen, Reifenquietschen stört mich nicht, laute Geräusche stören mich m.W. genauso wie andere Menschen auch... Wie ist das bei Dir?

@alle: Ich bin gespannt wie die zweite Sitzung wird und freue mich, auf Anhieb eine mir absolut sympathische Therapeutin gefunden zu haben. :) Das wäre echt der Hammer, wenn man mir den Unfall-Stecker endlich ziehen könnte!

Schönen Tag Euch erstmal,
Jana
 

ondgi

Erfahrenes Mitglied
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22 Juli 2007
Beiträge
474
Ort
Hessen
Hallo,
@Seraphine ich habe noch keine Sitzung mit EMDR gehabt, werde sie aber demnächst beginnen
(wenn man dann einen Termin bekommt) !
Meine Erinnerungen sind sehr schwach, aber meine traumatischen Vorstellungen woher kann diese
Verletzung sein und woher jene sind immer wiederkehrende schreckliche Bilder.
Auto fahren ist für mich schlimm, vor allem das mitfahren und hinten kann ich
schon GAR NICHT sitzen (habe den Unfall als Mitfahrer hinten erfahren).
Ich habe das Schleudern des Autos noch im Sinn und einen lauten Knall, dann ging bei mir im inneren das Licht aus.
Ich habe auch keine richtige Erinnerung an die Tage auf der Intesivstation so war ich wohl zugetrönt worden.
Ich habe in der Rücksprache mit meinem momentanen Psychologen den Rat bekommen EMDR Therapie zu machen.
Er hat mich im letzten Jahr etwas stabilisiert und denkt das durch diese Therapie meine PTBS stark gemindert werden kann.
Es gibt zwar keine 100% Heilung aber da können Dir die, die es schon hinter sich haben mehr dazu sagen.

ondgi
 

Tine64

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Hallo Ondgi,
auch ich kämpfe seit 3 Jahren mal mehr, mal weniger mit den Folgen meines Unfalles. Bin im Sommer 2005 auf Kreta mit einem Quad aus ungeklärter Ursache von der Straße abgekommen, 6 m Steilküste abgestürzt und anschließend 5 Tage später im griechischen Krankenhaus aufgewacht. An den Unfall und ich schätze mal so 15 min vorher hab ich keinerlei Erinnerungen mehr und keiner kann oder will mir sagen, wie es passiert ist (die griechische Polizei hat alles dazu getan).
Ich lag 6 Monate in meinem Heimatkrankenhaus und in der Zeit hatte ich auch ab und zu eine Psychologin. Ich dachte damals, das irgendwann die Erinnerungen kommen und hätte auch Einiges ausprobiert (Hypnose o.ä.) aber sie riet mir dringend ab, meinte, der Gedächtnisverlust wäre eine Schutzfunktion zum Eigenschutz und ich sollte lieber die Bilder ruhen lassen. Ruhe krieg ich davon aber auch nicht. Hab im Unterbewußtsein auch so Situationen, Geräusche, Bilder, die mich wahrscheinlich an den Unfall erinnern, die ich aber nicht zuordnen kann und die mir Angst machen. Ist es möglich, durch diese spezielle Therapie die Erinnerung wieder zu kriegen? Ich glaube, das wäre nicht so schlimm wie diese Unwissenheit.
Liebe Grüße und einen schönen Rest vom Wochenende Tine
 

Seraphine

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5
Hallo Tine64, Ondgi & all,

ja, ich glaube die verlorenen Erinnerungen an solche schlimmen Ereignisse sollte man wenn dann wirklich nur "wecken", wenn sie einen direkt belasten. Ansonsten seh ichs wie die Psychotherapeuten: Schlafende Hunde soll mer nicht unnötigerweise wecken. Bei meinem Erstgespräch zur EMDR Traumatherapie sagte die Therapeutin, dass die Vorarbeit sehr langwierig sein kann. Die Vorarbeit besteht darin, Gefühle, Erinnerungen an irgendwas, Ängste usw. von dem zu bearbeitenden Ereignis des Unfalls abzugrenzen, um während des Verfahrens nicht in die falsche Richtung zu kommen (und noch mehr schlafende Hunde zu wecken). Das klingt nach ner Menge Arbeit... und ich denk, man sollte es nur tun, wenn man wirklich eine Beeinträchtung davongetragen hat. Reine Neugierde wäre zu wenig. Dann erschrickt mer sich wahnsinnig bei so Therapien und kommt schlecht klar.

Ich wünsch Euch erstmal einen schönen Wochenstart und berichte von meiner zweiten Therapiesitzung, wenn sie stattgefunden hat. :)

Gruß,
Jana
 
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