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Spätfolgen n.SHT 2

sabine38

Mitglied
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16 Juni 2008
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Duisburg
Hallo
Ich habe schon wieder eine Frage an euch.?Habe jetzt viele Ärzte durch ,und auch Gutachter.Es wird zb. in denn Gutachten immer wieder erwähnt das man nicht weiß ob Spätfolgen ausschließbar sind.
Was können die Spätfolgen sein.Ich bin der Meinung das ich seit dem Unfall an Spätfolgen leide.Konzentrationsdefizite ,Platzangst (Große Räume Menschenmengen)Ohrenrauschen.Wer hat damit Erfahrung?
Lg .Sabine
 

Teddy

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Spätfolgen SHT

Hallo Sabine,

ich kann dir aus meiner persönlichen Erfahrung erzählen, dass ich knapp 10 Jahre nach dem Unfall mit offiziell SHT1 immer noch Probleme habe. Besonders kurz zurückliegende Tätigkeiten sind wie weggewischt. Ich weiß, dass ich im Waschraum war, weiß aber nicht ob ich die Waschmaschine oder den Trockner angestellt habe. Auch alle Tricks helfen dem Gedächtnis nicht auf die Sprünge - ich muss nochmals den Weg machen und es nachschauen.

Es ist nicht so, dass ich es kontrolliere, damit ich sicher bin, sondern ich habe diese doppelten Wege in meinen Alltag eingebaut. Beim Einkaufen lerne ich die Liste auswendig, indem ich mir aus den Buchstabenanfängen ein Wort bastle, das ich mir merken kann. Oder ich stelle mir einen Essteller mit den Lebensmitteln bildlich vor, dann kann ich es mir leichter merken. Doch immer noch verlasse ich den Supermarkt und bin mir sicher, dass von 10 Dingen zwei nicht habe.

Manchmal gehe ich dann in aller Ruhe nochmal zurück, gehe durch die Reihen und wenn ich dann die Milchpackung sehe, dann weiß ich es erst wieder, was gefehlt hatte. Das ist ein mühsamer aber gehbarer Weg für mich, gerade wenn du dir vorstellst, dass ich vorher pro Woche in 9 verschiedenen Schulklassen in 5 verschiedenen Fächern bis zu 270 verschiedene Schüler unterrichtet habe.

Das zweite ist mein langsames Reaktionsvermögen, bei jeder Testung durch Neurologen hieß es, das müssten wir der Führerscheinstelle melden, so dürften sie gar nicht mehr Auto fahren. Ich habe es als Provokation der Tester eingestuft um mehr von mir zu verlangen, obwohl ich am Limit war und fahre eigentlich nur, wenn ich einigermaßen stabil bin - auch länger als ne halbe Stunde am Stück ist nicht immer möglich. Nach wenigen Minuten der Testung schleichen sich stetig mehr Fehler ein.

Früher galt ich als jemand mit einem sehr guten Zahlengedächtnis - heute stehe ich vor dem Bankomat und kann die Geheimzahl nur über die Fingerbewegungen mir wieder bewusst machen. Und diese Zahl habe ich auch schon vor dem Crash gehabt.

Meine Belastbarkeit ist stark eingeschränkt, bei normalem Alltagsstress (4-köpfige Familie mit zwei Schulkindern) gibt es wöchentlich Phasen, da geht alles noch langsamer. Es ist ein Leben mit angezogener Handbremse. Jeder Gedanke, jede Handlung ist nicht mehr so wie es mal war. Meinen geliebten Beruf musste ich aufgeben, nicht mal regelmäßig Nachhilfeunterricht schaffe ich, aber das zieht mich nicht mehr runter.

Ich habe mit Hilfe einer Psychotherapie gelernt, mich selbst nicht abzuwerten, sondern für mich dieses Schmalspurleben bewußt wahr zu nehmen - egal was andere können, egal wie es andere werten -, es gibt vieles das ich kann, ich sitze nicht im Rollstuhl, ich habe überlebt, ich kann sehen, hören, essen, trinken, laufen ich kann meine Kinder aufwachsen sehen. Alles andere lässt sich managen. Die Phase des Depressiontief liegt hinter mir. Ich gestatte mir mal traurig zu sein, mal nicht zu funktionieren, mal an mich als erstes zu denken. So leb ich jeden Tag und bin dankbar ihn bewußt leben zu können.

Manche Gutachter, Ärzte tun das ab, als Nebenwirkung von Tabletten, mangelnde Willensanspannung, einer sagte sogar, der Gedächtnistest bei mir wäre so schlecht, dass das 90jährige im Seniorenheim besser könnten und stellen einen als Simulanten mit Begehrensneurose dar. Es gibt aber auch andere, die Spätfolgen anerkennen und durch deren Diagnose ich im Mai 2009 endlich eine Unfallrente vor Gericht erstreiten konnte.

Jeder Arzt von anfang an ob, Klinik, Reha, ambulante Begleitung haben mir Mut gemacht, es braucht Zeit, das wird schon wieder, es wird langsam aber stetig besser werden. Aber ist nach ca 1-2 Jahren auf einem Level stehen geblieben, trotz Hirnjogging, Lernstrategien, Psychologischer Begleitung.

Also Mut, Mut, Mut es lohnt sich was zu tun, lernen ist wie Schmimmen gegen den Strom, hört man auf, treibt man zurück.

Spätfolgen können sich verstärken, müssen es aber nicht.

Gruß Teddy ;)
 

Teddy

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Sht

Hallo Sabine,

du kannst unter www.anb-ev Bereich Publikationen eine Reihe von Vorträgen nachlesen, die sich mit SHT Trauma befassen. Sie wurden beim Kongress der anb - arbeitsgemeinschaft neurologischer Begutachtung im April 2009 in Heidelberg veröffentlicht. Da gibt es Tabellen mit prozentualen Anteilen von Spätfolgen.

Natürlich taucht auch mal wieder bei C.W. Wallesch Praktische Begutachtung leichtgradiger Frontalhirnsyndrome ein Zitat unseres allseitsbekannten StevensTübingen auf über die Möglichkeit des Probanten zu simulieren und ihm mit Tests auf die Schliche zu kommen.

Ich bin doch immer wieder überrascht, wie andere erfahrene Neurologen und Psychiater die pseudowissenschaftlichen Testergebnisse dieses gern gewählten Gutachters als bare Münze nehmen. Da ich leider selber die Erfahrung dort machen musste, wie: - standardisierte Tests nach eigenem Gutdünken abgewandelt wurden, nur um die eigenen Forschungsergebnisse zu bestätigen, - das Nichteinhalten gutachterlichen Anforderungen z.B. sich mit 45min Zeit für ein Gutachten zu begnügen, - mehrere gleichlautende Vorgutachten zu negieren und vor Gericht noch zu behaupten: seine wissenschaftliche Lehrmeinung sei die allgemein übliche, obwohl sie umstritten ist.

Ich durfte aber erfahren, dass bei mir zwar erst in 2. Instanz vom Gericht Stevens Gutachten Aussage als nicht nachvollziehbar bewertet wurde und ich von dem vom Gericht bestellten Gutachten bei einem Führenden der anb Unfallfolgen anerkannt bekam und jetzt eine Unfallrente erhalte.

Gute Nerven beim Stöbern
Teddy ;)
 

tuffy

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Hallo Sabine!
Die von Dir genannten Beschwerden können Spätfolgen sein. Vor allem, wenn sie vor dem Unfall nicht da waren, besteht eine Kausalität. Nach meinem Unfal hatte ich plötzl. einen deutlichen Tinnitus, der - wenn er im Gehen auftrat - mich zur linken Seite wegkippen ließ oder selbst im Sitzen für Gleichgewichtsprobleme sorgte. Auch können Ängste auftreten.
Ich würde Dir zu einer baldigen Psychotherapie raten - keinem ist zuzumuten, das Leben mit derartigen Symptomen zu verbringen.
Was das Gutachten anbelangt, finde ich es ok u. auch gründlich, wenn man festlegt, daß man noch nicht weiß, ob u. welche Spätfolgen zu erwarten sind - besser u. ehrlicher, als "das wird schon wieder"- Gelaber.
 

h.s

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Hallo Sabine,

du kannst unter www.anb-ev Bereich Publikationen eine Reihe von Vorträgen nachlesen, die sich mit SHT Trauma befassen. Sie wurden beim Kongress der anb - arbeitsgemeinschaft neurologischer Begutachtung im April 2009 in Heidelberg veröffentlicht. Da gibt es Tabellen mit prozentualen Anteilen von Spätfolgen.

Natürlich taucht auch mal wieder bei C.W. Wallesch Praktische Begutachtung leichtgradiger Frontalhirnsyndrome ein Zitat unseres allseitsbekannten StevensTübingen auf über die Möglichkeit des Probanten zu simulieren und ihm mit Tests auf die Schliche zu kommen.

Ich bin doch immer wieder überrascht, wie andere erfahrene Neurologen und Psychiater die pseudowissenschaftlichen Testergebnisse dieses gern gewählten Gutachters als bare Münze nehmen. Da ich leider selber die Erfahrung dort machen musste, wie: - standardisierte Tests nach eigenem Gutdünken abgewandelt wurden, nur um die eigenen Forschungsergebnisse zu bestätigen, - das Nichteinhalten gutachterlichen Anforderungen z.B. sich mit 45min Zeit für ein Gutachten zu begnügen, - mehrere gleichlautende Vorgutachten zu negieren und vor Gericht noch zu behaupten: seine wissenschaftliche Lehrmeinung sei die allgemein übliche, obwohl sie umstritten ist.

Ich durfte aber erfahren, dass bei mir zwar erst in 2. Instanz vom Gericht Stevens Gutachten Aussage als nicht nachvollziehbar bewertet wurde und ich von dem vom Gericht bestellten Gutachten bei einem Führenden der anb Unfallfolgen anerkannt bekam und jetzt eine Unfallrente erhalte.

Gute Nerven beim Stöbern
Teddy ;)

ergänzung www.anb-ev.de
 

sabine38

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Hallo Teddy,
Viele Sachen die du beschreibst,sind bei mir ähnlich oder gleich.Es ist auf jeden Falls erschreckend was so ein Unfall verursachen kann.War es bei dir wirklich nur ein SHT 1. Finde es bei dir noch ausgeprägter.
Hast du einen Verkehrsunfall gehabt oder ein Wegeunfall?Du schreibst du warst vor Gericht!Wie lange hatte es bei dir gedauert? Bin erst seit fast 2 Jahren dran.Ich bin immer der Meinung, wenn die Sache überstanden ist geht es mir besser.(Psychosomatisch)Ich war früher auch viel Belastbarer,heute ermüde ich wenn ich unter Belastung stehe.Du schreibst das du nur kurze strecken fährst.Ermüdest du dann oder was hat du?Wenn ich lange strecken fahre ermüde ich schnell.ich konzentriere mich dann so stark ,das ich wenn ich angekommen bin das Gefühl habe ich hätte 8 Std gearbeitet.
Lg Sabine
 

Teddy

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SHT Spätfolgen

Hallo Sabine,

habe deine PM erhalten und werde dir genaueres zumailen
Gruß
Teddy

Wer nicht kämpft hat verloren - Wer kämpft kann verlieren
oder g e w i n n e n
Dank Unterstützung vom Forum Unfallopfer;)
 

StefanieR

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4 Aug. 2010
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2
hallo sabine,
habe im forum deinen beitrag bzgl. des schleudertraumas gelesen und wollte mal hören, wie es bei dir weitergegangen ist. mein unfall war
vor 5 Jahren und seit einem halben Jahr ist es wieder ganz schlimm,
mit Schwindelgefühlen, Blockaden etc.

In ein paar Monaten muß ich nach meiner Elternzeit, meine Tätigkeit wieder aufnehmen. Im Moment weiß ich nicht, wie ich das machen soll.

lg steffi
 
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