• Herzlich Willkommen beim Forum für Unfallopfer, der größten Gemeinschaft für Unfallopfer im deutschsprachigen Raum.
    Du besuchst unser Forum gerade als Gast und kannst die Inhalte von Beiträgen vieler Foren nicht lesen und so leider nützliche Funktionen nicht nutzen.
    Klicke auf "Registrieren" und werde kostenlos Mitglied unserer Gemeinschaft, damit du in allen Foren lesen und eigene Beiträge schreiben kannst.

Populäre Medizin -Irrtümer

seenixe

Super-Moderator
Mitarbeiter
Registriert seit
31 Aug. 2006
Beiträge
7,923
Ort
Berlin
Jetzt war bei uns hier des öfteren von Fehlern und Irrtümern die Rede.
Da ich zur Zeit etwas Zeit zum Lesen habe, werde ich mal nach Medizin-Irrtümern suchen.:D:D:D

Schmerzen lassen sich nur mit Schmerzmitteln behandeln.
Das Schönste am Schmerz ist, wenn er nachlässt. Dass bei guter Stimmung Schmerzen nicht so schlimm empfunden werden, kann jeder auf Anhieb nachfühlen. Relativ neu ist jedoch die Erkenntnis, dass auch durch eine antidepressive Behandlung der Schmerz gelindert werden kann. In einer Studie mit rund 1.800 älteren Patienten, von denen 56 Prozent unter Gelenkschmerzen wie auch an einer Depression litten, wurde die Wirkung einer Stimmungsaufhellenden Therapie untersucht. Die antidepressive Behandlung führte dazu, dass die Patienten weniger Schmerzen verspürten und sich gesünder fühlten und auch ihre Lebensqualität positiver einschätzten. Mit der Therapie wurden zwei Ziele zugleich erreicht: Die Schmerzen wurden gelindert und die Depression in vielen Fällen aufgehoben.
Erklärt wird diese Beobachtung damit, dass die Schmerzwahrnehmung und die Stimmungsmodulation im Gehirn eng miteinander verbunden sind und sich beide über miteinander kommunizierende Nervenbahnen gegenseitig beeinflussen. Diese neurobiologische Verbindung könnte auch die Erklärung für die erfolgreiche psychotherapeutische Beeinflussung der Schmerzwahrnehmung sein, die bei chronischen Schmerzpatienten ein wichtiger Bestand-teil der Behandlung sein kann.
Ergänzt wird die Wichtigkeit dieser Beobachtung durch die Selbsteinschätzung chronisch Schmerzkranker. Obwohl Schmerzen als Symptome für eine Krankheit gelten und ihnen nur von wenigen Medizinern ein eigener Krankheitswert eingeräumt wird, sind sie ein Hinweis für den Gesundheitszustand einer Bevölkerung. Je häufiger und je intensiver die Schmerzen, als desto ungesünder stufen sich Probanden ein. Und unzufriedene oder gar depressive Menschen verursachen 50 Prozent mehr Kosten für das Gesundheitssystem als nicht depressive.

Erweiterung folgt.

Gruß von der Seenixe
 

pussi

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
30 Apr. 2007
Beiträge
1,930
kann dem nicht ganz so folgen,
nehme seit ca. 10 jahren antidepressiva
ich spreche aus erfahrung, mann wird schnell abhängig! wenn die wirkung nachlässt, melden sich die schmerzen doppelt intensiv. ausserdem hat man während der einnahme nicht alle am °sträusschen.

pussi
 

seenixe

Super-Moderator
Mitarbeiter
Registriert seit
31 Aug. 2006
Beiträge
7,923
Ort
Berlin
Ein neues populäres Medizin-Irrtum:

Durch Schmerzsyndrome entstehen der Volkswirtschaft enorme Arbeitsausfälle.
Die Verluste, die einer Volkswirtschaft durch Schmerzen der arbeitenden Bevölkerung entstehen, sind in der Tat erheblich. Denn bei Schmerzen können die Menschen entweder gar nicht arbeiten oder nur mit eingeschränkter Leistung. Für die USA haben Wissenschaftler ausgerechnet, dass die Kosten durch Schmerzen jährlich imposante 61,2 Milliarden US-Dollar betragen. Der Großteil dieser Kosten (76,6 Prozent) wurde jedoch nicht durch Arbeitsausfälle und Krankschreibungen verursacht, sondern durch eine verringerte Produktivität und Leistungskraft der Betroffenen während der Arbeitszeit.
Die Forscher hatten in ihre Untersuchung in den Jahren 2001 und 2002 fast 29.000 Arbeitnehmer eingeschlossen. 13 Prozent der befragten Arbeitnehmer klagten während einer definierten zweiwöchigen Arbeitszeit über nachlassende Leistungsfähigkeit, die sie eindeutig auf verschiedene Schmerzsyndrome zurückführten. Am häufigsten handelte es sich dabei um Kopfschmerzen (5,4 Prozent), gefolgt von Rückenschmerzen (3,2 Prozent), Gelenkschmerzen (2 Prozent) und anderen Schmerzen der Muskeln oder der Knochen. Im Durchschnitt fehlten die Schmerzgeplagten 4,6 Stunden in der Woche bei der Arbeit, obgleich der größte Produktivitätsausfall durch eine geringere Leistungsfähigkeit während der Arbeit zustande kam.


Gruß von der Seenixe
 

seenixe

Super-Moderator
Mitarbeiter
Registriert seit
31 Aug. 2006
Beiträge
7,923
Ort
Berlin
Rückenschmerzen
Die meisten Rückenschmerzen haben eine organische Ursache.
Von wegen – es ist schon ein Kreuz: 80 Prozent aller Rückenschmerzen gelten als »unspezifisch«, das heißt, es lassen sich keine krankhaften Veränderungen der Muskeln, Knochen, Gelenke oder andere Auslöser für die Schmerzen finden. Akute Rückenschmerzen lassen bei 90 Prozent der Betroffenen zwar nach wenigen Tagen oder Wochen auch ohne spezifische Therapie wieder nach. Doch häufig treten sie dann umso stärker zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf.
Rückenschmerzen sind ein echtes Volksleiden. Rund 40 Prozent aller Erwachsenen in Westdeutschland leiden an den verschiedensten Beschwerden im Kreuz. Über ein ganzes Jahr gesehen klagen sogar 70 Prozent der Erwachsenen zu irgendeinem Zeitpunkt darüber. Orthopäden stellen Rückenschmerzen als die mit Abstand häufigste Diagnose. Fast die Hälfte der Patienten sucht die Experten für das Skelettsystem deshalb auf. Auch bei Allgemeinmedizinern und praktischen Ärzten klagt durchschnittlich jeder sechste Patient über Rückenschmerzen. Damit ist die Pein mit dem Rücken nach den Kopfschmerzen die zweithäufigste Diagnose überhaupt. In anderer Hinsicht nehmen Rückenschmerzen sogar einen Spitzenplatz ein: Sie gehen mit den durchschnittlich längsten beruflichen Ausfallzeiten einher und stellen zudem die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit dar.


Gruß von der Seenixe
 

kbi1989

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
12 Okt. 2006
Beiträge
949
Hallo seenixe,

ich habe deine Posting´s in Sachen Schmerzen: chronisches Schmerzsyndrom,
Rückenschmerzen etc. gelesen. Sicherlich geht es bei denen Beiträgen nicht
um einen Einzelfall - das ist mir schon klar -, aber so abstrakt kann man die
Angelegenheit "Schmerzen" m. E. auch nicht angehen, besonders wenn man
selbst Betroffener oder wie in meinem Fall, Ehemann einer "Betroffenen" ist.

Die in deinem Beitrag "Rückenschmerzen" zitierte Behauptung: 80% aller
Rückenschmerzen gelten als unspezifisch - möchte ich so nicht übernehmen -,
da sie nur einen statistischen Wert darstellt, und über den qualitativen und
quantitativen Wert einer Statistik nichts aussagt.

In der allgemeinmedizinischen Behandlung als auch in der sozialmedizinischen
Begutachtung, ist die Festlegung (Fest-)stellung eine spezifischen oder eines
unspezifischen Rückenschmerzes oftmals sehr suspekt. Dies deshalb, rein
welchem Zweck dies dient.

Die Schmerzmedizin die im Bereich der Medizin immernoch ein Schattendasein
führt, weil gewisse Systeme wie, z.B. BG´s, RV-Träger, Versorgungsämter,
und nicht zuletzt auch die Justiz dies kalt läst - und die Systeme sich des-
deshalb immernoch ungestört die Bälle zu werfen können - dann erst ist der
statistische Wert von 80% eines unspezifischen Rückenschmerzes nachvoll-
ziehbar, dies umso mehr, weil es keine grosse Mühe macht, ihn, medizinisch
zu begründen.

Ein "chronisches Schmerzsyndrom" auf dem Boden eines pathologischen Or-
gankorrelats fussend, und damit die Begründetheit eines spezifischen Rücken-
schmerzes herleitet, ist in der Sozialmedizin (sozial-)medizinischen Betrach-
tungsweise sehr oft entscheidungserheblich, weil es davon abhängt, ob die
begehrte und beantragte Leistung in Form einer Rente oder eines GdB/MdE
gewährt wird oder auch nicht.


Die Feststellung eines spezifischen oder unspezifischen Schmerzes (Rücken-)
schmerzes obliegt i.d.R. hauptsächlich den Gutachter(innen) der jeweiligen
Auftraggeber. Hierbei spielen Allgemeinmediziner, wie z. B. die Hausärzte/innen
eine untergeordnete Rolle. Was nicht heissen soll, dass sie bei Schmerzen und
deren Behandlung betriebsblind sind. Da sie aber in den wenigsten Fällen lt.
BO der Ärzte die Zusatzbezeichnung "spezielle Schmerztherapie" erfüllen, sind
sie oftmals schulmedizinisch gesehen, überfordert.

Es gibt insofern nur wenige Ärzte, die, die schmerztherapeutisch schmerzmed.
Ausbildung zusätzlich absolviert haben, es sei denn, es sind Anästhesisten od.
Algesilogen(innen). Oftmals versuchen Orhtopäden, Neurologen durch ihre
fachspezifische Ausbildung den Eindruck zu erwecken, sie wären schmerzmed.
Experten und therapieren bis auf Teufel komm raus, anstatt ihre Patienten/
innen an die Fachleute zu überweisen. Dieser Teufelskreis der teilweise inkom-
peten Experten, gilt es zu durchbrechen, die glauben, anhand einer Röntgen-
aufnahme könnte man bildgebend beweisen, dass ein chronisches Schmerz-
syndrom vorliegt oder nicht. Welcher Patient/in weis denn, das man nur mit
einer MRT-Aufnahme (Kernspin) beweisen kann, dass ein pathologisches Or-
gankorrelat (chronisches Schmerzsyndrom) vorliegt oder nicht. Auch die Em-
pfehlungen der Fachgesellschaften für chronisch Schmerzkranke (vergl. VDR
2003, Leitlinien für die sozialmedizinische Begutachtung von Bandscheiben
u. bandscheibenassoziierte Erkrankungen) werden nicht beachtet.

Dieses Nichtwissen der Betroffenen wird dann natürlich auf schamlose Weise
ausgenutzt, weil auch die Rechtsbeistände wegschauen und die Gerichte
ihre eigene "Amtsermittlung" nicht wahrnehmen wozu sie verpflichtet sind,
wage ich zu behaupten; dass aufgrund der Feststellungen während des immer
noch anstehenden Krankheitsbildes meiner Frau und insbesondere was sich
Ärzte/innen sich in den anschließenden Verfahren vor dem Zivilgericht als auch
vor dem Sozialgericht anhand ihrer Äusserungen bzw. Begutachtungen geleis-
tet haben, dass die von ihnen zitierte Behauptung - 80% der Rückenschmer-
zen gelten als unspezifisch - so nicht haltbar ist, weil der unbestimmte Be-
griff 80% nichts über einen qualitativen als auch quantitativen Bestimmungs-
wert aussagt, der den ICD-10 Bestimmungen und dem Regelwert der WHO
entsprechen würde.

Diese meine Ausführungen stellen keine persönliche Kritik an ihren Beiträgen
dar, sondern ich wollte nur ein wenig dazu beitragen, das komplexe Thema
"Schmerzen" etwas zu beleuchten, das jetzt auch Gott sei Dank vor den
vorgenannten Selbstverwaltungsorganen endlich gewürdigt und von den
Gerichten in Form von "Schmerzgutachten" anerkannt wird.

MfG
kbi1989
 

seenixe

Super-Moderator
Mitarbeiter
Registriert seit
31 Aug. 2006
Beiträge
7,923
Ort
Berlin
hallo Kbi1989,
ich kann übrigens mit Kritik umgehen Lach.
Hast Du die Überschrift gelesen? Da steht etwas von Irrtümern der Medizin. Wir haben es bei den Beiträgen in diesem Bereich mit der Meinung der Mehrzahl der Leute zu tun. Stammen aus dem Buch "Werner Bartens
Lexikon der Medizin-Irrtümer Halbwahrheiten, Vorurteile, fragwürdige Behandlungen" aus dem Jahr 2004.
Wir sollten uns schon damit auseinander setzen, wir können das.

Und ich finde, Dein Kommentar ist sehr gut.

Gruß von der Seenixe
 
Top