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Nutzen Richter in Bayern Wikipedia für ihre Urteile?

oerni

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Recht sprechen mit Hilfe von Wikipedia - laut einer Studie begründen irische Richter ihre Urteile mit Hilfe des Online-Lexikons.
Greift Wikipedia auch bayerischen Richtern unter die Arme?
 

KoratCat

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In vielen Gesetzen ist Auslegung "nach Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte" bestimmt. Zu begründen, was im konkreten Fall ohne wissenschaftliches Geschwurbel (das der normale Mensch nicht verstehen kann und soll) üblich ist, ist doch fast unmöglich. Zur Bestimmung insbesondere der Verkehrssitte muss ein Richter erforschen können, was im Allgemeinen gemacht wird. Dazu bietet sich die Wikipedia an. Selbstverständlich darf das Erfassen und Verarbeiten jener Texte nicht unkritisch erfolgen, aber das sollten Richter im Jurastudium eigentlich schon gelernt haben.

In vielen Fällen wird die Wikipedia sich daher als das Gegengewicht zum Geschwurbel von Gutachtern erweisen, das Verständnis und die kritische Betrachtung der gutachterlichen Empfehlungen fördern. Ganz ohne Wissensindexe wie Enzyklopädien und Fachbücher kann kein Richter arbeiten.

Wie auch die meisten der wissenschaftlichen Arbeiten werden auch Texte der Wikipedia "gegengeprüft". Den Vorwurf der Forscher, Fehler könnten sich da "verstetigen", und es sei denkbar, dass Schwachstellen (nicht wissenschaftlicher Überprüfung) dazu führten, dass Konfliktparteien Informationen manipulieren, halte ich für lächerlich.

Richter, die die Informationen aus der Wikipedia unreflektiert übernehmen, geben sich wohl auch ohne Wikipedia keine allzu große Mühe.
 
Zuletzt bearbeitet:

J. B.

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habe den Eindruck gewonnen, dass Richter leider sehr linientreu dem (vom Gericht bestellten) Gutachter folgen und auch dessen von Klägerseite angemerkten sachlichen Fehler und Widersprüchlichkeiten nur ungern oder gar nicht nachgehen -- das müssten sie natürlich, klar, aber die Praxis ist leider anders.. Da wäre es zu schön, wenn sich Richter noch ihrerseits neutral in die Materie einarbeiten würden, sei es mit Wikipedia , google und co..
 

Rekobär

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habe den Eindruck gewonnen, dass Richter leider sehr linientreu dem (vom Gericht bestellten) Gutachter folgen und auch dessen von Klägerseite angemerkten sachlichen Fehler und Widersprüchlichkeiten nur ungern oder gar nicht nachgehen -- das müssten sie natürlich, klar, aber die Praxis ist leider anders.. Da wäre es zu schön, wenn sich Richter noch ihrerseits neutral in die Materie einarbeiten würden, sei es mit Wikipedia , google und co..
@J. B. ,

andersherum wird ein Schuh draus. Ich habe in meiner langjährigen Arbeit festgestellt, dass Richter sich bewusst bestimmte Gutachter suchen, bei denen sie wissen, was für ein Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit heraus kommt. Die Frage ist also, welches Ziel verfolgen diese Richter?

Herzliche Grüße vom RekoBär :)
 

KoratCat

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Ich habe in meiner langjährigen Arbeit festgestellt, dass Richter sich bewusst bestimmte Gutachter suchen, bei denen sie wissen, was für ein Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit heraus kommt. Die Frage ist also, welches Ziel verfolgen diese Richter?
Hi @Rekobär,

das kommt darauf an, wie man "Ergebnis" definiert. M. E. ist da eher die Art und Weise der (wissenschaftlichen) Argumentation maßgebend als die Abgrenzung Ja oder Nein. Richter müssen nicht nur ein im Tenor ausgedrücktes Urteil fällen; sie müssen auch mit Argumenten (mit Worten und in Sätzen) erklären, weshalb sie so entschieden haben. Klarer und leicht nachvollziehbarer Ausdruck des Gutachters statt vom Richter erst "zu übersetzendem" unverständlichen Geschwurbel helfen beim Abfassen ihres Urteils.

Bei Wikipedia-Artikeln wird Verständlichkeit angestrebt. Deshalb werden Richter sich wohl oft erst über jene zu informieren suchen, um sich erste Eindrücke zu verschaffen.

Zivilrichter dürfen nur über das von den Parteien Vorgetragene entscheiden. Da würde Wikipedia eine Übersetzer-Funktion einnehmen.

Sozialrichter, die für uns hier wohl am Relevantesten sind, könnten sich da Anregungen holen, wie sie (weiter) ermitteln. Eine Gefahr vorzeitiger Festlegungen geht da. m. E. aber nicht von Informationen über Wikipedia aus.

LG

KoratCat
 

Rekobär

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@KoratCat ,

natürlich spielt es eine wesentliche Rolle, um was für ein Richter es sich handelt. Ein Richter im Sozialrecht muss selbst ermitteln, während ein Richter im Zivilrecht nur mit dem umgehen darf, was ihm die Parteien liefern.

Im Endeffekt geht es aber bei beiden Richtern darum, dem Kläger recht zu geben oder eben nicht. Und da kommt es auf die Meinungsbildung des Richters an. Und die ist leider bei den meisten Richtern eben nicht unabhängig von eigenen Ansichten, von Ansichten seiner Vorgesetzten und auch nicht frei von ideologischen Ansichten.

Die Formulierung der Entscheidungsbegründung spielt zwar eine Rolle letztendlich für den Arbeits (un) eifer des Richters, aber die anderen vorher von mir genannten Punkten haben wesentlich mehr Einfluss auf die Meinungsbildung des Richters.

Herzliche Grüße vom RekoBär :)
 
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