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Künstliche Bandscheiben

Rudinchen

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#1
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#2
Kein Wundermittel

Hallo Rudinchen,

leider ist das verlinkte Video nicht mehr abrufbar. Unabhängig davon kann ich dir aber folgendes mitteilen:

Künstliche Bandscheiben verschiedenster Bauart gibt es seit Ende der 80er Jahre. Ender der 90er und Anfang der 00er Jahre glaubte man den Stein der Weisen gefunden zu haben und könnte von Fusionen weggehen.

Die Auswertung aller Studien hat jedoch gezeigt:
-Bandscheibenprothesen sind nicht besser als Fusion
-Nur ein sehr kleiner Anteil (ca. 5%) aller Indikationen für Fusion können alterantiv auch mit einer Bandscheibenprothese versorgt werden

Somit: die Fusion (Versteifung) ist und bleibt die Standard OP. Leider.

Was bleibt ist Vorsorge/konservative Behandlung:
-Viel bewegen / Sport machen
-Nicht rauchen
-Kein Übergewicht / Abnehmen
-Positive Lebenseinstellung

Scanetti
 

ptpspmb

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#3
Hallo scanetti,


Somit: die Fusion (Versteifung) ist und bleibt die Standard OP. Leider.
Was bleibt ist Vorsorge/konservative Behandlung:
-Viel bewegen / Sport machen
-Nicht rauchen
-Kein Übergewicht / Abnehmen
-Positive Lebenseinstellung
Scanetti
Da kann ich dir nur zustimmen! Lustig ist, das diese Empfehlung auch bei anderen Leiden hilft! Wünsche dir einen schönen Tag.
 

Rudinchen

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#4
Hallo,

habe noch mal ein wenig gegraben und das hier gefunden (auch nicht mehr so aktuell):

http://www.diebandscheibe.de/prothesenuebersicht.htm

Wir haben jetzt von einem Neurochirurgen empfohlen bekommen, eine bewegliche, künstliche Bandscheibenprothese einsetzen zu lassen - und zwar gleich an zwei Stellen der Wirbelsäule ...

Irgendwie habe ich noch kein gutes GEfühl dabei und was du, scanetti, schreibst, scheint meine Bedenken zu bestätigen...

Hat jemand positive Erfahrungen mit beweglichen Bandscheibenprothesen gemacht? Und wenn ja, wo wurden diese eingesetzt?

Viele Grüße, Rudinchen
 
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#5
Alles etwas komplizierter

Hallo Rudinchen,

etwas mehr Detailinfos!

Zunächst zur Fusion: typische Indikation sind Schmerzen in Verbindung mit kaputter Bandscheibe. Dann wird versteift, also typischerweise vier Schrauben, zwei Stäbe ein Cage. 90% aller OP Ergebnisse sind gut oder sehr gut.
Typische Probleme nach einigen Jahren: erhöhter Verschleiß an der Bandscheibe drüber oder drunter. Kann ggf. zur Verlängerung der Versteifung führen. Muss aber nicht.
Grundsätzlich gilt (wie bei jeder OP): erst operieren wenn die Schmerzen unerträglich sind und alle anderen Therapien erfolglos probiert worden sind.

Bandscheibenprothese: man hoffte mit der Bandscheibenprothese den erhöhten Verschleiß in den Bandscheiben drüber und drunter nach einer OP zu verhindern. Klappt aber nur so lala, zudem erkauft man sich neue Nachteile. Grundsätzlich gilt aber: Prothese wird eingesetzt bei (relativ) jungen Menschen, "weichem" Bandscheibenvorfall.

Typischerweise fusioniert eine Bandscheibe mit Prothese nach einigen Monaten oder Jahren, was aber vollkommen in Ordnung ist.

Alle Bandscheibenprothesen die auf dem Markt sind, sind mehr oder minder gleich gut, es gibt bislang keinen Nachweis, dass irgendeine besser sei als die andere.

Alles Gute,
scanetti
 

Rudinchen

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#6
Hallo scanetti,

danke für deine Antwort - du scheinst dich ja schon intensiv mit diesem Thema beschäftigt zu haben!

Welche Nachteile haben denn die Bandscheibenprothesen im Einzelnen?

Es geht hier um zwei kaputte Bandscheiben in der HWS und evtl. noch eine weitere in der BWS.

Wenn man das alles versteifen würde ... naja, keine erfreuliche Aussicht.

Viele Grüße, Rudinchen
 
Registriert seit
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61
#7
Hi Rudinchen,

Bandscheibenprothesen an der HWS können sinnvoll sein, aber an der BWS? Bestenfalls bis C7/Th1, aber darunter? Davon habe ich noch nie gehört...muss aber nicht viel heißen.

Gehen wir zunächst davon aus, das alles gut geht - die Chancen liegen bei 90%!

Welche Probleme können dennoch auftauchen? Degeneration am Nachbarsegment, also Verschleiß an der Bandscheibe drüber oder drunter kommt wie zuvor geschrieben eher bei der Fusion vor, kann aber auch bei einer Prothese auftreten. Was aber "typisch" ist für ein Prothese (bei ca. 8 bis 30%) ist Verschleiß an den kleinen Gelenken hinten an der Wirbelsäule, an den Facettengelenken.

Warum diese Facettengelenksarthrose (immer mal wieder) eintritt war bislang unklar. Die aktuellste Theorie: Das Rotationszentrum der Prothese sollte an der selben Stelle liegen wie das Rotationszentrum der natürlichen (aber zerstörten/verschlissenen) Bandscheibe. Das ist in der Praxis aber kaum umsetzbar (wir reden hier von Abweichungen von wenigen mm).

Wenn du dazu wissenschaftlich recherchieren willst und Englisch kannst: Google mal "Pub med" und gib dann da mal als Suchbegriffe "spine", "disc" und "prothesis" oder ähnliche sinnvolle Suchbegriffe ein.

Alles Gute,
Scanetti
 

Rudinchen

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#8
Hallo Scanetti,

danke für die Infos - ich werde mich mal durch die Seiten kämpfen. Zur Not mit Google Übersetzer...

Viele Grüße und ein schönes WE,

Rudinchen
 
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24 März 2015
Beiträge
2
#9
hallo an alle, apropos Bandscheibenvorfall ---- ich habe gelesen um es vorzubeugen soll man am besten in Bewegung bleiben, stimmt dass am besten sollen Ausdauer- Sportarten wie Radfahren, Schwimmen, Aerobic, Gehen, Walking, Wandern und Tanzen sein ?
 

Lara L.1981

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#10
Hallo
vor einigen Tagen lief im fernsehen eine sehr interessante Sendung zum Thema Knie, Hüfte Bandscheiben- wiederherstellung durch Eigenknorpeltransplantat.
Dieser wird quasi zuerst von einer gesunden Stelle abgetragen (minimal invasiv), dann gezüchtet und an kranker Stelle eingetragen.
Soll bislang schon gute Ergebnisse gegeben haben, Link zur Sendung:
http://www.3sat.de/mediathek/index.php?mode=play&obj=50132

LG Lara
 

Rudinchen

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#11
Hallo Lara,

danke für den Link - aber ich weiß nicht, ob das an der HWS möglich ist? Oder wer sich das überhaupt so gut auskennt, dass er das in Angriff nimmt?

Viele Grüße, Rudinchen

Hallo,

habe gerade den Beitrag angeschaut - hört sich gut an. Aber unglaublich, wie viele Jahre die eine Patientin ohne Hilfe blieb und alles wieder auf die Psyche geschoben wurde! 10 Jahre Schmerzen! Hoffentlich ist das Verfahren "im Kommen" und wird dann immer mehr Patienten helfen können.

Interessant war auch, zu erfahren, dass sich diese Zysten immer bei kaputtem Knorpel bilden - diese Probleme habe ja auch viele.

Danke und viele Grüße,

Rudinchen
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
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#12
Keine Wunderheiler

Hallo Rudinchen, hallo Lara,

leider ist auch hier keine Wunderheilung zu erwarten...

Zu den im Beitrag gezeigten, medizinischen Problemen:

Die Hüftpatientin hatte einen "zu dicken" Schenkelhals und war nach der ersten OP beschwerdefrei. Das diese Schmerzursache nicht früher bemerkt worden ist, heißt das sie zuvor nicht, oder bei den falschen Ärzten gewesen ist. Ob der zweite Eingriff (die Knorpelzellimplantation) einen langfristigen, positiven Effekt hat? Das gibt der Beitrag leider nicht her.

Der Kniepatient hatte ein Problem an der Rückseite der Kniescheibe. Nicht die typische Indikation für ein Kniegelenk. Keine Langzeitergebnisse.

Der Patient mit dem Bandscheibenvorfall: nach der ersten OP schmerzfrei. Langzeitergebnis nach der zweiten OP? Keine Angabe.

Was bleibt?
Im Knie/Hüftbereich hat sich das Verfahren von Co.don noch nicht durchgesetzt, obwohl es seit weit über 10 Jahren am Markt ist. Gründe dafür nach meiner Ansicht: zu geringes Indikationsspektrum d. h. dieses Verfahren ist zu selten sinnvoll. Da wo es sinnvoll ist, hat es sich nicht wirklich bewährt. Wer das anders sieht, dem empfehle ich Aktien von co.don zu kaufen - die dümpeln seit Jahren bei ca. 2,50 € rum und sind somit erschwinglich.

Im Wirbelsäulenbereich ist das Problem nicht der "mangelnde Knorpel" in der Bandscheibe, sondern: die Bandscheibe hat außen einen Faserring, innen einen Kern. Bei einem Bandscheibenvorfall beult sich zunächst der Faserring aus, dann kann er reißen und der Nucleus, der Kern der Bandscheibe tritt teilweise oder ganz aus. Diesen ausgetretenen Kern jetzt außerhalb des Körpers zu züchten und dann wieder einzuspritzen haut (in der Regel) nicht hin, denn der Faserring lässt sich (in der Regel) nicht reparieren. Hier gibt es zwar (min) zwei Firmen, die Produkte anbieten (xclose und Intrinsic Therapeutics) und die entsprechenden Studien hören sich gut an, aber auch hier sind viele Einschränkungen zu machen.

Ganz klar gilt: wer heilt, hat recht.

Aber bitte: keine Wunder erwarten.

Alles Gute,
scanetti
 
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