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Halskrause: Verirrte, "absolute Wahrheiten“

Ariel

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
23 März 2007
Beiträge
2,698
Hallo zusammen,

Ich beziehe mich auf den Thread:
http://www.unfallopfer.de/forum/showthread.php?t=26207&page=2

Das Thema Halskrause ist so brisant, dass es dort nicht offTopic, sondern hier eigenständig behandelt werden muss.

Ausgehend:
Die Schmerzen wurden nach paar Tagen richtig schlimm und heftig und er lies ein MRT machen, dort kam raus das ich im Halswirbelbereich einen Bandscheibenvorfall hätte ...
Der jetztige Behandelte Arzt, hat eine Physio veranlasst in der ich mich befinden aber noch keine sonderliche Besserung der Symptome, Kribbel in der Hand (zeitweise Taubheit), Nacken-und Kopfschmerzen bis zum Ellbogen und runter bis zur Wirbelsäule hauptsächlich im Sitzen und Liegen.
Das sind eindeutige objektive Befunde, sowie dazugehörigen Beschwerden, was ja noch nicht alles sein muss.

Therapeutische Schutzmaßnahme, um Verschlimmerung vorzubeugen:
6.) Halskrause 2 Wochen ständig, danach bis jetzt Stundenweise und ab und zu wenn ich schlafen gehe (ist total unangenehm aber)


Und nun kommt eine (gut gemeinte) Standard-Ferntherapie, auf Grund persönlicher Erfahrung:
- Wenn es dir irgend wie möglich ist, dann zieh diese Halskrause aus!
Ich selbst hatte in den 90iger eine verordnet bekommen, hatte diese über 6 Mon. jeden Tag an! Das Ende der Geschichte war, dass ich 6 Wo. in Reha gehen musste, da die Halsmuskulatur nicht mehr vorhanden war!

Dieser Ratschlag eines Users ist sicherlich gut gemeint, jedoch übersieht er, dass er seine eigene individuelle Erfahrung auf einen anderen Geschädigten übertragen will. Das was bei ihm die Halskrause schadete, muss ja nicht der Grund gewesen sein, dass die Muskulatur wegen der Halskrause abbaute. Normalerweise baut Muskulatur zuerst ab wegen Innervierungsläsion. Dieser wichtige physiologische Fakt wird von Versicherungsmedizinern deswegen ignoriert, weil, würden sie dies gegenüber den Geschädigten äußern, dann hätten die Geschädigten ja eine Auskunft über ihre tatsächliche Verletzungstiefe.

Kenntnislose oder auch oberflächliche Therapeuten übernehmen die Theorien von den Versicherungsmedizinern, und schon kursiert eine neue Theorie in Bezug zur Halskrause.

Es gibt ein Urteil, das besagt, wenn eine HWS-Distorsion dokumentiert wurde und eine Halskrause verordnet wurde, dann handelt es sich um eine kausale Unfallverletzung.

Und was ist, wenn man die Halskrause nicht mehr verordnet und HWS-Distorsion nicht mehr dokumentiert? Wie kann dann ein UO noch seine Beschwerden nach dem Unfall auf eine Unfallverletzung beziehen? Und wie gefährlich für den Geschädigten ist dies, wenn eine Halskrauseverordnung nur deshalb unterlassen wird, weil der Geschädigte daraus eine "schwere" Verletzung vermuten könnte und ein Schadensersatzrecht daraus ableiten könnte? Wie pervers ist diese Denke? Kann man aber in Versicherungsmedizinischer Lektüre nachlesen.

Eine Halskrause hat bei bestimmten Beschwerden nach einem Schleudertrauma eine reine Schutzfunktion, die auch, solange man die genaue Verletzung/en nicht kennt, einer Verschlimmerung vorbeugen solle.

Das bisschen Muskelverlust, das wird schnell wieder aufgeholt, für den Fall, dass es, wie ich bereits oben schrieb, sich um keinen HWS-Innervierungsschaden handelt.

Die Verordnung, die Halskraus nach Bedarf zu tragen, ist absolut korrekt und sollte unbedingt befolgt werden. Wer tatsächlich bestimmte Beschwerden hat, dem wird egal sein, ob es unangenehm ist.



weitere angstmachende Wortmeldung zur Halskrause:
wenn ich das lese dreht sich mein Magen um.

Es gibt schon seit längerm anderslauternde Meinungen zu Halskrausen.
Werde am WE versuchen ein paar Links zu finden.
Nach der Zeit Halskrause ist die Nackenmuskulatur hin, schöne (Zenzur)
Ich wäre sehr vorsichtig, solche Ängste zu verbreiten.
Es ist auch vollkommen egal, was theoretische und/oder versicherungsloyale Thesenaufsteller irgendwo schreiben.

Allein entscheidend ist die individuelle Situation des Verletzten.

Keine Verletzung ist wie die des anderen.
Dagegen ist "Argumentation" mit Pauschalisierungsthese die Stevenstheorie, verbreitet durch seinen Hofstaat, dass Halsmuskulatur wegen Halskrause abbaue. Es gibt kein Beweis dazu, nur Behauptungen, damit die Geschädigten ihr Relikt, das ihnen das Gefühl gäbe, sie seien schwer verletzt, so die Versicherungsmediziner, ablegen sollen, und dann auch die Beschwerden von allein verschwänden.

Jeder, der ernsthafte anatomische Kenntnisse besitzt, wird nachvollziehen können, dass Verletzungen an der HWS Nervenläsionen verursachen können, Bandscheibenvorfälle verursachen können, und diese sich an ihren jeweiligen Erfolgsorganen, den Muskeln oder Blutgefäßen entsprechend nachteilig auswirken.

Eine Halskrause lässt dem Träger soviel eigenen Kopfhaltebewegungs-Spielraum, dass er den Kopf nicht komplett darauf stützt, sondern die H-Krause nur vor Kopfbewegen schützen solle, die sich gefährlich auswirken könnten.

Bei gewissen Verletzungsschäden müssen allerdings feste, kopfruhigstellende Stützen getragen werden, bis eine gewisse Heilungszeit (Knochenheilung) abgelaufen ist. Diese wären allerdings bei BSV oder HWK-Dislokation unnütz. Da muss die HWS vor größeren Bewegungsfolgen geschützt werden.
Keiner der Schleudertraumatisierten weiß sofort, nach der ersten Arztbehandlung, ob sein Kopfgelenk verletzt ist. Um hier schlimmeren Gefahren vorzubeugen ist die Halskrause Bedingung.

Also bitte hört auf mit pauschalen ferntherapeutischen Ratschlägen. Gut gemeint kann ganz schön schädliche Auswirkung haben.
Respektiert die individuelle Situation des Betroffenen. Oder ihr gehört zum Stevens-Hofstaat. Also, hier in diesem Forum kein pauschal-Ratschlag mehr über Halskrausen.

Wie oft hören wir in den Medien, dass bestimmte Theorien, die man als die blanke Wahrheit verbreitete, plötzlich als unrichtig, sogar als gefährlich erwiesen.


Gruß Ariel
 
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