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Gesamt GdB bei mehreren Funktionseinschränkungen

Melissa

Nutzer
Registriert seit
17 Feb. 2007
Beiträge
4
Im August 2005 wurde ich bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall schwer verletzt. Unter anderem habe ich durch Wirbelsäulenverletzungen (BWK-12-Fraktur, LWK-1-Fraktur, Bandscheibenvorfall L5/S1) und durch eine Verletzung des linken Auges (Zentralskotom, Visus nur noch 0,1, keine räumliches Sehvermögen mehr) dauerhafte Probleme. Auf Veranlassung der Versicherung des Unfallverursachers war ich im Mai 2006 zur Begutachtung meiner Dauerunfallfolgen bei einem Neurochirurgen. Der Neurochirurg hat noch ein zusätzliches Augengutachten angefordert. Der Augenarzt hat mir 20% MdE gegeben, der Neurochirurg wegen der Wirbelsäulenverletzungen 20 % MdE. Da der Neurochirurg das Gesamtgutachten verfasst hat, hat er mir insgesamt trotzdem nur 20 % MdE gegeben. Das Gutachten wurde übrigens erst ein halbes Jahr nach der Untersuchung, nämlich im November 2006 geschrieben! Das zur Vorgeschichte.
Im Mai 2006 habe ich beim Versorgungsamt einen Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderung gestellt. Der Antrag wurde im September 2006 ganz abgelehnt, da ich 0% GdB hätte. Allerdings hatte mein Hausarzt auch einen sehr schlechten Arztbericht an das Versorgungsamt eingereicht. Ich habe fristgerecht Widerspruch eingelegt. Daraufhin wollte das Versorgungsamt das Gesamtgutachten des Neurochirurgen haben. Nun habe ich im Februar 2007 einen Bescheid vom Versorgungsamt über einen Gesamt GdB von 20% erhalten. Laut Neurochirurg und laut Versorgungsamt können die 20% Wirbelsäulenleiden und die 20% wegen der Sehbeeinträchtigung nicht addiert werden.
Ich verstehe zwar, dass grundsätzlich nicht alle Leiden addiert werden können, sonst würden sicher einige Leute auf 200% kommen, aber die Funktionsbeeinträchtigungen durch den Wirbelsäulenschaden (Bewegunseinschränkungen und chron. Schmerzen) und die Sehbeeinträchtigung sind doch völlig verschiedene Beeinträchtigungen und stehen in keiner wechselseitigen Beziehung zueinander. Ist hier ein GesamtGdB von nur 20% gerechtfertigt? Wenn nein, wo steht es, dass völlig verschiedene Funktionsbeeinträchtigungen zu addieren oder wenigstens zum Teil dazugerechnet werden müssen?
Für Eure Hilfe danke ich euch im Voraus.
 

sam

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1 Sep. 2006
Beiträge
795
re. Antwort

Hallo Melissa,

willkommen im Forum bei uns all,...

Wie Du bereits schon in Deinem Posting selbst beschrieben hast liegt der Fehler in der schlechten Dokumentation durch den behandelnden Arzt. Was im Umkehrschluss für Dich nun negative Auswirkungen hat.

Daher mein Tipp an Dich.
Suche Dir einen guten Orthopäden für Dein LWS - Leiden und damit verbundenen körperlichen Einschränkungen.
Dann suche Dir bitte eine Schmerz Dr. und begebe Dich in Behandlung diese können oftmals auch ambulant durchgeführt werden.

Nach 3 Monaten fordere von beiden Ärzten einen Bericht und reiche dies alles mit einem Verschlechterungsantrag bei Deinem zuständigem Versorgungsamt ein + einen Bericht von Deinem behandelnden Arzt.
Du wirst sehen, das es so besser geht, da Dein VS nur das in einem Bescheid bemessen kann was gut dokumentiert wurde. Und Du hast im Vorfeld auch die Möglichkeit die Aussagen in den Berichten zu prüfen. Dir gute Besserung und weniger Schmerzen.
In diesem Sinne,...sam
 

Melissa

Nutzer
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17 Feb. 2007
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4
Hallo Sam,
vielen Dank für deine schnelle Antwort.
Die Idee mit einem Verschlechterungsantrag nachdem ich mir neue Behandler gesucht habe ist sehr gut. Allerdings frage ich mich, ob man von den Ärzten nach 3 Monaten einfach so einen Bericht anfordern kann. Die meisten Ärzte hassen Schreibkram und lassen sich (wenn sie überhaupt was schreiben) diesen teuer bezahlen. Mein behandelnder Neurochirurg, der auch Schmerztherapien anbietet, hat mir schon vor einem Jahr empfohlen, aufgrund der chron. Schmerzen meine Arbeitszeit zu reduzieren und einen Antrag auf Schwerbehinderung zu stellen. Als ich ihn mehrmals gebeten habe, einen Bericht für mich zu schreiben, hat er dies immer abgelehnt, da er für so etwas keine Zeit habe. Ich habe ihn auch gebeten, wenigstens einen Befundbericht an meinen Hausarzt zu schreiben, aber darauf wartet mein Hausarzt schon seit einem Jahr! Als die Versicherung des Unfallgegners den Neurochirurgen gebeten hat, einen Fragebogen zu meinen Unfallfolgen auszufüllen, hat er die meisten Fragen des Bogens gar nicht beantwortet, in einige Zeilen nur ein Datum geschrieben und ansonsten nur 2 Diagnosen mitgeteilt.
Das Problem mit schlechten Befundberichten und falschen Angaben in Gutachten haben laut diesem Forum scheinbar sehr viele. Ich brauche also noch einen Tipp, wie man Ärzte dazu bringt, vernünftige Berichte zu schreiben ;-)!
Gruß Melissa
 

Melissa

Nutzer
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17 Feb. 2007
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4
Hallo Luise,
danke für die Internetadresse.
Bezüglich meiner Problematik (20% Auge und 20% WS) werde ich aus den Anhaltspunkten des Versorgungsamtes nicht richtig schlau. Ich verstehe dieses Beamtendeutsch nicht! Wenn ich unter Punkt 19 = Gesamt-GdB die Absätze 1 und 2 ansehe, sind meine verschiedenen Einzel-GdB wirklich nicht zu addieren bzw. auch nicht teilweise mit zu berücksichtigen. Absatz 3 trifft aber genau mein Problem. Hier wird im ersten Beispiel ein Diabetes, eine Hörminderung und Gehbehinderung zitiert, also völlig unterschiedliche Funktionseinschränkungen. Hier steht, dass die Schwere der einzelnen Gesundheitsstörung entsprechend bei der Gesamtbeurteilung zu beachten ist. Für mich widerspricht sich Absatz 3 zu den ersten beiden Absätzen.
Kannst du mir oder jemand aus diesem Forum bezüglich meines Gesamt-GdB-Problems weiterhelfen?
Gruß "Ratlos-Melissa"
 

sam

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795
re. Antwort

Hallo Melissa,

sicher kannst Du das von Deinem Arzt verlangen und zwar zu jeder Zeit. Ja es ist richtig, Ärzte tun sich immer schwerer mit schriftlichen Ausführungen. Nur wenn man ehrlich ist und die Situation schildert um was es einem geht in der Sache habe ich bei allen Ärzten immer Verständnis gefunden und man hat mich immer unterstützt in meinem begehren.

Auch habe ich im Gespräch mit dem Arzt im Vorfeld erfragt, Herr Dr. ich möchte dies in der Sache erreichen, sind meine Vorstellungen überzogen oder begehre ich hier etwas das nicht angemessen ist. Sagte der Dr. klar nein es ist ok in meiner Situation, dann habe ich sofort eingefügt. Herr Dr. darf ich Sie bitten mich in meinen Bemühungen zu Unterstützen, es würde mir mehr Lebensqualität bringen, mehr Freude am Leben.

Ich darf Dir versichern kein Arzt wird Dich hängenlassen, nur Deine Forderung sollte immer angemessen sein im Verhältnis zu der Situation stehen. In diesem Sinne,...sam
 

Cindy

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6 Sep. 2006
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467
Die meisten Ärzte hassen Schreibkram und lassen sich (wenn sie überhaupt was schreiben) diesen teuer bezahlen. Mein behandelnder Neurochirurg, der auch Schmerztherapien anbietet, hat mir schon vor einem Jahr empfohlen, aufgrund der chron. Schmerzen meine Arbeitszeit zu reduzieren und einen Antrag auf Schwerbehinderung zu stellen. Als ich ihn mehrmals gebeten habe, einen Bericht für mich zu schreiben, hat er dies immer abgelehnt, da er für so etwas keine Zeit habe. Ich habe ihn auch gebeten, wenigstens einen Befundbericht an meinen Hausarzt zu schreiben, aber darauf wartet mein Hausarzt schon seit einem Jahr! Als die Versicherung des Unfallgegners den Neurochirurgen gebeten hat, einen Fragebogen zu meinen Unfallfolgen auszufüllen, hat er die meisten Fragen des Bogens gar nicht beantwortet, in einige Zeilen nur ein Datum geschrieben und ansonsten nur 2 Diagnosen mitgeteilt.
Das Problem mit schlechten Befundberichten und falschen Angaben in Gutachten haben laut diesem Forum scheinbar sehr viele. Ich brauche also noch einen Tipp, wie man Ärzte dazu bringt, vernünftige Berichte zu schreiben ;-)!
Gruß Melissa
Hallo Melissa,

wohnst du in NRW? Ich könnte meinen, du schriebst über meinen Neurochirurgen ;)
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass qualifizierte gut besuchte (also meist gestresste) Ärzte ungern Berichte schreiben und Anfragen von Anwalt oder Rententräger etc. laaange liegen bleiben. Mein HA macht das ohne zu 'murren', aber der ist natürlich selten gefragt.

Bzgl. Versorgungsamt/GdB habe ich schon mehrmals gelesen, dass es sinnvoll ist, selbst aufzuschreiben, welche Beschwerden und Einschränkungen im Alltag vorhanden sind, damit der zuständige SB sich ein Bild machen kann. Ich weiß es nur von anderen Betroffenen, da ich selbst noch keinen Antrag gestellt habe (widme mich erst anderen 'Baustellen').

Hast du schonmal daran gedacht, dich an den SoVD zu wenden?

Viel Erfolg
Cindy
 

Melissa

Nutzer
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17 Feb. 2007
Beiträge
4
Hallo Cindy,
es tröstet mich, dass es nicht nur mir so geht mit fehlenden oder schlechten Befundberichten und Gutachten. Erzählen und versprechen können die Ärzte viel, aber beim Papierkram beschränken sie sich max. auf einen Vierzeiler!

Bezüglich der GesamtGdB habe ich jetzt im Internet Urteile zum Schwerbehindertenrecht gefunden http://www.arbeitslosennetz.de/forum/archive/index.php/f-145.html . Daraus habe ich entnommen, dass mein Gesamt GdB wirklich falsch ist, da die Sehbeeinträchtigung überhaupt nichts mit dem Wirbelsäulenschaden zu tun hat und sich auch in ganz verschiedenen Bereichen des tgl. Lebens auswirkt. Deshalb werde ich beim Versorgungsamt gegen den Gesamt GdB Widerspruch einlegen.

Deine Idee, sich an den SoVD zu wenden finde ich gut. Meine Kollegin hatte mir schon den VdK empfohlen. Ich werde mich demnächst mal bei beiden erkundigen.

Wegen dem chaotischen Neurochirurgischen Gutachten hole ich demnächst ein Gegengutachten ein. Vielleicht hilft mir das ja auch bei meinem Widerspruch gegen das Versorgungsamt (das Gegengutachten reiche ich ggf. nach, wegen der Widerspruchsfrist). Falls alles nichts hilft, werde ich Sams Rat befolgen und später einen Verschlimmerungsantrag stellen.

Ich wünsche dir gutes Gelingen bei deinen "Baustellen".

Gruß
Melissa
 

Cindy

Erfahrenes Mitglied
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6 Sep. 2006
Beiträge
467
Danke Melissa,

auch dir viel Erfolg (und Ausdauer)!

LG
Cindy
 
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