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Ferienerinnerungen und Alltagserinnerungen in einen Zusammenhang gebracht mit erlittenem Schädel-Hirn Trauma

sue88

Neues Mitglied
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9 Okt. 2018
Beiträge
1
#1
Ferienerinnerungen und Alltagserinnerungen in einen Zusammenhang gebracht mit erlittenem Schädel-Hirn Trauma, das nicht zu einer körperlichen Behinderung geführt hat.

Wieso sind wir müde? Warum sind wir nach einer Arbeitswoche erschöpft? Wieso erholen wir uns so schlecht davon?

Ich stelle hier eine Theorie auf. Dies basiert auf meinen eigenen Empfindungen und Erfahrungen.


In einem Video zu Ferienerinnerungen und Alltagserinnerungen kam mir der folgende Gedankenansatz. What if??
Das Thema des Videos war, wieso Ferienerinnerungen so anders, schärfer, bewusster seien, als Alltagserinnerungen. Ja wieso? Sie sagen, weil das Gehirn nicht in der Routine funktioniert, sondern in unbekannten, neuen Hirnverbindungen. Was also macht die Routine mit unserem Gehirn? Wir müssen weniger aktiv denken. Das führt zu Entspannung und Erleichterung unseres Alltags. Stell dir vor, du müsstest jeden Tag neu herausfinden, wie du ein Zugticket löst, oder wie der Bankomat funktioniert. Oder wie du deinen Kaffee bestellen musst, dass der Gewünschte schlussendlich vor dir steht. Das passiert dir in Faro, wenn du das erste Mal da (in den Ferien) bist! Das sind Ferienerinnerungen, die neu herausgefundenen Routinen, die nach einer Woche Ferien am gleichen Ort doch schon deutlich besser aussehen, als am ersten Tag, nicht?
Wenn ich nun diese Gedanken auf ein erlittenes Schädel Hirn Trauma anwende, kommt folgendes heraus:
Wir leben konstant in den Ferien. Unser Gehirn macht laufend neue Verbindungen, da die altbekannten Wege, wie unser Gehirn mal funktionierte, nicht mehr durchlässig sind. Also machen wir laufend Neue. Wie in den Ferien.
Bist du nicht auch in den Ferien am Abend so richtig erschöpft? Brauchst nach den Ferien gefühlt noch einmal Ferien? Das ist der Dauerzustand eines SHT Überlebendens nach einer Woche Arbeit, weil alles so komplett neu gedacht werden muss. Da kommt die Erschöpfung garantiert. Dazu kommt der Stress des Arbeitgebers, der von dir die gleiche Leistung erwartet, wie von jemandem, der im Alltagsmodus ist, nicht aber im ungewollten Dauerferienmodus, wie du. Eventuell kommen auch noch Selbstzweifel hinzu, bin ich genug gut? Mache ich die Sachen richtig? In den Ferien ist das ja nicht immer sicher, manchmal bekommst du nicht den Kaffee den du vermeintlich bestellt hast…
Das alles ist extrem anstrengend. Eine strikte Routine nach dem Rehabilitätszentrum wäre scheinbar das Beste, einen neuen Alltag zu erschaffen. Jedoch wo bleibt da deine Freiheit? Weil du möchtest ja eventuell etwas forderndes machen, als Fliessbandarbeit in einer Fabrik, hättest das vor dem Trauma machen wollen, jetzt aber überfordert dich alles zu leicht. Und im schlimmsten Fall, lässt du dir von Ärzten einreden, du hättest nun mal jetzt eine Beeinträchtigung und musst reduzieren.

Was mich da beschäftigt ist unser Gehirn. Das noch so unerforscht und ungreifbar ist. Was ist möglich? Zu was sind wir fähig?

What if??

Was wäre wenn wir nun einzig unser Gehirn aktiv an die neuen Verbindungen gewöhnen müssen, eventuell auch die unnötigen, dazu verwirrenden ausschalten lernen müssen? Was, wenn wir nicht als ‚weniger‘ als vorher runtergestuft werden und uns selber runterstufen?
Ja und wie?

Mein Ansatz hier ist folgender. Wir sollten etwas finden, das uns Spass macht. Und lernen, wie wir mit unserer Dauerferienstimmung zurecht kommen können und dabei entspannt bleiben (und uns nicht überfordern mit unnötigen Zusatzgedanken, was zu Überreizung führt).
Alles ist Neu! Nehmen wir es als Geschenk und bleiben felxibel, halt dauerflexibel. Einmal akzeptiert, wird vieles ruhiger.

Was denkt ihr?
 

Isländer

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#2
Grüß Dich, Sue88!

01
Mir sagte einmal ein Mann mit einem SHT, er müsse sich ganz neu aufspulen.

Die 30 Jahre, mit der er bisher reaktionsschnell, aber ganz selbstverständlich gelebt hat, ohne je eine Frage zu stellen, wieso die Alltagsprobleme so alltäglich und banal zu lösen seien.

Unglaublich. Und unglaublich, aber das ist jetzt anders.

Alles, was aus vielen Gesichtspunkten zusammengesetzt wird, muss sorgfältig und bewußt konsturiert werden, jedes Element einzeln betrachtet, bewertet, und sorgfältig eingebaut werden. Das sei, als sei er Mechaniker müsse ein komliziertes LKW-Getriebe aus einem Haufen Einzelteile zusammensetzen. Die richtigen Teile. Die Richtige Ordnung. Die richtige Montage. Braucht Zeit und viel Konzentration.

Der Mann ist übrigens ganz o.k.! Wenn ich ihm etwas Kompliziertes erklären muss, muss ich mir Zeit nehmen. Die Einzelteile meiner Überlegung ihm erst vorstellen, zeigen. Jedes Zusammenfügen erkären. Was es bedeuetet. Was es bewirkt, was damit erreicht ist. Er kann komplexen Gedanken gut folgen. Aber er braucht Zeit. Ich komme mit ihm gut hin.

02
Nadolny war Schriftsteller. Er hat "Die Entdeckung der Langsamkeit" geschrieben. Ein Mann ist langsam. Davon handelt die Geschichte. Von John Franklin. Die Langsamkeit ist ein Problem. Das schnelle Wuseln der anderen Menschen um ihr herum macht ihn ganz wirr. Doch wie Schritt halten?

Dem setzt er entschlossen etwas entgegen:

(a)
Er verlangt Respekt für seine Langsamkeit. "Ich bin langsam", sagt er, "gewöhnen Sie sich daran". Und wenn der Respekt nicht kommt? Dann ist das das Problem des anderen! Nicht seines. Punktum und Schluß.

(b)
Und noch etwas setzt er dem entgegen. System, Logik, Genauigkeit. Er nutzt die Langsamkeit, um keine Denkfehler zu machen. Nicht hudeln, nicht schnell-schnell. Panik macht nicht schnell. Panik macht wirr. Also: Ordnung ins Denken bringen. Präzision. Nichts übersehen.

Der Mann kommt damit weit.

Das Buch kann man gut lesen.

03
Die beiden erinnern mich an Dich. Denn wenn man in Urlaub fährt, ist man dann dort, wo man sich nicht auskennt. Es geht viel damit drauf, dass man sich orientieren muss.

Ich fahre im Jahre zweimal in Urlaub. Das eine Mal, um wirklich Neues zu erleben. Was anderes bitte.

Das zweit Mal nach Südtirol, wo ich im Lauf meines Lebens in Lauf vieler Urlaube zusammen über 1 Jahr verbracht habe. Da gibt es auch Neues zu entdecken, aber auch bekannte Wege. Wo es schön ist, wo ich angenehm wandern kann, das weiß ich. Und freue mich darauf. Ich komme an, stelle den Rücksack in die Ecke - und bin ein der Entspannung angekommen. Sehr behaglich.

04
Ich kann Dich gut verstehen!


ISLÄNDER
 

hella

Erfahrenes Mitglied
Registriert seit
25 Juni 2014
Beiträge
405
#3
1. Ich kann dich gut verstehen.

2, So bald dein Gehirn parallel (wirklich parallel) andere Infos verarbeiten muss (sei es, weil SHT alles durcheinander brachte, sei es, weil Psychitraumata parallel immerzu Sicherheitscheck machen...), können nur automatisiertes, unbewusste Programme parallel laufen. Das hat was mit dem Kurzzeit-und Langzeitspeicher zu tun.
Nicht automatisierte Handlungen durchlaufen die Langsamkeit des Kurzzeitspeichers in serieller Weise. Langsam und schön nacheinander, bis wir neue Chunks bilden (Isländer hat das schön erklärt, wie er dem Freund komplexe Inhalte vermittelt) und damit die Speicherkapazität erhöhen. Wenn wir das dann oft genug wiederholen, werden wir schneller (Urlaubsende) und es geht in den Langzeitspeicher. Also erst Reihenschaltung....dann Parallelschaltung. Wer auf parallele Vorgänge angewiesen ist, kann nur unter extremer Verlangsamung nicht automatisierte Handlungen dazu nehmen.

3. Ich war immer sehr neugierig. Urlaub war ein einziges Erkunden und von Neugierde geflutet. Früher. Seitdem ich „bemackt“ bin, immer gleicher Ort und wenn möglich, gleiches Quartier. Wie sollte ich mich sonst erholen? Kapazität für Neues geht nur zu Lasten des Tempos, des parallel laufenden Programms im Hintergrund (absichern) und ist mit irrer Anstrengung verbunden.

4. Das Buch muss ich unbedingt noch mal lesen.

Genießt den Herbsttag
 
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