• Herzlich Willkommen beim Forum für Unfallopfer, der größten Gemeinschaft für Unfallopfer im deutschsprachigen Raum.
    Du besuchst unser Forum gerade als Gast und kannst die Inhalte von Beiträgen vieler Foren nicht lesen und so leider nützliche Funktionen nicht nutzen.
    Klicke auf "Registrieren" und werde kostenlos Mitglied unserer Gemeinschaft, damit du in allen Foren lesen und eigene Beiträge schreiben kannst.

Erfahrungen Fersenbeinbruch

kuhneolli

Neues Mitglied
Registriert seit
15 Okt. 2021
Beiträge
8
So jetzt melde ich mich auch mal zu Wort, seit meinem Unfall im März 2018 ist so einiges passiert.


Ich bin damals auch durch alle möglichen Foren gewandert um mir Informationen über meinen Heilungsverlauf zu holen. Jetzt mal meine Geschichte die hoffentlich ein bisschen Hoffnung gibt.


Nach langer Qual und wenig Hoffnung bin ich heute sportlicher als ich es als jugendlicher war!


Ich(46 Jahre) bin 2018 vom Dach gefallen und voll auf meinem linken Fersenbein gelandet, das auch direkt nachgegeben hat, zack 7 Teilstücke wie in einem Würfelbecher.


Operation nach ca. 1,5 Wochen, gefolgt von ca. 1 Woche Schmerzkatheder und insgesamt fast 3 Wochen Krankenhausaufenthalt durfte ich wieder heim. Typischer Heilungsverlauf wie bei jedem anderen hier auch. Keine schöne Zeit!!!


Als es dann langsam an die maximale Belastung ging musste ich feststellen das ich so überhaupt nicht laufen konnte, die Gehhilfen mein ständiger Begleiter war. Nach mehrfachen MRT/CT/Röntgen und etc. hieß es immer es braucht halt Zeit zum heilen. Nach 8 Monaten wurde dann endlich in der BG Klinik ein Zusammenhang zwischen den Bildern und meinen Schmerzen hergestellt. Eine der Verschraubungen ging geradewegs in das Knorpelgewebe vom Würfelbein.


Daher dann die umgehende Entscheidung die Platte am Fersenbein zu entfernen, trotz dem Risiko das die Knochenstruktur nicht vollständig stabil war.


Nach weiteren 2 Wochen Krankenhaus und ordentlich OP Schmerzen ging es dann endlich bergauf.


Die Narbe war um ein 100fach besseres gelungen als vorher. Wenigstens etwas.


Immerhin lagen jetzt ca. 9 Monate Schmerzen(vor allem Nervenschmerzen im Narbenbereich), ein unbeschreibliches Stechen im Mittelfuß bei jeder Bewegung, absolute Hilflosigkeit im Alltag und Ungewissheit wie es mit der Arbeit weiter gehen soll hinter mir. Informationen gab es nur online, jeder Arzt hat sich bedeckt gehalten, obwohl sie recht genau wussten das ich im Handwerk wohl nie wieder tätig sein würde(wollten mich psychisch nicht destabilisieren).


Zumindest war ich ab jetzt in der Lage nach und nach wieder kleinere Stecken ohne Gehhilfen zu laufen. Was ich direkt bemerkte das schon leichtes kippen des Fußgelenks zu Problemen führte, da langte es schon den Gehweg auf einer Seite rauf und runter wieder runter zu laufen. Auf einem Bein stehen oder gar auf den Zehenspitzen ging nicht mal ansatzweise. Morgens musste ich mich die erste Stunde nach dem Aufstehen überall festhalten wie ein alter Mensch,weil alles weh tat. Tramal, Diclos, Ibuprofen immer in Reichweite. Keine gute Sache um in die Zukunft zu schauen.


Vorteil war das ich trotz völligem Bewegungsmangel fast 10 kg abgenommen habe. Alles Muskelmasse wie sich dann nach und nach herausgestellt hat.


In den nächsten 5 Monaten habe ich langsam gelernt mit meiner „Behinderung“ zu leben. Dann tat es halt morgens weh, die Hose musste ich eben im sitzen anziehen und anstatt auf dem Gehweg lief ich eben auf der Straße. So langsam war ich wieder voll und ganz fähig den Alltag zu bewältigen wenn ich ein wenig Rücksicht auf mich genommen haben.


Nach 13 Monaten habe ich dann bei uns in der Firma im Büro angefangen zu arbeiten und im Rahmen einer Wiedereingliederung nach und nach mein Arbeitspensum rauf gefahren.


In den kommenden Monaten habe ich dann locker 10 kg wieder zugenommen, allerdings keine Muskeln und von Hosengröße 34 auf 38 gewechselt. Also ab ins Fitnessstudio um einen Ausgleich zu schaffen. Ab jetzt kommt eigentlich das Beste was mir passieren konnte. Dort habe ich angefangen auf dem Laufband spazieren zu gehen. Schritte machen, Kilos verlieren was weiß ich. So konnte es ja nicht weiter gehen …... Das war Anfang 2020


Das mit dem Laufband habe ich bis heute durchgezogen, mittlerweile mein eigenes zu Hause stehen das es keine faulen ausreden gibt. Heute renne ich nahezu jeden Tag 30 Minuten bei 10km/h und das obwohl jeder gesagt hat das wird nie wieder gehen! Joggen auf der Straße oder im Wald kann ich allerdings vergessen. Unebenheiten verzeiht mir mein Fuß nicht wirklich. Ich kann wieder auf einem Bein und den Zehenspitzen stehen. Letztens bin ich sogar von einer 1 Meter hohen Mauer gesprungen. Ich kann rennen, laufen, hüpfen ohne das man mir etwas ansieht.


ABER, sollte ich zu übermütig sein, habe ich am nächsten Tag meine Probleme, humpele manchmal 2 oder 3 Stunden vor mich hin. Die Achillessehne schmerzt usw. das ist halt dann so und wird auch bleiben. Ich denke wenn ich nicht ständig an meine Grenzen gehen und meinem Fuß zeigen würde für was ich ihn brauche wäre alles viel schlimmer geworden. Nur Bewegung verhindert auch die Athrose die ein solcher Bruch mit sich bringt.


Ohne diesen Bruch wäre ich wohl nie so sportlich geworden wie ich es jetzt bin.


Also lasst trotz aller schlechten Prognosen nicht den Kopf hängen und gebt was ihr könnt, die Mühe lohnt sich.


Gruß Olli
 

kuhneolli

Neues Mitglied
Registriert seit
15 Okt. 2021
Beiträge
8
Vielleicht noch ein paar Worte zu dem was an Schmerzen und Einbußen wohl bleibt (zumindest bei mir)

Nach dem Aufstehen morgens bin ich generell, egal was ich gemacht habe mindestens eine Stunde nicht flüssig im laufen und habe an verschiedenen Stellen ein Stechen. Humpel oder muss mich beim Treppe laufen festhalten. Der ganze Fuß braucht seine Zeit bis er sich warmgelaufen hat.

Krankengymnastik mache ich nur vorbeugend, damit es bei der BG auch dokumentiert ist.

BG Rente kann man eigentlich vergessen, diese Entscheidung wird alleine andhand physichen Einbußen entschieden, nicht anhand der Schmerzen denen man bei Bewegung ausgesetzt ist.
Das heißt, mein Sprunggelenk kann nur noch um 15 Grad gekippt werden also 1 Punkt Abzug, ob ich dabei vor Schmerzen in Ohnmacht falle spielt keine Rolle .....

Schmerzmittel helfen bei diesen Schmerzen überhaupt nicht, egal in welcher Kombination.

Die Schmerzen an der Narbe sind vollständig abgeklungen, der Bereich bleibt allerdings dauerhaft sehr sensibel.

Die Achillessehne zieht manchmal, selten aber ausreichend um sich Gedanken zu machen ob das irgedwann in einem Fersensporn enden könnte, mal abwarten was da noch kommt.

Letzten Donnerstag war ich mehrere Stunden mit dem Gärtner unser Grünzeug am reduzieren, das merke ich auch heute noch im Gelenk. 5 Tage danach. Der Tag darauf bin ich bis 11 Uhr herumgehumpelt, dann war es plötzlich wie weggeblasen. Es Sticht immer noch ordentlich unter dem Knöchel, liegt wohl am unteren Sprunggelenk, das kann sich nicht mehr frei bewegen, dann schwillt es und blockiert. Auf das Laufband gehe ich trotz Schmerzen und komme gut aufgewärmt und schmerzfrei wieder runter. Zumindest bis morgens in der Frühe.

Zusätzlich bekomme ich Einlagen für die Schuhe soviel ich möchte und nach Bedarf auch regelmäßig ortopädische Schuhe, auf die ich aber bisher verzichten konnte.

Grundsätzlich wussten die Ärzte vom ersten Tag an das ich nicht zurück ins Handwerk gehen kann, das fand ich etwas blöd. Hätten sie mit offenen Karten gespielt hätte ich mich nicht ständig mit genau diesem Thema im Kopf rumschlagen müssen sondern mich besser darauf einstellen können was die Zukunft bring.

Jetzt verdiene ich im Büro deutlich mehr Geld als vorher, die Arbeit draußen fehlt mir trotzdem.

Also Kopf hoch und nehmt es "mit Humor", ändern kann man es ja nicht mehr nur das Beste daraus machen .....

Nur 2 Fersenbeine gleichzeitig könnten noch schlimmer sein.

Gruß Olli
 

Steff81

Neues Mitglied
Registriert seit
29 Aug. 2021
Beiträge
2
Ja, deine Geschichte macht wirklich Mut. Mir steht nach einer OSG Fraktur ähnliches bevor. Wurdest du umgeschult? Und hast du Prozente bantragt oder ähnliches?
Grad das mit den Ärzten ging mir ähnlich. Erst ein niedergelassener Orthopäde hat mir auf ne recht zynisch humoristische Art und Weise reinen Wein eingeschenkt.
Alles Gute dir weiterhin.
 

kuhneolli

Neues Mitglied
Registriert seit
15 Okt. 2021
Beiträge
8
Umschulung wäre möglich gewesen, allerdings bin ich recht kurzfristig vor die Entscheidung gestellt worden und die Konditionen sowie die Aussicht sofort wieder Geld verdienen zu können waren im alten Betrieb besser.
Das mit den Prozenten wird von der BG ganz zum Schluss automatisch abgeklärt und mit einem Gutachten festgehalten So war es zumindestens bei mir. Die Chancen stehen allerdings recht schlecht außer wenn du tatsächlich im Altag weiterhin stark behindert bist, nicht mehr an diesem teilhaben kannst. Da langt ein humpeln oder zwicken eben nicht umbedingt aus.
 

Ochmichin

Neues Mitglied
Registriert seit
26 Aug. 2019
Beiträge
8
Hi Olli

da kann mich mitfühlen. Bei mir beide Fersenbeine und nach ca. 28 Jahre ist der Spass nun vorbei.
 

kuhneolli

Neues Mitglied
Registriert seit
15 Okt. 2021
Beiträge
8
Hi Olli

da kann mich mitfühlen. Bei mir beide Fersenbeine und nach ca. 28 Jahre ist der Spass nun vorbei.
Beide Fersenbeide sind natürlich der Horror, darüber habe ich auch gelesen. Ein Dachdecker der nicht mal wirklich tief gefallen ist. Da ist man ja vorerst ein richtiger Pflegefall.
Was heißt nach 28 Jahren? Ging es eine Zeitlang wieder ganz normal und jetzt überhaupt nicht mehr?
 

Ochmichin

Neues Mitglied
Registriert seit
26 Aug. 2019
Beiträge
8
Hi

ich schreibe das mal für den Rest der Welt.....denn hätte ich vorher gewusst wie sich das entwickeln kann, hätte ich paar Sachen anderes gemacht.
Also die ersten Jahre waren üblicher Weise der Horror. Es hatte Jahre gedauert, bis ich für mich sinnvoll am Alltag teilnehmen konnte. Der grosse Unterschied zu heut. Damals gab es nur Schmerzen bei Belastung und eher nicht bei der Ruhe. In der Ruhe waren die Schmerzen doch recht bald verfolgen. Nach paar Jahren stellte sich auch eine Art Zustand ein, mit welchen ich einen recht normalen beruflichen Alltag im Büro machen konnte. Auch Nachts waren eher kaum Schmerzen da. Klar, wenn ich es übertreibe, ging auch da nichts mehr. Nach gefühlten 25 Jahren haben soft die ersten Beschwerten in der Ruhe begonnen. Hier im linken Fuss. Also neue mir vollkommen unbekannte Probleme. Auch nun Nachts und auch noch morgens im Bett. Man wacht dann um 4 Uhr auf und man hat erste Ruheschmerzen. Jetzt, nach 28 Jahren bekomme ich die Ruheschmerzen nicht mehr los und werden langsam schlimmer und dramtischer. Der linke Fuss hat sich auch etwas verändert und das Fussbett ist flacher geworden, was sich negativ auf die Motorik auswirkt. Und das noch vor dem Aufstehen. Also kacke... Da man nun versucht den linken Fuss zu entlasten, meldet sich nun auch der rechte Fuss. Dem gefällt die neue Belastung überhaupt nicht und schiesst jetzt auch böss rum, sodas man im schlimmsten Fall kaum laufen kann. Das legt sich zur Zeit recht schnell wieder. Aber auch hier sind nun Beschwerden vorhanden.

Was hätte ich anders gemacht?
Eigentlich fast alles richtig, aber das Haus was wir gebaut haben, hätte ein Bungalow-Stil oder eine Penthouse-Wohung sein müssen. Zum Glück waren wir fast jedes Jahr in den Ferien und fast immer auf Fernreise. Jetz wird`s wohl eher erst mal ruhiger werden. Zum Glück steht derzeit noch meine Firma hinter mir, aber ob die Firma das noch in einem Jahr immer noch so sieht, ist fraglich. Der Job ist traumhaft und habe eine leitende Position und sitze in der GL.

Aus medizienischer Sicht komme ich um eine Versteifung der unteren Sprunggelenke nicht umher. Der linke Fuss muss korrigert werden, da das Fussbett abgeflacht ist. Jetzt suche ich in BW ein BG-Arzt, welcher das super hinbekommt. Auf den "freien Markt" kenne ich da einige, aber diese verfügen nicht über eine BG-Zulassung. Solltet Ihr ein BG-Arzt kennen, welcher grundsätzlich nur Füsse behandelt, wäre ich über eine Info sehr dankbar. Egel wo in DE.

Beste Grüsse
Frank
 
Top