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Erfahrung mit Fersentrümmerfraktur (Calcaneusfraktur)

Registriert seit
22 März 2013
Beiträge
1
#1
Hallo zusammen!

Ich bin schon fast am Ende meiner Leidensphase und nutze die Gelegenheit, über die Besonderheiten bei einem Fersentrümmerbruch hinzuweisen. Fragen sind gerne willkommen!

Am Tag vor Allerheiligen 2012 stürzte ich beim Hallenklettern aus 3 Metern Höhe auf einen knochenharten Betonboden. Schmerzen hatte ich kaum - erst wegen des Schockzustandes, dann wegen der Medikamente der Rettungskräfte. Schon wenige Minuten nach dem Sturz stellte sich eine enorme Schwellung des linken Fußes ein. Aufnahme in die Klinik, Diagnose:
- Rechter Fuß mit einer Fersenfraktur ohne Verschiebungen ("keine Dislokation").
- linkes Fersenbein zertrümmert, der Knöchel des linken Fußes mit einer nicht verschobenen Absplitterung.
Für den rechten Fuß bekam ich prompt einen Orthese, welche die Ferse 100% entlastet und mir eine sehr eingeschränkte Mobilität ermöglichte.
Nun musste ich bis zur OP des linken Fersenbeines eine Woche warten, bis die Schwellung der Weichteile sowie die infektionsgefährdeten Schwellungsblasen (ähnlich wie Wasserblasen) einigermaßen abgeheilt waren. In der OP wurde das Fersenbein reponiert und mit einer Metallplatte sowie 12 Schrauben fixiert - also "zusammengeflickt". Bei der Röntgenkontrolle nach der OP stellte sich heraus, dass sich der Knöchelsplitter bewegt hatte, wohl durch die Bewegungen der umliegenden Bänder, und er ebenfalls fixiert werden musste. Zwei Wochen nach dem Unfall wurde ich ein zweites Mal operiert, der Knöchelsplitter mittels zweier Schrauben fixiert.
Nach 2 1/2 Wochen konnte ich das Klinikum verlassen, wackelig auf 2 Krücken bzw. größtenteils in einem Rollstuhl.
Progonse war zu der Zeit ein Belastungsaufbau rechter Fuß mit Orthese ab 6 Wochen (nach Unfall), 100% ab acht Wochen (nach Unfall). Für den linken Fuß sah man eine Heilung bis zu 12 Wochen (nach 2. OP) vor, Belastungsaufbau ab etwa 8 Wochen (nach 2. OP).

Jeweils zwei Wochen nach den OPs kamen die entsprechen Fäden (18 bzw. 7) raus. Die Wundheilung war auch danach hervorragend, vor allem wegen:
Nicht rauchen, keinen Alkohol und regelmäßige Bänderwechel mit Fußpflege (Panthenol). Tip: Wechselbäder helfen dem schlecht durchbluteten, stark fraktionierte Fuß und mindern dabei auch die Schwellungen (bei mir zumindest). Ich konnte schon in der Zeit beginnen, die Schmerzmittel Voltaren und Novalgin zu reduzieren, sodass ich 5 Wochen nach der 2. OP ganz ohne auskam.

Nun hieß es: abwarten und die Tage rumbringen. Doch leider kam es anders: Bei den Röntgenkontrollen nach 7 Wochen (nach Unfall) konnte man keine ausreichende Kallusbildung sehen. Den rechten, nicht so lädierten Fuß durfte ich ab Weihnachten (8 Wochen nach Unfall) langsam und vorsichtig belasten, also maximal für die Gänge zwischen Sofa, Küche und Bett. Bis Mitte Januar war er aber fit und blieb schmerzfrei :).

Vom linken Fuß wurde Mitte Januar eine weitere Röntgenaufnahm gemacht: Wieder kein Kallus, wieder kein Belastungsaufbau. Erst ein CT Ende Januar mit dem Blick in die Knochen brachte es ans Licht: Der Kallus war vorhanden, ausreichend sogar, doch nicht ausgehärtet. Der Hausarzt konnte mir erst jetzt (11 Wochen nach 2. OP!) erlauben, die Orthese für den linken Fuß anzulegen, allerdings mit 100%iger Entlastung. Innerhalb der nächstenWoche hatte ich mir die Krücken abtrainiert. Der Kallus konnte nicht aushärten, weil ich einen deutlichen Vitamin-D3-Mangel hatte, es war ja Winter und an die spärliche Sonne kam ich nicht. Die Behandlung erfolgte ähnlich wie bei Osteoporose mit Calcium, Vitamin-D3-Präparat und Alendronsäure. Im CT Ende Februar (15 Wochen nach 2. OP) sah man einen guten Fortschritt, jedoch inzwischen an anderer Stelle einen Knochenabbau ("Immobilisationsosteoporose"). Dagegen hilft nur: Laufen :). Eine Woche später war die Orthese abtrainiert und mein Fuß prinzipiell wieder belastbar, wenngleich sehr schwach und nicht besonders stabil.

Für die Bewglichkeit der "eingerosteten" Gelenke gab es ab Januar Physiotherapie, gegen die restlichen Wassereinlagerungen / Schwellungen einen sexy Kompressionsstrumpf.

Es hilft bei einer Fersenfraktur leider nur eine Sache: Geduld, Geduld, Geduld. Ich wollte es anfangs auch nicht glauben, dass es 12 Wochen dauert, aber durch die verschiedenen Effekte hat es am Ende 16 Wochen (nach 2. OP) bzw. 18 Wochen nach dem Unfall gebraucht.
Nun ist es Ende März und ich kann nun etwas länger Spazierengehen, Treppensteigen, im Stehen Duschen, aber bis ich wieder Sport treiben oder Wandern kann, wird wohl der Sommer ins Land ziehen.
Die Orthesen helfen für eine GRUND-Mobilität, aber es ist trotzdem eine Einschränkung gegenüber gesunden Füßen (grade auch durch ihr Gewicht und die unnatürliche Fußbelastung und -/stellung in ihnen).

Wenn der Unfall im Herbst oder Winter passiert habe ich abschließend einen WICHTIGEN TIP: Lasst Euren behandelnden Arzt Eure Vitamin- und Mineralspiegel im Blut messen. Hätte ich das mit dem Vitamin-D3 früher gewusst, hätte ich ewta 2-3 Wochen der Heilungszeit verkürzen können.

Wen es mit einer Fraktu am Fuß treffen sollte: NUR MUT, das steht man durch! Es ist zwar eine temporäre Veränderung, die Nerven und Zeit kostet, aber es ist kein Weltuntergang.
 
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