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EMDR bei PTBS

Registriert seit
12 Sep. 2006
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#1
Guten Morgen!

Ich habe grade eine Verhaltenstherapie begonnen und hatte gestern das erste Mal EMDR. (Das wurde auch bereits in meiner ersten Therapie gemacht, hat damals aber nichts bewirkt.)
Ich war richtig erstaunt, wieviele Gefühle hochgekommen sind, die mir so gar nicht mehr richtig bewusst waren und an die ich mich nicht erinnern konnte.

Danach ging es mir richtig gut und ich war regelrecht euphorisch. Dafür habe ich dann auch kaum geschlafen und fühle mich heute erschlagen, erschöpft und wie gerädert. :(

Mich würde interessieren, welche Erfahrungen ihr im Rahmen von EMDR bei PTBS gemacht habt. Ist die Erschöpfung normal? Hat euch das auf Dauer weiter gebracht? Und wie häufig wurde das gemacht? Folgt danach noch eine Gesprächstherapie oder so? (Habe gestern vergessen, das anzusprechen.)

Liebe Grüße
Karin
 
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12 Sep. 2006
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#3
Hi!

PTBS - Posttraumatische Belastungsstörungen
EMDR - Eye Movement Desensitization and Reprocessing

LG, Karin
 

Dienstag

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#4
Hallo Karin,

jetzt wissen wir alle, was sie Abkürzung EMDR bedeutet. Aber was hat es damit auf sich? Was sind das für Augenbewegungen? Weswegen machst Du das? Kannst Du uns mehr darüber berichten?

Gruß Dienstag
 
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#5
Hi,

das würde mich interessieren, wie es sich die Therapie genau gewikt hat.
Ist auf die Dauer diese EMDR-Methode geprüft.

Das du dich erschlagen sich fühlst und erschöpft bist, das kann, wenn es auf die dauer ist nicht gut sein.

Gast11
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

seenixe

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#6
Hallo,

Hier erst einmal zur Erklärung, was EMDR ist.
Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)
EMDR ist eine von Dr. Francine Shapiro entwickelte hoch wirksame traumabearbeitende Psychotherapiemethode.
Die Entdeckung begann durch eine zufällige Beobachtung von Frau Shapiro im Frühjahr 1987. Auf einem Spaziergang bemerkte sie, dass zuvor stark belastende Gedanken verschwanden bzw. anschließend nicht mehr so belastend waren, nachdem sie ihre Augen zufällig hin und her bewegt hatte.
Aus dieser Erfahrung entwickelte sich das EMDR-Therapiesetting. Ein Klient konzentriert sich auf ein belastendes Erlebnis während seine Augen gleichzeitig den Handbewegungen der TherapeutIn folgen. Später zeigte sich, dass auch andere Stimulationsformen (z.B. Fingerberührungen oder akustische Signale) entlastende Wirkungen zeigten.
Heute folgt eine EMDR-Behandlung acht fest umschriebenen Phasen und dem sogenannten EMDR-Standardprotokoll. Dieses fokussierte Vorgehen der Traumabearbeitung setzt selbstverständlich eine umfassende Diagnostik und Indikationsstellung sowie eine tragfähige therapeutische Beziehung voraus. EMDR ist dabei gut integrierbar in die Behandlungspläne der verschiedenen Psychotherapieverfahren.
Die verständliche Skepsis, mit der die EMDR-Methode anfangs betrachtet wurde, hat sich inzwischen gelegt. Nach über 20 wissenschaftlichen Forschungsstudien gilt die EMDR-Methode mittlerweile als eines der effektivsten Verfahren zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung (v. Etten & Taylor, 1998, Journal of Clinical Psychology). Nach den Ergebnissen neuerer Studien ist EMDR zudem auch bei anderen Indikationen wirksam (u.a. traumatische Trauer, Phantomschmerz, best. Angst- und Suchterkrankungen).
Obwohl EMDR auf den ersten Blick einfach erscheint, ist es ein hoch wirksames Verfahren, das nicht ohne Kontraindikationen und Nebenwirkungen ist. Eine Behandlung mit EMDR sollte daher nur von entsprechend fortgebildeten Psychotherapeuten (Ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten und approbierte Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten) durchgeführt werden.
Um eine Qualitätskontrolle und Weiterentwicklung der Methode dauerhaft sicherzustellen wurde 1995 die EMDRIA-Fachgesellschaft gegründet.
Ich habe etwa ein Jahr nach meinem schweren Unfall eine entsprechende Behandlung bekommen. Die Sitzungen fanden während eines Reha-Aufenthalts statt und waren auf 12-15 Sitzungen begrenzt. Es hat mir sehr bei der Verarbeitung des Unfallgeschehens geholfen. Ich kann seit diesem Zeitpunkt mit dem Unfall viel besser umgehen und halte diese Methode zwar für anstrengend aber auch für erfolgversprechend.

Hier ein Link auf eine entsprechende Seite.

Gruß von der Seenixe
 
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37
#7
Vielen Dank Seenixe, das hört sich ja gut an. Ich habe schon viel im Internet und in Büchern darüber gelesen, aber so richtig will sich meine Skepsis nicht legen. Auch wenn sich das ja alles irgendwie logisch anhört ;o)

Ich wollte einfach mal ganz unparteiisch hören, dass das etwas bringen kann. :) Aber das was du berichtest, hört sich gut an!

Ich mache das jetzt erstmal in einer ambulanten Therapie und ab ca. Oktober in einer Reha.

Wurden bei dir anschließend noch Gesprächstherapien oder ähnliches angeboten?

Liebe Grüße
Karin
 

seenixe

Super-Moderator
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#8
Hallo Karin,

ja, es gab das Angebot weiterer Gespräche. Die Aufarbeitung der Unfallproblematik hat mir persönlich so geholfen, dass ich dann erst einmal keinen weiteren Bedarf gesehen habe. Erst Monate später, als vor meinen Augen ein fast identischer Unfall ereignete, bekam ich erneut Probleme.

Gruß von der Seenixe
 

Teddy

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#9
Hallo Southy,

Hatte vor 8 Jahren schweren Verkehrsunfall mit heute noch chronischen Schmerzen nach HWS-Trauma und SHT-Trauma. Nach mehreren Reha Aufenthalten, ambulanter Schmerztherapie im Bereich Anästhesie vielen Versuchen unter anderem mit Akkupunktur habe ich eine Verhaltenstherapie bei einer sehr erfahrenen Diplompsychologin begonnen. Sie begleitet mich jetzt schon seit 3 Jahren und hat mit mir gleich zu Beginn EMDR eingeübt, so dass ich es jetzt selber alleine anwende. Deine Erfahrung mit: es geht mir gut, und dann Erschöpfung, kann ich teilen. Ich habe gute Erfahrungen gemacht. Es klingt so einfach, aber ist bei denen, die sich darauf einlassen, recht wirkungsvoll.
Schließlich hat man in der Hirnforschung ja inzwischen auch die intensive Wechselseitigkeit der Hirnhälften bestätigt und das Gehirn ist plastisch genug - ständig neue Wege zu gehen. Es legt bei jeder Tätigkeit neue Wege an - erst sind es schmale Trampelpfade, dann Wege, dann Straßen, dann Autobahnen, so dass durch Übung der Effekt eintreten kann. Die neuen Netzbahnen stabilisieren sich und Erinnerungen, Emotionen werden neu - anders abgespeichert -Auf lange Sicht ist es wie bei einem Computer, das alte Programm wird weniger benutzt - es bleibt da, wird überschrieben und ein neues Denkmuster installiert, mit dem lässt es sich oft leichter Leben - obwohl Schmerzen, Behinderungen und alles andere ja bleibt und sich nicht in Luft auflösen können.
In der Schlaganfallnachsorge werden Spiegelübungen gemacht, damit die rechts-links Koordination der Hirnhälften aktiviert wird. Die gesunde rechte Hand greift einen Löffel und gibt sie in einen Becher - das Auge schaut auf den Spiegel und sieht dies als linke Hand - wird der Spiegel entfernt kann die gelähmte linke Hand plötzlich mehr als bisher. Das Gehirn wird nicht ausgetrickst, sondern vorhandene Resourcen aktiviert. Auch in der Kinesologie spielt die rechts-links Hirnaktivierung eine große Rolle. Kinder die wenige Minuten sehr einfache rechts-links Koordinationsbewegungen machen, lernen leichter, können sich mehr behalten, sind eindeutig konzentrierter. Stichwort Braingym. (Gymnastik fürs Hirn) Also es gibt noch vieles was uns die Wissenschaft bieten kann. Wer's nicht erlebt hat, wie EMDR wirkt und helfen kann, geht leicht von einem Placebo Effekt aus.
Lass dich nicht beirren. Probiere alles aus, sei offen - aus den vielen Möglichkeiten etwas auszusuchen was Dir persönlich hilft.

Meine Therapeutin hat noch eine weitere neue Methode auf Lager: EFT das hat sich aus dem TFT entwickelt. TFT heißt Tought Field Therapie wurde in den 70ger Jahren in den USA vom Psychologen Dr. Roger Callahan entwickelt, es nützt ein System verschiedener Tappingpunkte. Das sind Akkupunkturpunkte die auch bei der Akkupressur als wirkungsvoll bekannt sind und an diesen Stellen wird statt gedrückt mit den zwei Fingern geklopft - getappt. Klingt bekloppt ist aber überraschend sehr wirkungsvoll.

Hier ein Auszug wozu das ganze sein soll:
EFT ist ein einfaches, schnelles und effektives Verfahren, um emotionale Störungen zu behandeln. Es beruht auf den Verfahren der chinesichen Akupunktur und der angewandten Kinesiologie. Sehr oft können starke negative Gefühle wie Aufregung, Ärger, Angst, Unruhe oder andere Störungen, die eine emotionale Komponenete haben mit dieser Methode in kurzer Zeit reduziert werden. Dies gilt für aktuelle emotionale Störungen, aber auch für länger bestehende Probleme, (Phobien, Zwänge, Depressionen , Ärger, Wut, Schmerzzustände)
EFT hat bei Anfängern eine Erfolgsrate von ca 50% bei geübten von 95%. Schwierige Fälle sollten sich an einen Fachmann wenden.
Inzwischen gibt es dazu zweistündige Einführungsseminare z.B. Stuttgart, Hospitalhof, oder sogar zweitägige Workshops.

Also nur Mut und viel Erfolg

Gruß Teddy

Hier noch ein paar kleine Zitate aus der Sammlung meiner Therapeutin:

Zweifle nicht ohne zu hoffen und hoffe nicht ohne zu zweifeln (Seneca)

Nicht was wir erleben, sondern wie wir es erleben, macht unser Schicksal aus. (Marie von Ebner Eschenbach)

Kämpfe nicht gegen die Wellen des Lebens - lerne darauf zu surfen.
 

Laverda

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#10
Traumatherapie, EMDR - Therapie bei PTSB

Hallo,

ich bin seit meinem Überfall in Traumatherapie, davon viele EMDR Sitzungen. Viele Sitzungen sind einfach Gesprächstherapie bzw. verhaltenstherapeutisch angelegt. Hintereinander weg wäre EMDR glaube ich für das Körpersystem viel zu belastend. Da meine Therapeutin auch EMDR ausbildet und supervidiert, fühle ich mich bei ihr sehr gut aufgehoben.

Wie Seenixe auch beschrieb, es hilft die Begleiterscheinungen der PTBS zu mindern. D.H. in meinem Fall, daß ich halbwegs normal reagieren kann, wenn ich Jugendlichen begegne, zwar immer noch Panikattacken bekommen, aber nicht mehr jedes Mal und wechsel auch nicht mehr die Straßenseite...die Alpträume sind weniger geworden, die Schlafstörungen auch...etc., bin insgesmat belastungsfähiger was Stress, Menschenansammlungen, Teilnahme an Veranstaltungen etc. betrifft.

Zur Erschöpfung danach: Ja, das kenn ich auch zur Genüge......manchmal muß ich erstmal nach der Sitzung ne Runde in die Natur und mich erholen, bevor ich wieder ins Auto steigen kann und die 50 km nach Hause fahre. Öfters habe ich mich dann direkt hingelegt und wie eine Stein geschlafen, leider tagsüber, aber immerhin.

EMDR ist eine relativ junge Disziplin. Über Langzeitfolgen war daher wenig bisher zu forschen.

Ich persönlich bin von der Methode überzeugt, weil es mir hilft die Überfallfolgen zu bewältigen.

Gern genauer nachfragen, wenn Du/ Ihr noch Infos benötigt.
 
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#11
Super, vielen Dank euch allen, das macht mir wirklich Mut! Ich habe ehrlich gesag bislang daran gezweifelt, noch etwas zu finden, was mir hilft. Aber die erste EMDR-Sitzung ist da ja ganz gut gelaufen.

Seenixe - das hört sich gut an, denn ich denke, ich habe auch noch einiges an Gesprächsbedarf und viele Gedanken, die ich in der Familie oder im Freundeskreis nicht aussprechen könnte.

Teddy - Das Tapping kenne ich auch von meinem ersten Therapeuten! Hat bei mir aber leider keinen Erfolg gezeigt. (Bei dem Therapeuten hat mir aber auch das EMDR nicht weitergeholfen.) Vielleicht konnte ich mich auch einfach nicht darauf einlassen. Ich glaube, da hat auch irgendwie die Chemie zwischen Therapeut und Patient nicht richtig gepasst. Aber damals war ich zu aufgewühlt, um das zu erkennen. Das war direkt nach dem Unfall.

Laverda das hört sich vielversprechend an! Ich würde alles geben, für eine Nacht, in der ich gut ein- und durchschlafe und keine anstrengenden Albträume habe. Aber ich befürchte, das wird noch auf sich warten lassen...

Im Moment holen mich viele Gefühle ein, die ich vor dem EMDR komplett vergessen habe. Manche Gedanken und Gefühle, die ich bei meinem Unfall hatte, waren mir einfach nicht mehr in Erinnerung. Denke, das ist zwar anstrengend aber gehört sicher dazu, wenn man Erfolg haben möchte...

Vielen Dank auf jeden Fall euch allen, das macht Mut zu hören, dass euch EMDR etwas gebracht hat
Ich habe das ehrlich gesagt selber immer für "Hokuspokus" gehalten und war Montag richtig erstaunt, wie stark das wirkt. Sogar wenn man skeptisch ist. :)

Liebe Grüße
Karin
 
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#12
Hallo Southy,

auch ich kann mich den Seenixe und Laverda anschließen. EMDR hat auch mir sehr geholfen, also nur Mut... und das man danach total geschafft ist, ist doch ein Zeichen dafür, das man etwas im Körper bzw. im Gehirn etwas bewirkt hat... ich bin sogar während der Sitzung dabei eingeschlafen... mein Therapeut hat mich 10 Minuten schlafen lassen, dann ne halbe Stunde an die frische Luft, bevor ich nach Hause fahren konnte.

Nach einigen Sitzungen wirst du merken, das es Dir besser gehen wird und das gewisse Bilder zwar noch da sind, aber dir keine Unruhe bzw. Angst mehr machen. So war es bei mir, ich kann heute viel besser damit umgehen und bin froh, das mein Therapeut EMDR mit mir gemacht hat.

Ich drücke Dir die Daumen und wünsche Dir viel Kraft und Mut.

Alles Liebe

die Sonne67
 
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