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Der Blick in die Seele - Bald psychischer Erkrankungen richtig nachweisbar?

seenixe

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31 Aug. 2006
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Heute bin ich über folgenden interessanten Artikel in meiner Tageszeitung gestolpert:

Bildgebende Verfahren sollen die Diagnose und Therapie psychischer Erkrankungen weiter verbessern
......
Um die kranke Seele zu begreifen, steht den Nervenärzten inzwischen eine Vielzahl an Techniken zur Verfügung. Mit modernen Methoden der Bildgebung lässt sich heute die Aktivität des Gehirns in Echtzeit sichtbar machen. Der Blick ins Gehirn soll die etablierten Therapien nicht ersetzen, aber er könnte die Behandlung in Zukunft zielgenauer und besser überprüfbar machen.
Noch vor wenigen Jahren waren die Aufnahmen, die sich vom Gehirn erstellen ließen, äußerst unscharf - bestenfalls geeignet, um grobe Zusammenhänge zu erkennen. "In den vergangenen zwei bis drei Jahren hat die Technik einen Riesensprung gemacht", sagt Frank Schneider, der am Universitätsklinikum Aachen die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie leitet. "Die Methoden sind so viel besser geworden, dass wir sie jetzt bei der Diagnose und in der Therapie einsetzen können."
Als erstes werde die Technik depressiven Patienten zugute kommen, glaubt Schneider. Gerade bei dieser Krankheit ließen sich mit bildgebenden Verfahren oft genauere Diagnosen und Prognosen erstellen, erklärt der Psychiater. Denn häufig könnten depressive Patienten ihren eigenen Zustand beziehungsweise Verbesserungen, die man mithilfe einer Psychotherapie oder Medikamenten erzielt habe, anfangs nur schwer selbst einschätzen.
Insbesondere mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) lassen sich heute hoch aufgelöste Bilder des menschlichen Gehirns erstellen. Die Methode basiert darauf, dass Atomkerne schwache elektromagnetische Signale aussenden, wenn sie durch ein starkes Magnetfeld angeregt werden. Da sauerstoffarmes und sauerstoffreiches Blut unterschiedliche magnetische Eigenschaften haben, können die aktiveren Bereiche des Gehirns auf diese Weise sichtbar gemacht werden.
Computerspiel im Gehirn
Der Fortschritt der fMRT ist den immer stärkeren Magneten zu verdanken. Schneider setzt in seinen Versuchen magnetische Feldstärken von drei Tesla ein. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Hufeisenmagnet hat eine Feldstärke von nur drei tausendstel Tesla. Versuchsweise hat sich Schneider auch schon in eine Anlage mit sieben Tesla gelegt. Mehr würde er seinen Patienten nicht zumuten: "Da wird einem schon ein bisschen schummrig."
Per fMRT haben Schneider und sein Team beispielsweise die Gehirne von jungen Männern untersucht, die das Computerspiel Counterstrike spielten. Die Probanden beobachteten dabei zunächst nur eine virtuelle Landschaft, erblickten dann plötzlich einen Gegner und drückten schließlich ab. Im Verlauf dieser unterschiedlichen Phasen konnten die Forscher beobachten, wie Bereiche des Gehirns, die eher für Emotionen zuständig sind, zunehmend inaktiv wurden, während Areale, die für kognitive Vorgänge benötigt werden, mehr und mehr die Kontrolle übernahmen. Demnach trainiert das Spiel ein kaltblütiges Vorgehen in eigentlich sehr emotionalen Situationen.
Während die Forscher durch solche Versuchsanordnungen grundlegende Funktionsweisen des Gehirns verstehen wollen, sind andere Ansätze schon auf einen künftigen Einsatz in der Therapie ausgerichtet. Anhand unterschiedlicher Aktivitätsmuster in den vorderen und oberen Bereichen der Großhirnrinde sei es beispielsweise gelungen, mithilfe der fMRT den Verlauf einer Schizophrenie vorherzusagen, berichtete Schneider auf dem Kongress.
Auch die Wirkungsweise von Psychopharmaka lässt sich mit bildgebenden Verfahren untersuchen. Hierzu setzen Mediziner vor allem die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) ein. Dabei injiziert der Arzt dem Patienten ein schwach strahlendes radioaktives Isotop, das sich im Gehirn zum Beispiel an einen Neurotransmitter heftet. Auf diese Weise lassen sich nicht nur die Botenstoffe der Nervenzellen mit einem Detektor sichtbar machen, sondern auch die Veränderungen, die ein Medikament in der Hirnchemie bewirkt.
Subtile Veränderungen
Immer häufiger basieren psychiatrische Studien auf einer Kombination von genetischer Analyse und bildgebenden Verfahren. Die Wissenschaftler hoffen, dadurch kausale Zusammenhänge besser zu verstehen. Denn die Gene eines Menschen beeinflussen das Verhalten seiner Nervenzellen - und damit auch das Verhalten des Menschen selbst. Die Veränderungen im Gehirn aber sind so subtil, dass sie sich mit psychologischen Tests oder Fragebögen zur Selbsteinschätzung kaum ausmachen lassen.
Betrachtet man hingegen die Effekte der Gene auf der Zellebene, ist ihr Einfluss mitunter viel deutlicher. So erhöht beispielsweise eine Genvariante für das Protein Neuregulin1 die Anfälligkeit für Schizophrenie. Allerdings tragen viele Menschen diese Genvariante in sich, ohne jemals schizophren zu werden. Betrachtet man die Gehirne dieser Menschen im Tomografen, so findet man während einfacher Aufgaben zur Gedächtnisleistung eine unterschiedliche Aktivität im oberen Bereich der Großhirnrinde. Demnach wirkt sich die Genvariante zwar auf Gehirnfunktionen aus - zur Schizophrenie kommt es aber nur im Zusammenspiel mit anderen Genen oder Umwelteinflüssen.
Noch ist der Hirnscan in der psychiatrischen Praxis nicht angekommen. "Doch ich bin überzeugt, dass das in fünf Jahren so sein wird", sagt Schneider. Das mag sehr optimistisch klingen, allein wegen der hohen Anschaffungskosten für die Geräte. Drei Millionen Euro hat Schneiders Klinik für ihren Magnetresonanztomografen ausgegeben. Ein niedergelassener Psychotherapeut wird sich das nicht leisten können. Doch auch er könnte von den Forschungsergebnissen profitieren - nämlich dann, wenn man mithilfe der Hirnscans eines Tages die Entstehung von psychischen Erkrankungen besser verstehen und die Therapien entsprechend weiterentwickeln wird.

Da solche Artikel leider nicht immer zur Verfügung stehen, habe ich ihn hier zitiert und die Genehmigung der Zeitung angefragt.

Dieser Artikel stimmt mich zuversichtlich, dass in naher Zukunft gerade in diesem Bereich Nachweise über das Vorliegen der Erkrankung möglich sind.

Gruß von der Seenixe
 

maja

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Hallo Seenixe!

Auf der einen Seite OK-wenn es denn wirklich funktioniert.
Auf der anderen Seite macht es mir Angst-
wird dann auch möglich sein, Menschen noch mehr zu "beleuchten"
und gibt es dann auf Grund solcher Möglichkeiten-noch mehr, um
Menschen selektieren zu können.

Auch wäre es genauso möglich, wie bei Röntgenaufnahmen, MRTs und CTs,
mit voller Absicht falsch zu interpretieren, zu übersehen, auszulassen.

Um dann auch noch eine wissenschaftliche Begründung für eine Ablehnung gewisser Ansprüche zu haben.

OK vielleicht gelingt es schon, Zusammenhänge, Nervenleitfähigkeit usw zum
psyschichen Zustand eines Menschen herzustellen-
Aber jeder Mensch reagiert auf bestimmte Eindrücke anders und der Auslöser von Reaktionen ist auch vom Charakter des Einzelnen abhängig.
Man wird dann bestimmt statistische Standartprogramme errechnen und was ist, wenn der Auslöser "MEINER" Psyschose nicht dabei ist?

Oder im Strafvollzug-ein Kindermvergewaltiger und Mörder-
-laut Test ist er gesundet-eigentlich hätte er keinen Mord mehr begehen können?

Gruss
maja
 

seenixe

Super-Moderator
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Hallo,
wer sich mit den Erkenntnissen der aktuellen Medizin beschäftigt wird immer wieder feststellen, dass die neueren Erkenntnisse durch Gutachter ignoriert werden. In vielen Gutachten habe ich festgestellt, werden Befunde, die auf Techniken neuerer Basis erstellt werden, wie MRT, PET usw. durch die Gutachter vollständig ignoriert. Dies meist aus gutem Grund. Mit dem neuen Verfahren lassen sich viele Unfallschäden auch bildlich darstellen, aber genau dies wird im Auftrag der Berufsgenossenschaften verhindert. Es ist kein Zufall, dass immer wieder zu lesen ist, der Gutachter hätte neue Röntgenbilder erstellen lassen. Nur diese seien für seine Begutachtung relevant heißt es in der Begründung.

Überlege einmal wie viel Schindluder zurzeit in der Begutachtung von psychologischen Problemen getrieben wird. Wenn es aber gelingt, gerade diese Erkrankungen bildlich darzustellen, nachvollziehbar dann ist dies ein Riesenschritt in der heutigen Medizin. Dieses meine ich.

Gruß von der Seenixe
 

pussi

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hallo, seenixe

was mich bei deinem artikel bedrückt, ist, dass wir eigentlich nur noch gerätemediziner haben.
wer nicht lesen kann, kann auch keine diagnose stellen.
ergo: keine diagnose - keine behandlung.
erschreckend

mfg
pussi
 

wurzlpurzl

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Vor einigen Jahren hat man schon z.B. gewusst, dass unfallbedingte Depressionen in einem anderen Hirnareal zu sehen sind als primäre Depressionen (im alten Schleudertrauma Buch). Allerdings waren es da wieder die Amerikaner, die darüber berichteten. Aber nur das ist gut, was der Deutsche erfindet! Die Deutschen wollen ja immer das Rad neu erfinden. Von daher sehe ich da einen Lichtblick! Wenn der Stolz des deutschen Wissenschaftlers stärker ist als die Lobby der Versicherungswirtschaft. Wer weiss, vielleicht hilft es uns Unfallopfern ja!
 

maja

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Hallo Wurzejpurzel!

Nur eines-von wem meinst Du,
werden solche Projekte bezahlt?

Gruss
maja
 

wurzlpurzl

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Nicht immer werden die Projekte von den Versicherungen finanziert. Es gibt ja auch andere Forschungsgelder, die rein der Forschung dienen, Manchmal auch mit einem bestimmten Ziel, und das ist bestimmt nicht der Nachweis für Unfallopfer. Aber wenn das dann als Nebenprodukt rauskommt ist es gut.
Leider gibt es bei uns in Deutschland nicht so viel Forschungsgelder, daher wandern viele Wissenschaftler ab. Und wenn die Wirtschaft nicht wäre, gebe es noch weniger. Aber die Wirtschaft ist nicht automatisch die Versicherung oder pro Versicherung. Es gibt viele Stiftungen, von denen wir nichts wissen. Nur meistens gehen die nicht in die Medizin. Daher gibt es wahrscheinlich auch mehr Novellpreisträger in der Chemie und der Physik!
Vor vielen Jahren ist ein Bekannter von mir in die USA, als Physiker, weil er hier nicht forschen durfte. Er hat seinen Beamtenstatus aufgegeben und ist nun in USA in der Hirnforschung tätig - aber als Physiker. Durch den Kontakt wollte sich ein anderer Freund (auch Physiker) sich mit dem Thema Hirn besser beschäftigen. Aber so wie ich das mitkriege klappt das nicht so recht, da der Lehrauftrag einem Professor auch viel Zeit abverlangt. Und wenn du dann ganz allein auf weiter Flur mit dem Thema bist klappt das hier in Deutschland nicht...
Daher umso überraschender diese Mitteilung
 

maja

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Hallo Wurzlpurz!

Natürlich kommen die Gelder von den verschiedensten "Gebern".
Pharmaindustrie hat auch überall die "Finger" drin.

Ich habe eine Sendung über dieses Thema gesehen-
da wurde unter anderen auch gezeigt, wie Psychopharmaka,
auf die Nerven wirken.
Dazu ist diese Forschung sicher auch wichtig und nichts gegen die Wissenschaftler-aber Geld für umfangreichreiche Studien bekommen
sie vielleicht zuerst noch einfach nur für die Wissenschaftliche Seite von Stiftungen usw.
Dann aber kommt der Kommerz.
Ist doch toll wenn man dann mit Hilfe dieser Studie, andere Studien machen kann.
Man kann sie aber auch verfälschen.
Man kann sie auch abkürzen-weil es wird ja alles sichtbar gemacht.
Was ist dann mit Langzeitwirkungen?
Ich meine damit Medikamente.
Wird es dann auch für Untersuchungen eingesetzt bei Bewerbungen.
Kann man überhaupt objektive Ergebnisse ,mit fiktiv hergestellten Situationen,
erziehlen, wenn der Proband-genau weiss es ist nicht die Wirklichkeit?

Ich glaube eher nicht.

Gruss
maja
 

Clouwn

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Hallo
Interresant das Thema , ich denke , wie bei allen neuen med. Geräten ist erst mal alles super! Dann hat das ganze nicht gerade wenig gekostet, und die baldige Gewinnausschüttung ist bestimmt schon berechnet! Finde es geht garnicht mehr um die Kranken , Verletzten u. Angehörige usw. !
Schaue mir einige Dokus im Fernsehen darüber an ! Bin auch für Fortschritt .... aber wir bezahlen alles! Tut es uns immer gut ? Bekommt
man immer geholfen ? NICHT WIRKLICH
Lbg. clouwn :))
 

Santafee

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Hallo,

mir fehlt an solchen Studien immer die Beachtung der Individualität des Menschen... So kann man vllt. feststellen, wo bei dem Durchschnitt der Menschen das Schmerzzentrum ist... aber was ist mit den 10-xx% Menschen, bei denen das Gehirn evtl. anders aufgebaut ist?

Ich will mal an Linkshänder oder Legastheniker oder Dyskalkulie-Betroffene erinnern, deren Gehirn anders funktioniert. Dies hat man auch erst in den letzten Jahren herausgefunden... Haben die dann keine Schmerzen, wenn es nicht an der "richtigen" Stelle nachgewiesen würde?

VG Santafee
 

pussi

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@ alle

ich seh das problem in anderer richtung.
maschinen und deren anschaffungskosten sind enorm teuer.
von der gkk gibt es nur einen bestimmten teil p.m.,d.h.,
wenn der die geldleistung abgerechnet sind, kommt kein patient mehr an diese möglichkeit.
nur privat!
ein guter diagnostiker hat seine praxis geschlossen, weil er in deutschland keine chance sah, seine geräte-kredite über kassenpatienten abzuzahlen.
nur
wo gibt es so viele privatpatienten?

mfg
pussi
 

wurzlpurzl

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Ich stimme Santafee zu. Das Gehirn ist nicht bei allen gleich, vor allem auch bei Verunfallten.
Mit der Bezahlung der Geräte ist es genauso. Und hat sich ein Arzt ein teures Gerät, das erst seit neuestem entwickelt wurde, angeschafft, so bekommt er oft auch den Neid der anderen Ärzte zu spüren. Vielleicht weil sie von jeglichem Neuem nichts halten, oder weil sie sich nicht fortbilden und nichts davon gehört haben, oder wie beim PET einfach den Anderen ohne darüber nachzudenken nachreden (z.B. "ist nicht anerkannt").
Und eine gewisse Intimsphäre ist auch bei dieser technischen Einsicht in die Seele auch nicht mehr gegeben. Wenn dann noch eine Speicherung der Daten dazukommt, sind wir völlig gläsern - und das Bild, auch wenn falsch, lässt sich nicht mehr korrigieren...
 
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