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Das verschwiegene Leid.... (PtBs)

frank

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11 Okt. 2006
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Berlin
#1
Posttraumatische Belastungsstörungen zerstören auf vielfältige Art und Weise Leben.

Was man nicht sehen kann, ist erklärungsbedürftig. Eine Tatsache, die Menschen, die an einer psychischen Erkrankung leiden, rund um den Globus in quälender Regelmäßigkeit immer wieder erleben müssen. Ohne die gravierenden Probleme eines Alltags etwa mit körperlicher Behinderung relativieren zu wollen: Ein Rollstuhlfahrer muss weitaus weniger erklären. Er muss nicht erklären, wieso er die dritte Etage eines Gebäudes ohne Fahrstuhl nicht eigenständig betreten kann – und niemand wird diese Erklärung von ihm einfordern.

Psychisch erkrankte Menschen müssen in den meisten Fällen ohne diese Selbstverständlichkeit zwischenmenschlichen Anstands klarkommen: Da die soziale Umwelt ihnen ihr Leiden nicht von außen ansieht, müssen sie es in regelmäßigen Abständen wieder erklären, sich mit ihrer vermeintlichen Schwäche „outen“ und begründen, warum gerade was einfach nicht geht. In diesen Momenten werden oft Ausreden und Notlügen geboren, die die Funktion haben, gegenüber Fremden – aber auch Bekannten – nicht allzu viel von sich preisgeben zu müssen. ...
https://www.rubikon.news/artikel/das-verschwiegene-leid

Mir hat das einen (kleinen) Erkenntnisgewinn gebracht - eine Sicht auf mich selbst, meine Sichtweise, meine Aktionen und meine Reaktionen in der Interaktion mit meinen Mitmenschen.

Vielleicht bringt es dem einen oder der anderen auch was.

Macht euch keinen Stress,
frank
 

Meli

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#3
Danke für das Posten des Artikels... ich erleb das so oft, dass Leute mein Leid kleinreden, das ist echt nicht schön!

LG
Meli
 

Meli

Erfahrenes Mitglied
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4 Jan. 2011
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#4
Leider lese ich auch hier wieder hauptsächlich, dass angeblich Polizisten und Soldaten etc. besonders betroffen seien - in Wahrheit aber ist PTBS noch immer hauptsächlich eine Erkrankung von Frauen

Deshalb Erkrankung von Frauen, weil sexueller Missbrauch und Vergewaltigung bei jedem 2. Menschen - also 50% - eine PTBS auslösen, während Kriegshandlungen etc. das nicht in so hohem Maße tun. Zitat: Laut einer Studie von 2004 führen Kampfsituationen bei Soldaten zu 38,8 % zu der Ausbildung einer PTBS. Nach den Erfahrungen des Vietnamkrieges musste man mit Quoten von mehr als 30 % der Kombattanten rechnen. Zehn Jahre nach dem Beginn des Kriegs in Afghanistan und im Irak leiden unerwartet wenige amerikanische Soldaten unter PTBS. In einem Überblicksartikel von 2012 berichtet der Psychologe Richard McNally von der Harvard Medical School, dass je nach Studie 2,1 bis 13,8 % der Kriegsteilnehmer erkrankt sind. In der methodisch zuverlässigsten Studie zeigten 7,6 % der an Gefechten beteiligten Soldaten die typischen Symptome der PTBS.In einer britischen neuen Studie des King’s College in London kommt man zu dem Schluss, dass die Öffentlichkeit ein falsches Bild von den Zahlen betroffener Soldaten habe. Zwei Drittel der Befragten glaubten, dass die Posttraumatische Belastungsstörung bei Soldaten viel häufiger sei als bei Zivilpersonen. Die Wissenschaftler führen diese Wahrnehmung u. a. auf die zahlreichen Berichte über die traumatischen Belastungen bei Soldaten in den Medien zurück und auf Aktionen von Wohlfahrtsunternehmen (Charities), die die Aufmerksamkeit für die PTBS und deren Folgen erhöhen."

Quelle: Wikipedia

Ich wünschte, es gäbe mehr Bewusstsein darüber, dass es eben nicht in erster Linie eine Erkrankung von Soldaten, sondern von Frauen ist - die Soldaten machen nur gute Lobbyarbeit.
 

inlines

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#5
Ptbs

@Meli: Mit Verlaub, ich finde es ziemlich übertrieben, sich als Frau den alleinigen Opferstatus zuzusprechen. Zwar sind Frauen doppelt so häufig wie Männer von PTBS betroffen, doch liegt das wohl hauptsächlich daran, dass diese traumatische Situationen weniger gut verkraften, s. z. B. http://www.focus.de/gesundheit/ratg...tome-frauen-trifft-es-haerter_aid_326962.html. Man kann sich doch nicht zu einem Opfer stilisieren, nur weil man einem bestimmten Geschlecht angehört... Hast du mal mitbekommen wie Männer belächelt werden, wenn sie von sexuellem Missbrauch berichten? Wie sie sich schämen, weil das bei dem "starken" Geschlecht einfach nicht sein darf, während es viel mehr Verständnis für sexuell misshandelte Frauen gibt? DA liegt m. M. n. viel mehr im argen.

@frank: Als ein männlich Betroffener (ok, da ist das alles ja bloß halb so schlimm...) fand ich den Artikel durchaus lesenswert. Ich denke jedoch, dass der Rollstuhlfahrer gegenüber dem PTBS-Kranken einen großen Nachteil hat: Während der PTBS-Krank hoffen darf, die Krankheit zu überwinden, hat der Querschnittsgelämte ziemlich wenig Chancen.

FG
 

Drahtesel

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#6
@ Inlines: Meli hat lediglich geschrieben, dass Frauen häufiger betfoffen sind als Männer. Und das Verständnis für weibliche Vergewaltigungsopfer hält sich in Gerichtsverfahren oder bei der Beantragung von Leistungen nach dem OEG immer noch sehr in Grenzen. Auch Frauen haben es da nicht leicht, wenn auch unter anderen Aspekten als Männer.

Letztendlich ist PTBS für die Betroffenen, egal ob Mann oder Frau, ein extremer Einschnitt ins bisherige Leben. Damit diese Erkrankung geheilt werden kann, braucht es gute Trauma-Therapeuten. Von denen gibt es immer noch zu wenige. Und je nachdem, wie komplex das Trauma war, braucht es auch Zeit. VG Drahtesel
 
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#8
Hallo frank,

vielen Dank für den Artikel und Link.
Zum Problem kann man unendlich viel schreiben, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. der Autor des Artikels beschreibt sich selbst als Polizeiangehöriger.
Schade ist, dass auch in diesem Artikel erneut überwiegend auf "offensichtliche" Trauma"auslöser" abgestellt wird (Krieg, Vergewaltigung etc.) und nicht auf Alltäglichkeit des Phänomens z.B bei Verkehrsunfällen oder Herzinfarkten, wo der Auslöser die Konfrontation mit dem eigenen Tod ist. Diese "Nahtoderlebnisse" werden m.E. nach noch immer unterschätzt und insbesondere bei Begutachtungen, bei der die ICD 10 zugrunde gelegt wird, bewusst bereits im A-Kriterium abgewiesen.

der Autor schreibt/beschreibt das Problem des "starken" Geschlechts. Das dürfte nicht die ganze Wahrheit sein, wie ich aus meiner Erfahrung berichten darf. Das Problem nicht offen über solche Probleme innerhalb des Berufsstandes reden und sich damit ein Stück weit befreien zu können ist, dass der Dienstherr sofort bei Bekanntwerden mit der Ruhestandssetzung droht. Das ist/kann zur Existenzbedrohung werden, da je nach Dienstalter das Ruhegehalt nicht ausreicht. Wer jetzt denkt, naja, wenns doch ein Dienstunfall gewesen ist, da gibts doch Entschädigung - dreimal laut gelacht.
Ich kämpfe genau diesen Kampf gerade und es führt zu folgender aberwitziger Situation: auf der einen Seite kommt man in das Verfahren zur Feststellung der Polizei-/dienstunfähigkeit eben in Begründung mit dieser Diagnose auf der anderen Seite bekommt man genau diese Diagnose aberkannt in Anrechnung als Unfallfolge. Und genau das ist es, warum innerhalb meines Berufsstandes man eben nicht reden kann, was helfen würde, dass das Problem gar nicht erst entsteht!
Und diese dahinterstehende komplexe Problematik in Verbindung damit, dass andere mit dem Phänomen und dem davon Betroffenen nicht umgehen können, ist der eigentliche Casus Knacksus.
Für den eigenen Rückzug muss man auch nicht sorgen, das geschieht durch Ausgrenzung u.a. Methoden wegen "Anderssein" von allein, weil andere es eben nicht verstehen, wenn sie es nicht erlebt haben. (s. auch mein eigenes Thema zum Problem Verkehrsunfall/Dienstunfall/Mehrfachschädigung/...)
 
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