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Aufgeben oder weiterkämpfen nach 25 Jahren? Das Leben ist doch kurz.....

uo93

Mitglied
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11 Okt. 2006
Beiträge
30
#1
Liebe Leidensgenossen, Mitstreiter und Kampfesmutigen,

ich möchte mal eine Sache zur Diskussion stellen, die sicherlich viele Unfallopfer mit jahrelangem Rechtsstreit betrifft:
Aufgeben oder weitermachen?

Kurz zu mir: Mein Unfall hat dieses Jahr 25 jähriges "Jubiläum" und ich kämpfe nachwievor um Behandlungen und einen langersehnten Abschluss mit der gegnerischen Versicherung!
In den vielen Jahren habe ich den Glauben an Gerechtigkeit, die Perspektive auf Behandlung und die Aussicht auf einen fairen Abschluss verloren. Ich habe das Gefühl, fremdbestimmt und ausgeliefert zu sein, in einem System, was auf Verzögerung und Zermürbung aufgebaut ist und so mächtig, dass ich eigentlich nur verlieren kann. Oder ernsthaft krank werde oder schlimmeres....
Und so gehen mittlerweile Jahre ins Land, in denen ich schlechter versorgt bin als jeder Kassenpatient, gesundheitliche `Zustände` aufrechterhalten bleiben müssen, damit irgendein versicherungsfreundlicher Gutachter diesen bewerten kann und die Gesundheit dadurch weiter leidet.

Und last but not least: Wie soll man zur Ruhe kommen und sich eine Verarbeitung einstellen, wenn man immer wieder mit dem Ereignis konfrontiert wird? Täglich durch Schmerzen und fehlenden Behandlungen und in regelmässigen Abständen rechtlich, um die Angelegenheit voranzutreiben.
Nach vielen Enttäuschungen aus ärztlicher und rechtlicher Sicht bin ich tief frustriert und mir geht die Kraft aus.
Mein gesamtes Leben (Beruf, Familie, Freunde, Freizeit...) hat darunter sehr gelitten oder geht vielleicht daran kaputt.
Soviel erstmal zu meiner Situation.

Nun stelle ich mir langsam die Frage, wofür ich all diese Kraft noch aufbringe? Wofür kämpfe ich eigentlich noch?
Wäre es nicht "einfacher/sinnvoller", dem ganzen System den Rücken zuzuwenden, einen Kredit aufzunehmen und für die Kosten selbst aufzukommen? Selbstbestimmt Ärzte und Methoden auszuwählen, ohne sich rechtlich darüber auseinandersetzen zu müssen.
Wieder Selbstbestimmt leben zu können und endlich die Möglichkeit erhalten, zur Ruhe zu kommen und all den erlebten Wahnsinn zu verarbeiten.

Und so verändern sich die Maxime einer erschöpften Idealistin und es gesellt sich die Frage in den Raum: Aufgeben oder weitermachen?

Wie seht ihr das? Wer ist schonmal an diesem Punkt gewesen? Oder wer ist diesen Schritt vielleicht schon gegangen?

Ich wäre unglaublich dankbar über Rückmeldungen und Erfahrungsaustausch!

lieben Gruß *uo93*
 
Zuletzt bearbeitet:

Rekobär

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#2
Hallo uo93,

Du bist nicht die einzige, die solange kämpft. Ja, es ist die typische Verzögerungstaktik der Versicherer, auch im Gerichtsverfahren, die Entschädigung entweder ganz abzuwehren und wenn dies nicht möglich ist, dann möglichst solange heraus ziehen, dass sich das Problem auf biologischen Wege erledigt.

Um Dir einen nützlichen Ratschlag geben zu können, wäre es interessant zu erfahren, wie weit der Stand überhaupt ist. Gab es einen Vergleichsvorschlag. oder schätzt die gegnerische Versicherung des Prozessrisiko für sich sehr gering ein (merkt man daran, dass die Beklagte auf die Abweisung der Klage ständig beharrt)…..

Herzliche Grüße vom RekoBär :)
 

trus25

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#3
Hallo uo93,

Mein Unfall war 1986. Bis heute habe ich nichts bei der gegnerischen Versicherung erreicht. Seit 1998 gibt es ein Feststellungsurteil, das alle Materiellen Schäden zuspricht.
Auch ich habe mit Schmerzen und Gesundheitliche Problemen zu kämpfen und denke manchmal, ob es sich lohnt weiter zu machen. Vor allem, weil der Stress sehr groß ist.
Ich versuche mit atugenestraining den Stress abzubauen und mich auf wesentliche zu konzentrieren.
Ich möchte nicht aufgeben und ich glaube es lohnt sich, dass man für sein Recht kämpft.

Herzliche Grüße
Trus25
 

Scheitholz

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#4
Hallo Uo93,

auch ich kämpfe mit der generischen Versicherung. Zwar erst ein 10tel Deiner Zeit aber mit der Gewissheit, dass es dauern wird. Ich kann Deine Fragestellung schon jetzt nachvollziehen. Aber ich muss sagen, dass es ja eigentlich genau das ist, was die Versicherungen wollen: Uns weichkochen.
Es ist schwierig, die Balance zwischen der eigenen inneren Ruhe und dem Kapf zu finden. Ob sich die innere Ruhe einstellen wird, wenn Du den Kampf aufgibst, kann Dir auch keiner garantieren. Deshalb höre auf Dich selber. Treffe die Entscheidung nicht von jetzt auf gleich. Nach so langer Zeit ist dieser Kampf und das ganze Geschehen ist ein Teil von Dir geworden. Natürlich hat es auch Dein Umfeld beeinflusst. Aber das hätte vielleicht ein Jobwechsel in eine andere Stadt auch getan. Dein altes Leben wirst Du so oder so nicht zurück bekommen.
Das Vorgehen von Trus25 finde ich gut. Wir dürfen uns nicht nur mit dem Ereignis auseinander setzen, sondern es sollte uns wenn möglich nur am Rande begleiten. Ansonsten köchelt es wie eine gute Bolognese vor sich hin und wird ab und an mal umgerührt.

Gruss
Scheitholz
 

ptpspmb

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#5
Hallo uo93,

Zitat von dir:
In den vielen Jahren habe ich den Glauben an Gerechtigkeit, die Perspektive auf Behandlung und die Aussicht auf einen fairen Abschluss verloren. Ich habe das Gefühl, fremdbestimmt und ausgeliefert zu sein, in einem System, was auf Verzögerung und Zermürbung aufgebaut ist und so mächtig, dass ich eigentlich nur verlieren kann. Oder ernsthaft krank werde oder schlimmeres....
Und so gehen mittlerweile Jahre ins Land, in denen ich schlechter versorgt bin als jeder Kassenpatient, gesundheitliche `Zustände` aufrechterhalten bleiben müssen, damit irgendein versicherungsfreundlicher Gutachter diesen bewerten kann und die Gesundheit dadurch weiter leidet.
Zitat Ende


Das hat mich doch sehr berührt!
Deinen Worten kann ich nichts hinzu fügen, weil es leider die Wahrheit ist!
Eigentlich hat man schon verloren, wenn man in einen Unfall verwickelt wird, Leider!
Es ist doch schon eine Unverschämtheit einem Geschädigten gegenüber, wenn das zuständige Gericht in der heutigen Zeit den Stevens als GA benennt!
Wo soll da Bitteschön die Gerechtigkeit ihr Ziel finden?
Solche Beispiele gibt es noch viele hier in unserem doch so gepriesenen "Demokratischen Deutschland"!
 
Zuletzt bearbeitet:

Rudinchen

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#6
Hallo,

Ich kann das alles gut nachvollziehen und verstehe dich ganz und gar. Das Ganze ist zermürbend.

Nur was ich nicht verstehe: dir könnte medizinisch geholfen werden, aber du lehnt die Behandlungen ab, damit du - nach so langer Zeit - deine Unfall bedingten Schäden noch nachweisen kannst? Habe ich dich da richtig verstanden?

Das würde ich noch mal überdenken. Denn egal, was dir gesundheitlich zu einer Verbesserung deiner Situation führt, würde ich machen lassen. Dazu wird doch alles dokumentiert vom Arzt und muss nachvollziehbar sein?!

Ich wünsche dir viel Kraft und möchte dir auch ein wenig Mut machen: das Meiste müsstest du doch hinter dir haben!

Viele Grüße,

Rudinchen
 

Tina79

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Beiträge
150
#7
Hallo uo93,
@All,

Deinen Worten, Empfindungen ist nichts mehr hinzu zufügen.. vlt noch, dass ich, zum Bsp, von Tag zu Tag lebe.
Heute geht es körperlich was besser, wie die letzte Zeit. Ich habe just gerade eben, einen Kaffee, die Sonne, mit/an der frischen Luft auf dem Balkon sitzend, genießen können.
Aktuell,seit einiger Zeit vielmehr, hab ich mir zur Aufgabe gemacht, von Tag zu Tag zu leben. DieAugenblicke, soweit es mir moglich ist. und ich glaube, ich hab's erst jetzt 'geschnallt '
Ich hab Wörter, Sprache und den umgang ,nicht zuletzt mit mir selbst ,ein wenig verändert.
Das wort 'muss' zb, hab ich gelöschtquasi. Ersetzt mit möchte, oder kann.
aufgrund allem, Realität, Kampf?! Demokratie...(wo ist der affe der sich die augen zuhält) Welt, Wirtschaft. Im Sinne der Wirtschaft... Gesellschaft?! uns selbst!
Ich weiß es nicht. Wir haben doch nur die Chance, unser leben,mit allem was dazu gehört anzunehmen, und das beste irgendwie daraus zu machen. Wir, ich hab viel an mir zb beobachtet. Ich weiß mittlerweile mich gut einzuschätzen. der Vorhang fällt schnell. Ich benötige viel Zeit für x..im Vergleich frustrierend?! Nein, froh überhaupt wieder. Und viel Ruhe... und nich zu viel auf einmal. Auch wenn man nicht alles abstellen kann. Tagesform, Fassung, uhr/Zeit auch inkl. Schnell erschöpft, überfordert und durcheinander.... das alles, und nochwas... gehört zu mir. Das bin ich, geworden, und wieder!
Dafür und für viele momente alltäglich bin ich wahrlich dankbar!
Und auch wenn ich, nun wieder einen abriss bekomme so isses mir hier an dieser stelle fast "egal"???

Liebe Leute,
wir geben nicht auf. wir setzen Prioritäten. alltäglich. Und wir richten uns auf, wenn wir dazu in der Lage sind. Und wenn aktuell, nicht, dann isses so. Dann sollten, müssen (da ist es wieder!), können.... wir uns ausruhen. Um wieder zu Kräften zu kommen und anschließend "weiter" zu machen. Wir können Kontakte, hilfen aufsuchen, uns austauschen, und begleiten lassen. (Das nehme/n wir/ich zumindest, im Heute gerne an.)
Weil man/ich...du...er ,Sie ,es...nicht alles wissen zb kann, können. Ferner weil es gut tut.... und KRAFT gibt. (Danke!)
Und Möglichkeiten tatsächlich gibt. Auch gegen die schmerzen... es gibt Möglichkeiten und Fachleute dafür. Bsp. Osteopathie. Physio. Pp.
Auch, wenn es hart ist ,nebenbei, müssen (!), dürfen wir nicht aufgeben. Immer wieder. Vlt schafft unser "aufstand" was, etwas... für die folgenden. Es kann doch wohl nicht sein?!
Danke+Gruss

Auch wennich nicht weiß, wie es weitergehen soll. ich bin auch müde, traurig, und Kämpfe im Alltag, Tag für Tag mit mir, den Folgen daraus. Wie wir alle. Die Wut, der Zorn, ist weg bei mir. das bringt mich nicht weiter. Ist auch rum. Sollte, hab ich mir sagen lassen, wäre wichtig... und wir haben, ich habe jetzt eine andere Zeit, und bin aktuell echt zufrieden. Wo ich heute steh, im Vergleich zu vor ein paar Jahren. Das aktuell ist schon mehr, wie ich jemals für möglich gehalten hätte. Von daher...
Realität, und Bewusstsein, und Müdigkeit aktuell. Ich lebe mein leben, soweit es mir moglich ist.
Mein Unfall liegt22 J. zurück. Im moment Kämpfe ich gegen die kk, die sich jeden cent wiederholt bei der gegn. VS. Diemir aberden rehasport aufeinmal gestrichen hat, nach genehmigung der 120 Einheiten .... summasumarum und monatelang schriftverkehr...versuchten Sie mich zu pressen, die b innen im Zeitraum von 50 einh. Zu absolvieren...lange Rede kurzer Sinn und hinbekommen, Korrektur (die zweite von denen),120 einh. Binnen36 Monaten. Versuchen tun die es immer. Und alle da draußen. unternehmen. Nur zb das.
Mir geht es wie, uns allen. In unterschiedlicher Form und Weise klar.
Seit ein paar Monaten ersuche ich die um befreiung der Zuzahlung. Bislang zwei Ablehnungen. Obwohl die Auslagen mit dem brutto-rente, im Jahr überhaupt nicht zusammenpasst. Versuchen tun sie s....und rechnen mit noch nicht mal der Hälfte etc pp.da ist das letzte Wort auch noch nicht gesprochen. Egal, ich werde Schreiben.....
Ich weiß auch nicht wie ich das alles bezahlen soll. Die gegen.vs hat alle erstattungen seit 2014eingestellt, und rührt sich nicht mehr....
Die schreib ich alsbald nochmal an, freundliche erinnerung, und so.
Andere Ämter, dasselbe wie bei allen. Alles im Sinne der Wirtschaft. Und alles, nicht gerade für uns Die Damit leben, müssen. und wieder das Wort.

Tut Euch was gutes, soweit. Nicht aufgeben! Prios setzen

Ganz lieben Gruss,
Tina
 
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hella

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#8
Hallo!
Ich bin erst im 5. Jahr. Und vermutlich ein Weichei. Ich war schon 2x kurz davor alles hinzuschmeißen, weil ich nicht mehr konnte. Ich habe nicht nur die Unfallfolgen, die immer wieder extrem hoch kochen, dafür sorgt meine BG zuverlässig...ich habe auch den Glauben an den Rechtsstaat verloren. Von meinem alten Leben ist nicht viel übrig. Ich baue mir sehr mühsam ein anderes zusammen, aber das ist fragil. Es ist fragil, weil nichts mehr sicher ist. Ich verlasse mich auf nichts mehr.
Wenn man mutiger und überaus geduldiger Mann nicht wäre, der immer wieder sagt, dass wir nicht zur Ruhe kommen werden, wenn wir nicht wenigstens gekämpft haben. Manchmal soll ich mir vorstellen, wie mein Sachbarbeiter strahlen würde, schmisse ich hin.
Ich kämpfe weiter. Aber ich bin auch erst im 5. Jahr. Und mein Partner kämpft mit mir. Und hauptsächlich versuchen wir zu leben. Irgendwie. Wir suchen Nischen, die uns bleiben. Allein hätte ich alles aufgegeben. Wäre ich jünger, ich würde dieses Land verlassen.
Kopf hoch, wer mutlos wird. Und Nischen können sich gemütlich sein.
Eure Hella
 
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