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Assistenzhund

hella

Erfahrenes Mitglied
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25 Juni 2014
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364
#1
Gesundes Neues an alle!
Wer von PTBS-Betroffenen hat schon einmal über einen Assistenzhund nachgedacht? Wer hat vielleicht sogar einen?
Für mich würde ein solcher einige Schwierigkeiten erheblich reduzieren, einiges überhaupt auch wieder möglich machen.
Ja, ich bin in Therapie und in fachärztlicher Behandlung. Es wird immer klarer, dass aufgrund einer doofen Verkettung dem Therapieerfolg Grenzen gesetzt sind. Das klingt auch wieder falsch. Dass es nicht schlimmer wird, ist ja auch ein Erfolg. Aber das Grundproblem bekommen wir vermutlich nicht gelöst, obwohl ich wirklich bei einer ganz renommierten Therapeutin bin.
Ich bin von mir und meinen Einschränkungen inzwischen oft maximal genervt und möchte nicht immer abhängig sein von anderen.
Die Idee Assistenzhund kommt immer mal wieder hoch. Allerdings bin ich da ambivalent. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ich regelmäßig das Optimum für den Hund gewährleisten kann. Und von den Kosten für Anschaffung und Unterhaltung mal ganz zu schweigen. Das wird wohl nicht meine BG zahlen. Die erkennen ja nicht mal die gutachterliche MDE an. Denen geht es, so leider inzwischen meine Überzeugung, kein bisschen darum, die Folgen für mich aushaltbar zu machen. Die haben andere Oberziele. Also brauch ich da nicht kommen mit solchen exotischen Plänen.
Liebe Grüße und auf ein besseres 2018
 

Rehaschreck

Erfahrenes Mitglied
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#2
Hallo Hella, dass Assistenzhunde bei schwersten Körperbehinderungen zum Einsatz kommen, ist hinlänglich bekannt. Wie aber sollte Dir ein solcher Hund bei einer Ptbs behilflich sein? Gesundes neues Jahr. Gruß Rehaschreck
 

Drahtesel

Erfahrenes Mitglied
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18 Nov. 2010
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294
#3
Hallo Hella,

ich spiele hin und wieder mit dem Gedanken, kann aber in meiner aktuellen Lebensphase nicht gewährleisten, gut für einen Hund zu sorgen. Ich habe derzeit einen Job, der mich überfordert (sowohl in Hinsicht auf den zeitlichen Umfang als auch auf die personellen Rahmenbedingungen). Ich geb dem ganzen noch insofern eine Chance, dass ich in 5 Wochen den Arbeitgeber wechsle und sich zumindest ein Teil der Rahmenbedingungen verbessern wird. Wenn sich an den Überlastungsgefühlen nichts ändert, muss ich mir etwas anderes überlegen. Ich schaffe meinen Alltag allerdings soweit, dass ich jetzt keinen Assistenzhund brauche.

Eine Freundin mit vermutlich nicht offiziell diagnostizierter PTBS hat ein Jahr einen Junghund betreut, der anschließend die Ausbildung zum Therapiehund gemacht hat. SIe fand es sehr bereichernd, war aber in manchen Situationen überfordert. Ich weiß aus einem anderen Forum von mehreren Frauen, dass sie dank ihrer Hunde (die allerdings keine Therapieausbildung haben) viel Stabilität und Trost erfahren.

@Reha-Schreck: Es gibt mittlerweile Assistenzhunde, die speziell für die Bedürfnisse von PTBS-Betroffenen ausgebildet werden. Sie vermitteln z.B. Sicherheit in Situationen, die für die Betroffenen bedrohlich wirken, ohne das subjektiv eine Bedrohung vorliegt. Sie können dabei unterstützen, aus einem Flashback wieder schnell in die Realität zurückzufinden.

VG Drahtesel
 

Rehaschreck

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8 Juli 2012
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1,037
#4
Sehr interessant, dass es dies nun auch für psychisch Erkrankte gibt. Aus meiner Sicht müsste dann auch die BG für die entsprechenden Anschaffungs- u. Unterhaltskosten aufkommen, denn immerhin ist sie ja gehalten mit allen geeigneten Mitteln für eine Besserung des Unfallfolgezustands aufzukommen. Gruß Rehaschreck
 

hella

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#5
Ihr Lieben,
ein ausgebildeter PTBS-Hund kann eine ganze Menge.
Er weckt nachts aus den Alpträumen und verlangt danach noch kurz gestreichelt zu werden, wodurch sich die Panik runterfährt. Er sorgt draußen freundlich, aber bestimmt dafür, dass Leute Abstand halten, besonders hinter einem sichert er einen Mindestabstand. Er geht voran in Räume und checkt, ob alles okay ist. Und, was ich sensationell finde, er bemerkt Dissoziationen und führt dann zum letzten sicheren oder eintrainierten Ort zurück. Das bemerken sie irgendwie über den Geruch...letzteres ist natürlich der Oberhammer. Wer davon betroffen ist, weiß was ich meine...
 

Rudinchen

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2,054
#6
Hallo Hella,

hatte einen Bericht über diese Hunde aus Amerika gesehen, wo ein Hund einem Kind mit Panikattacken sehr geholfen hat. Inzwischen gibt es auch eine Webseite in Deutschland (vielleicht auch mehr):

Deutsches Assistenzhundezentrum - PTBS-Assistenzhund

Wissenschaftliche Studien zu PTBS-Assistenzhunden
Von 2010-2012 hat das Deutsche Assistenzhunde-Zentrum eine Studie durchgeführt über den Nutzen von PTBS-Assistenzhunden. Im Rahmen der Studie wurden 15 Halter von PTBS-Assistenzhunden befragt. Alle Halter gaben an, dass sich die Lebensqualität durch den PTBS-Assistenzhund verbessert hat. Vier der Studienteilnehmer haben vor dem PTBS-Assistenzhund seit einigen Monaten bis zu zwei Jahren die Wohnung nicht mehr verlassen und gaben an, durch den Assistenzhund wieder täglich nach draußen zu gehen und auch wieder einkaufen gehen zu können. Bei allen Betroffenen verringerten sich die Angstzustände, Dissoziationen und Flashbacks.

Voraussetzungen für einen PTBS-Assistenzhund
  • Sie leiden unter einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung und haben bereits eine Psychotherapie absolviert oder befinden sich aktuell in psychotherapeutischer Behandlung. Durch die PTBS sind Sie im Alltag in mehreren Bereichen stark eingeschränkt.
  • Sie verfügen über ein Unterstützernetzwerk, so dass auch in einer Krise die Versorgung des Hundes gewährleistet wäre.
  • Wenn Sie über keine Angehörigen verfügen, können Sie an der kostenlosen Notfall Hotline des Deutschen Assistenzhunde-Zentrums teilnehmen, um die Versorgung Ihres Hundes während eines Notfalls sicher zu stellen.

Vielleicht kannst du dich ja mal dorthin wenden und dich beraten lassen - dort werden deine Fragen sicher kompetenter beantwortet als von uns allen hier, die noch nie einen Assistenzhund hatten.

Dort bekommst du vielleicht auch Unterstützung, wie man den Hund bei der Krankenkasse/BG beantragt.

Viele Grüße

Rudinchen
 

Kasandra

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#7
Hallo Hella,

hast Du schon bislang Erfahrung mit anderen Tieren?

Und wärst Du auch einverstanden, dass ein Hund mit Dir im Schlafzimmer ist?

Ich bin absolut tierlieb, habe auch Haustier, aber bei mir im Schlafzimmer hat kein Tier etwas zu suchen!

Haare und natürlich sind die Tiere auch "Freigänger". Ich will mir keine Zecke und damit verbundene Krankheiten im Bett u. Schlafzimmer einfangen!

Könnte mit shit happens der nächste Krieg mit der BG sein. Zeckeninfektion durch Therapiehund sponsert by BG.

Ich weiß nichts über Deine Wohnverhältnisse. Lebst Du zur Miete und ist Hundehaltung erlaubt?

Hast Du ein Eigenheim. Wie kann sich der Hund ausleben? Bekommt er genug Auslauf?

Darfst Du den Hund mit an die Arbeit nehmen, damit Du in der Frühstücks- u. Mittagspause Deinem Tier entsprechend gerecht wirst?

Morgens vor die Haustür und nach Feierabend für Pippi & Kacki ist Tierquälerei. Hast Du genügend Freizeit das Tier auszulasten?

Viele Grüße

Kasadra
 

hella

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364
#8
Hallo Rudinchen!
Danke für den Link.
Hallo Kasadra!
Ja, ich hatte schon mal einen Hund, auch im Schlafzimmer .
Ich wohne auch sehr hundefreundlich. Durch das Trauma bin ich so beeinträchtigt, dass ich nicht mehr erwerbsfähig bin und leider gehe ich allein auch nur sehr selten raus, denn das birgt erhebliche Probleme. Ich bin also zu Hause. In Krisen allerdings....muss das Tier auch versorgt sein....und wenn man so schon wenig Alltag schafft, ich weiß, dass es auch mehr Hausarbeit bedeutet. Ich sag ja ambivalent. Aber ich erinnere mich auch an all die schönen Momente und ein Assistenzhund brächte zusätzlich etwas Freiheit mit. Eine Freiheit, die ich sehr vermisse.
 

HWS-Schaden

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Bei den Stadtmusikanten
#9
Hallo hella,

in Bremen gab es relativ aktuell einen Fall, einen "Kampf", einer Frau mit Assistenzhund. Du findest im www dazu mehr als Hundetrainerin über den Stellenwert von Assistenzhunden - Nachrichten aus Bremen - WESER-KURIER . Der Artikel zeigt auf, dass du schauen solltest, wie es länderrechtlich geregelt ist und ob deine Bedürfnisse in deinem BL durch einen Assistenzhund annähernd erfüllt werden können.

Sollte die Prüfung positiv ausfallen, müsste im nächsten Schritt geschaut werden, wo ein/e geeignete/r Trauner/in zu finden ist. Du suchst ein spezialisiertes, speziell geeignetes und trainiertes Tier. Das muss kein Hund, kann beispielsweise auch ein Pony sein.
Ich habe eine sehbehinderte Freundin mit Blindenführhund und dadurch partiell Einblick in die Spezialisierung, die dahinter steckt. Respekt.
Übereile nichts. Deinen Gedanken, dir so eine Stütze und Unterstützung plus Lebensfreude zu suchen, finde ich richtig. Du lebst nicht alleine. Ein Tier bedeutet viel Hinwendung, Zeit, Arbeit, auch Dreck .... all das muss leistbar sein. Die Entscheidung ist eine Verantwortung, da du das weißt, bist du "ambivalent".

Solltest du dich für einen Hund entscheiden, kenne ich eine Trainerin in der Nähe von HH und du kannst dich melden.
Die richtige Wahl einer/s darauf spezialisierten Trainerin/s ist jedenfalls wesentlich für deine Überlegungen.
Ich würde versuchen, darauf spezialisierte Fachkreise in der Region zu finden; evtl. kann die Therapeutin dabei weiterhelfen.
Regional kann gut sein, denn das Training findet z.T. bei dir, spezialisiert auf deine Bedürfnisse statt. Bei Eingewöhnungsschwierigkeiten ist örtl. Nähe ein Vorteil.

LG
 
Zuletzt bearbeitet:

Rudinchen

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#10
Hallo,

ich denke, wenn das "Herrchen" wg. Krankheit ausfällt ist es gut, wenn man vorher einen Unterstüterkreis aus Freunden, Familienangehörigen usw. aufgebaut hat, also eine bekannte Person, die den Hund im Notfall nehmen kann und die der Hund auch bereits kennt.

Evlt. ist es auch möglich, einen solchen Unterstützerkreis mit einer Selbthilfevereinigung oder in Absprache mit einem ortsansässigen Tierheim/Naturschutzbund zu organisieren, dem man vorab die Situation schildert. Es gibt dort ja auch immer Privatpersonen, die bereit sind, ein "Notfellchen" zu übernehmen. Wenn sich dort vorher abspricht, lässt sich sicher was arrangieren. Wichtig ist halt, dass die Betreffenden begreifen, um was es geht und wissen, dass der Hund nciht einfach abgeschoben werden soll.

Die Krankenkassen übernehmen die Finanzierung wohl eher nicht:

Wie kann ich einen Assistenzhund finanzieren?

Die Krankenkassen übernehmen bisher nur die Kosten für Blindenführhunde.
Interessenten mit PTBS können unter Umständen Unterstützung bei der Finanzierung über den Fonds Sexueller Missbrauch der Bundesregierung bekommen oder über den Weißen Ring. Wir empfehlen in jedem Fall die Absprache mit dem behandelnden Therapeuten.
Auch eine Finanzierung der Trainingssstunden über das Persönliche Budget ist in einigen Fällen möglich.


FAQ | Assistenzhunde fürs Leben - Das Assistenzhundezentrum in Deutschland

Aber wie man sieht, führen verschiedene Wege zum Hund - wenn man sich dann definitiv für einen entschieden hat. ...


Ich wünsche dir viele gute Gedanken und Ideen bei der Entscheidung für oder gegen einen Hund - es soll dabei ja Hund und Herrchen gutgehen. Und ich finde es toll, dass du dir vorab so viele Gedanken machst. Dann kommt sicher auch hinterher die richtige Entscheidung raus!

Viele Grüße

Rudinchen
 
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