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Verkehrsunfall mit Personenschaden Diskussionen zum Thema Verkehrsunfall mit Personenschaden. Die Beiträge stellen die Meinung des Autors/in dar und werden von ihm/ihr verantwortet.

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  #11  
Alt 23.07.2013, 14:07
DieHard DieHard ist offline
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Zitat:
Zitat von Sepp20042011 Beitrag anzeigen
Hallo DH

Ich habe gerade einen Anruf meiner Anwältin bekommen und es scheint als ob jetzt Bewegung ins Spiel kommt . Bis Ende nächster Woche will die gegnerische Versicherung auf alle Forderungen eingehen , Stellung nehmen und versuchen eine Aussergerichtliche Einigung zu erzielen . ...


Hallo Sepp,
ich helfe gern wenn sich jemand helfen lässt.

Übrigens Bewegung ist gut, aber auch die Richtung ist entscheidend, bzw. gerade die.
Versicherungen werfen gerne Nebelkerzen so dass oft schwierig zu erkennen ist in welche Richtung sie sich wirklich bewegen.

Also aufpassen und notfalls Abstand halten damit man nicht unter die Räder kommt.

Wünsche viel Erfolg!

VG DH
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  #12  
Alt 23.07.2013, 16:52
Isländer Isländer ist offline
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Beiträge: 1.320
Grüß Dich, Sepp,

zu Deiner Frage: Soll das nicht das Gericht klären?

01
Wir wollen doch ins Schwarze treffen. Da musst Du aber zielen. Wie soll das gehen, wenn Du noch klar nicht klar siehst?

02
Es liegen ganz unterschiedliche Aussagen vor: 100 % MdE und 40 % MdE.

(a)
Es hat keinen Zweck, die Aussagen mit den 40 % MdE zu verschweigen. Das kommt auf.

(b)
Welche der beiden Einschätzungen stimmt? Das müssen wir vor der Klage klären.

(ba) Stimmen die 40 %, dann klagt man nicht auf 100 %. Da mache wir uns unseriös. Tut man's und man verliert entsprechend, bleibst Du auf Prozesskosten sitzen, wenn Du nicht rechtsschutzversichert bist.

(bb) Klagt man auf 40 %, obwohl 100 % stimmen, dann bekommt man viel zu wenig.

(bc) Und wie bekommt man raus, was eher stimmt? Nun: Der Isländer hat Bücher. Die Grundlage ist aber die VersorgungsmedizinVO, dort gibt es eine Anlage, und die enthält im Grobraster Einschätzungsempfehlungen. In der Regel kann man sagen:

Hat man eine ausreichend genaues Schilderung der Leiden

und

die VersorgungsmedizinVO

dann

kommt man damit in 4 von 5 Fällen schon zu einer ordentlichen Grundlage.

(c) Und wenn nicht?

Dann benutzt man das sogenannte selbständige Beweisverfahren, von dem Die Hard gesprochen hat (Danke, DieHard). Denn da darfst Du risikolos tun, was Du sonst nicht darfst: Nämlich Schadensumfang ausforschen. Es gibt also schon Schlupflöcher.


ISLÄNDER
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  #13  
Alt 23.07.2013, 17:19
Sepp20042011 Sepp20042011 ist offline
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Hallo Isländer
Das mit den verschiedenen MdE ist richtig . Es ghet aber mehr in die Richtung 100 % . Das wurde auch schon mit der Versicherung besprochen . Auch die haben eingesehen dass 4 Ärtze der gleichen Prognose sind und es dementsprechen nicht bei den 40 % bleiben kann.
Man will sich Aussergerichtlich einigen . Mal schaun was die Versicherung anbietet . Es wird sich eine Lösung finden. Bis jetzt schon mal ein großes Dankeschön an Dich Isländer und an DH für eure Posts und Anregungen .
Viele Grüße Sepp
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  #14  
Alt 24.07.2013, 07:09
Isländer Isländer ist offline
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Ort: Bayern
Beiträge: 1.320
Grüß Dich, Sepp,

tut mir leid, dass ich die nächsten Sorgen machen muss, aber: Pass bloß auf mit der Abfinderei!

Gerne wird der Versicherer auf Deinen Wunsch eingehen. Er wird vorschlagen:

(a)
3,5 - 4,5 % Abzinsung


(Abzinsung berücksichtigt, dass Du das Geld im Lauf von Jahren allmählich verbrauchst. Was Du heute nicht brauchst, kannst Du anlagen, da gibt's Zinsen dafür. Damit Du nicht zuviel bekommst, bekommst Du weniger Kapital, gerade so viel, dass es zusammen mit den Zinserträgen gerade ausreicht. Das nennt man Abzinsung)

Wenn Du im Ergebnis 3,5 % Zins haben willst, brauchst Du mehr: Mindestens 4,67 %. Denn von den Zinsen, die man Dir in der Bank nennt, geht die Zinsabschlagsteuer (= 25 % des Zinsertrages) weg. Um 3,5 % zu bekommen, brauchst Du 4,67 %.
Geldanlagen mit 4,67 ? Die gibt's. Willst Du die sicheren Cypernanleihen, die guten Griechenlandbonds oder doch lieber auf Italien setzen, 2 Stufen über Ramsch?

Die Lebensversicherer müssen mindestens 1,75 % Garantiezinsen zahlen, die stehen beim Bundesfinanzminister Schlange und jammern, sie könnten das mit seriösen Anlagen nicht herbringen. Aber Du sollst als kleiner Bürger 4,67 % herbringen, mehr als das Doppelte!

Und denk ja nicht, "oooch, die paar Prozentchen!"

Um monatlich 25 Jahre lang eine Rente mit 1.000,00 Euro zu zahlen, brauchst Du bei:

Abzinsung 3,5 %: 197.000,00 Euro
Abzinsung 2,0 %: 226.920,00 Euro. Also 15,2 % mehr.
Abzinsung 1,5 %: 248.640,00 Euro. Das sind 26,21 % mehr.


(b)
Fiktive Lohnentwicklung - Auch da denkt mancher: Die paar Prozent. Aber das stimmt nicht, wegen des Lawineneffektes. Nehmen wir eine Lohnentwicklung von +2,5 % pro Jahr an. Nach 10 Jahren bräuchtest Du, um Schritt zu halten, ein Plus von 28 %. Doch nach 20 Jahren brauchst Du ein Plus von 63,8 %, nach 25 Jahren eines von 85,4 %.

(c)
Noch fürchterlicher schauts aus, wenn Du den Fehler (a) und den Fehler (b) kombinierst. Dann hast Du nach 25 Jahren statt monatlich netto 1.500,00 Euro Kaufkraft nur noch 597,00 Euro: Da kannst Du Sozialhilfe beantragen. Und hast Zeit, Dich zu fragen, wie Du nur damals so......mehr sag ich nicht!

Da ist es gescheiter, den Kampf durchzustehen!

(d)
Dabei ist das nicht alles. Wenn Du Verdienstentgang netto abfinden lässt, dann kommt das ganze Geld in einem einzigen Jahr. Und da musst Du es versteuern: Einkommenssteuer! Zwar fällt das unter eine besondere Steuerregel ("Abfindungsbesteuerung"), aber - Wenn Du 500.000,00 Euro bekommst, dann steht das Finanzamt auf der Matte und will ganz flockig beiläufig von Dir eine 6-stellige Steuerzahlung haben.

Denk Dir nix! Denn wie eben dargestellt, bekommst Du einen Teil wieder raus. In Form von Sozialhilfe, wie geschildert. ("Boshaft" nennt mich die Menschheit vorzugsweise dann, wenn ich mal wieder besonders wahrheitsliebend gewesen bin!)


(e)
Vor einigen Jahren in einem Landgericht: Der Versicherer hat Abfindung 450.000,00 Euro angeboten.
Gericht zum Kläger, ganz entzückt: "Oh, das ist doch ganz ansehnlich, das sollten Sie sich aber gut überlegen!".
Reaktion Kläger: "Sind denn neuerdings die Finanzämter abgeschafft? Wenn das bezahlt wird, muss es versteuert werden: Da sind dann weit über 100.000 Euro weg!"

Esw war aber noch ein Punkt da. Der Versicherer wollte den Verdienstentgang bis zum 67. Lebensjahr zahlen und sagte: "Ab da ist der Geschädigte in Rente. Die Ansprüche auf Erstattung entgangener Rentenversicherungsbeiträge sind schon am Unfalltag auf den Rentenversicherer übergegangen, das geht Sie nichts an (§ 116 SGB X)".

Nun, das stimmt OFT. Aber nicht immer! Der Verunglückte war im Augenblick des Unfalles gar nicht Arbeitnehmer, sondern Student. Da gilt der § 116 SGB X nicht. Folge? Wäre er darauf reingefallen, hätte der Mann jetzt keine Altersvorsorge.

Wie seriös das Angebot mit den 450.000,00 Euro war, sah man kurz danach. Der Versicherer erhöhte es um knapp 300.000 Euro. Das war aber auch zu wenig. Wie einige Zeit später ein Urteil bewies...


(f)
Ich sag's ja: Kapitalisierung: Gefährlich wie die Klapperschlange!

(g)
Nicht ohne Grund passiert es in letzter Zeit immer öfter, dass Mandanten entsetzt erkennen, auf was sie sich eingelassen haben, und dann ihre Anwälte in Haftung nehmen, weil der Anwalt dem Mandanten nicht ausreichend die Probleme der Abfindung gezeigt hat. Das ist zur Zeit ein großes Thema.

(h)
Versprich lieber Deinem Anwalt doppeltes Honorar, wenn er mehr als ....Euro rausholt. Denn: Ohne Abfindung hat er viel mehr Arbeit - aber nach dem Gesetz weniger Gebühren. Das das zu windschiefen Ergebnissen führen kann, ist eine Gefahr, die man nicht grundsätzlich von der Hand weisen kann.


ISLÄNDER
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  #15  
Alt 24.07.2013, 14:50
Sepp20042011 Sepp20042011 ist offline
Neues Mitglied
 
Registriert seit: 22.07.2013
Beiträge: 20
Hallo Isländer
Danke für Deine ausführlichen Beiträge
Ich werde alles sehr gut überlegen wie und was ich tun werde wenn .... . Auch mein Steuerberater wird mich beraten . Aber so wie Du das schreibst ist es schon in Ordnung . Sorgen machen ist nicht mehr so mein Ding . Man kann alles oder das meiste lenken und steuern . Ob das alles richtig oder falsch sein wird , zeigt die Zukunft. Deswegen ist es gut dass es Foren gibt wie das Forum für Unfallopfer . Hier habe ich schon einige sehr interessante Beiträge lesen können :-)
Viele Grüße Sepp
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Stichworte
Abzinsung/Kapitalisierung, Haushaltsführungsschaden

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