Vollständige Version anzeigen : Duisburg und die Loveparade
Hallo,
jeder von uns hat von diesem schrecklichen Unfall gehört, gelesen oder die Bilder gesehen. Die armseligen Versuche von Erklärungen, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte. Mein Mitgefühl ist bei den Opfern und ich kann ehrlich gesagt die nicht verstehen, die an ihren Ämtern und Posten kleben, die nicht bereit sind Verantwortung zu übernehmen. Dieses stellt für mich ein weiteres Versagen dar.
Wer wie wir weiß, wie ungerecht und wie kompliziert es ist, sein Recht zu bekommen, der kann vielleicht ein wenig nachvollziehen, was die Angehörigen der Toten, die Verletzten und ihre Angehörigen und die Vielzahl der Traumatisierten Menschen jetzt noch vor sich hat. Man sieht die Bilder der Menschen, die nicht wissen wohin und sieht die Verantwortlichen schweigen.
Wenn in Berlin 1000 Demonstranten gegen rechts auf die Straße gehen, dann sind da ca. 2000 Polizisten im Einsatz, obwohl es Veranstalter und Ordner gibt.
Wenn in Duisburg 1.400.000 junge Menschen zusammenkommen, dann reichen 150 Ordner und 4 Einsatzhundertschaften der Bereitschaftspolizei.
Ja, es wurde enorm gespart in der Vorbereitung, das Ergebnis sin inzwischen 21 Tote und weit über 500 Verletzte. Man wird auch jetzt sparen wollen und deshalb findet man niemanden, der die verantwortung übernimmt. Wer Verantwortung übernimmt, wird zahlen müssen und das hat nichts mit einer Unterschrift unter eine Genehmigung zu tun, sondern mit der Entscheidung, diese Loveparade in diese Stadt zu holen.
1989 fand die Loveparade in Berlin seinen Anfang als politische Demonstration und diese blieb es dann auch einige Jahre. Erst als der Kommerz zuschlug, und damit Geld verdient werden sollte, ging die Loveparade auf Reisen.
Jetzt ist sie mit Toten begraben und die Jugendlichen werden für die Fehler einiger weniger bestraft.
Dies sind so Gedanken, die mir im Kopf rumgehen, wenn ich jeden Tag aufs neue damit konfrontiert wird.
Habt wenigstens den Anstand, die Opfer nicht noch ein zweitesmal zu verhöhnen unbd zieht die entsprechenden Konsequenzen für euer handeln.
Gruß von der Seenixe
stinababy
29.07.2010, 12:06
Hallo seenixe,
auch ich denke wenn ich die Berichte um die Schuldzuweisungen des Unglücks sehe an das Spießrundenlaufen das die Angehörigen der Toten und die Verletzten wohl noch mitmachen müssen um an ihr Recht zu kommen.
Da werden junge Menschen die noch ihr ganzes Leben vor sich hatten aus dem Leben gerissen und viele Verletzte werden ein Leben lang Unfallfolgen davon zu tragen haben und man fragt sich warum?
Dies alles hätte vermieden werden können und es ist aus reiner Profitgier zu dem Unglück gekommen, ich finde dieses Unglück so sinnlos.
Nun will keiner so recht die Verantwortung dafür übernehmen und die Schuld eingestehen, so ist es wohl immer wenns ums Geld geht.
Es wäre an der Zeit das den Angehörigen der Toten und den Verletzten auf dem schnellsten Weg und unbürokratisch finanzielle Hilfe zukommt, wenigstens dafür sollten sich die Schuldigen jetzt einsetzen.
Doch kein Geld der Weld wird je den Angehörigen und Freunden die Toten ersetzen können und keinem Unfallopfer die Gesundheit wieder geben können, von den phyischen Problemen mal ganz zu schweigen, damit werden viele ein Leben lang zu kämpfen haben.
Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der Toten, die wohl nie über solch sinnlosen Tot hinwegkommen werden und den Verletzten.
Ich kann nur hoffen das die Verantwortlichen dieses Unglücks zur Rechenschaft gezogen werden und diese nun wenigstens das Rückgrad besitzen die Schuld öffendlich einzugestehen und sich ihrer Verantwortung zu stellen.
Aber erlich gesagt, nach alllem was passiert ist, glaube ich nicht daran.
Gruß von stinababy
Santafee
29.07.2010, 12:22
Hallo,
ich finde es ebenfalls eine riesenhafte *** (finde gar kein passendes Wort). Und wiedermal regiert das Geld: Egal wie, sogar wenn Menschenleben dran hängen, wird eine Veranstaltung durchgefüht, die vllt. massig Geld und Ruhm in eine Stadt spült. Ich möchte nicht wissen, wer hier wem Geld oder Reisen geschenkt hat, um bestimmte Sicherheitsvorkehrungen außer Kraft setzen zu können?
Wir Menschen sind lernende, denkende und vorausplanende Wesen - dies zeichnet uns angeblich aus - und durch viele Ereignisse, die ähnlich geschahen, hat man Richtlinien und Sicherheitsvorkehrungen erarbeitet... die dann, wie soll es anders sein, unter Vorwänden und Machtgier wieder Außerkraft gesetzt werden. Sogenannte "Außnahmeregelungen"! Deutschland scheint dafür berühmt: Gesetze schaffen, dann Lücken einarbeiten u.s.w.
Aber um zu der Dragödie zurück zukommen: Hier werden hoffentlich viele zur Verantwortung gezogen! Ein ganzer Kreis beschäftigt sich mit der Planung u.s.w. Es haben alle versagt! Wie kann man über 1 Mill. Menschen in eine Stadt lassen, deren Platz für max. 250000 zugelassen ist? Wie kann man nur einen Zu- und Ausgang haben? Wie ist es möglich, keine Rettungswege dafür frei zu halten? Wie kann man schon 2 Stunden nachdem die Veranstaltung begann, durchsagen, die Veranstaltung sei wg. Überfüllung geschlossen und trotzdem Züge mit Massen von Menschen einfahren lassen?
Es ist Wahnsinn und ich hoffe, dass sich gute RA finden, die hier die Opfern tatkräftig und maximal unterstützen! Auch wenn das niemanden lebendig macht, aber das wünsche ich den Opfern und Angehörigen! Wer Menschen wg. Profitgier Leid zufügt, der sollte maximal bestraft werden!
VG Santafee
Hallo,
mein Mitgefühl
den Angehörigen, welche einen geliebten Menschen verloren haben,
den vielen körperlichen und psychischen Verletzten, die hoffentlich keine Behinderungen zurückbehalten werden,
denen, die mit ansehen mussten, wie andere ums Leben gekommen sind, ohne helfen zu können
Wenn ich das derzeitige Gerangel der Beteiligten beobachte, nur selbst keine Schuld für diese sinnlose Geschehen eingestehen zu müssen, macht mich das richtig wütend.
Statt daran zu arbeiten, dass die Angehörigen und Opfer so schnell wie möglich zu helfen, geht man sogar so weit, den Opfern die Schuld zu geben, dass sie Fluchtwege gesucht haben.
Wie konnt man eine Veranstaltung unter den gegebenen Umständen überhaupt stattfinden lassen?
Ich hoffe, dass sich die Staatsanwaltschaft wirklich die Mühe macht und die wahren Verantwortlichen ermittelt. Es gibt im Internet genügend Indizien dafür, dass von verschiedenen Seiten vor der Durchführung der Loveparade gewarnt wurde. Dabei sollte vor allen Dingen nicht das letzte Glied in der Kette genommen werden, sondern wirklich die, welche das Stattfinden angeordnet haben. Denn die haben die viele Toten und Verletzten auf dem Gewissen.
Ich hoffe auch, dass die Schuldfrage schnell gefunden wird und die Verursacher gerecht bestraft werden. Ungeschehen macht das diese Katastrophe nicht. Aber es darf den zahlreichen Opfern nicht noch mehr Leid zugeführt werden.
Viele Grüße
Derosa
netzguru
30.07.2010, 00:50
Mein Mitgefühl allen Betroffenen.
Folgende Beiträge habe ich von Helfern gelesen.
http://malteser-hannover.de/sgs/
http://malteser-hannover.de/sgs/news/show.php?id=132
http://haan.boosdv.de/News___Infos/Aktuelles/19_Tote_und_mehrere_hundert_Schwerverletzte___Love parade_2010_article_236.html
http://haan.boosdv.de/News___Infos/Aktuelles/Trauer_in_Duisburg_article_240.html
Diese Berichte sprechen für sich selbst.
Bestürzt über dieses Ereignis
netzguru
Hallo,
auch mein Mitgefühl gilt den Toten, Verletzten und ihren Angehörigen.
Das empörendeste ist aber die Deckungssumme bei der AXA-Versicherung. 7,5 Mllionen Euro!
Jeder Smart muss heute mit 7,5 Millionenmindest deckungssumme für Personenschäden versichert werden. Wie konnte so eine grosse Versicherung mit einer derartig lächerlichen Versicherungssumme einverstanden sein? Wie konnte die Stadt damit einverstanden sein?
Rechnet man nur die 500 Verletzten, kommen auf jeden 15.000 €. Was diese Summe im Krankheitsfalle wert ist, wisst Ihr selbst am Besten.
Da ist ein bescheidenes Schmerzensgeld für die Toten nicht mit eingerechnet.
Jedenfalls bedaure ich die Verletzten mit Langzeitfolgen schon jetzt. Es wird kommen, wie immer, die Gemeinschaft der Versicherten und nicht AXA und die Veranstalter werden den Schaden tragen.
Vielleicht wird in den Muckibuden von McFit gesammelt.
Paro
Mein Beileid den Todesopfern und Ihren Angehörigen. Mit Mitgefühl den 511 Verletzten und allen schwerst traumatisierten Menschen.
Es ist eine Schande für Deutschland das hier so etwas passiert ist, überhaupt passieren
konnte.
Niemand will verantwortlich sein!
Die Klärung der Schuldfrage wird sich hinziehen bis zum Nimmerleinstag!
Je mehr Berichte man sich ansieht um so fassungsloser wird man! Ich hoffe inständig
das die Verantwortlichen bestraft werden und alle Opfer zu Ihrem Recht kommen.
Ich bin sehr sehr traurig,
Fritzi
Hallo,
Ich sehe das genau wie Fritzi!
Bin auch sehr traurig!
maja
Hallo,
auch uns hat dieser schwere Unfall sehr betroffen gemacht.
Richtig schlimm, aber üblich in der Politik ist das verschieben der Schuld, wie müssen sich die Eltern der toten Kinder fühlen.
Lorbeeren und Orden nehmen sie (die Politiker) gerne entgegen, schmücken sich mit jeder positiven Tat eines Mitbürgers...Verantwortung, zu falschen Entscheidungen stehen und diese zu tiefst bereuen....das können und wollen sie nicht. Und wenn die Altersversorgung gesichert ist schmeißen sie auch schon mal schnell hin.
Aber der OB von Duisburg kann doch noch nicht zurücktreten...dann würde er ja seine ganzen Pensionsansprüche verlieren....dafür muss man doch Verständnis haben :mad:....dieses muss erst geregelt sein....DANN:mad:.....
würde er vielleicht zurücktreten....aber Verantwortung wird er ganz sicher nicht übernehmen. All die Hinterbliebenen werden sicher nie ein Wort der Entschuldigung hören.
Denn merke:cool::
Die Sicherheit des einzelnen Bürgers ist nicht so wichtig wie die Altersversorgung des OB von Duisburg.
Gruß
Kai-Uwin
Seien wir mal pragmatisch,
steht einer der Toten wieder auf, wenn der Sauerland zurücktritt?
Was viel wichtiger wäre, wäre die verhängnisvolle Kette in den Endscheidungen offen zu legen.
Stimmt es das "per order de mufti", die Zulassung durchgedrückt wurde.
Duisburg/Ruhrgebiet braucht dieses Event zur positiven Darstellung?
Hier sind meiner Meinung nach alle Beteiligten gefordert, auch die, die jetzt sagen, wir haben gewarnt.
Haben Polizei, Feuerwehr und Hilfsdienste unter diesen Bedingungen ihren Einsatz verweigert und hätten damit die Veranstaltung unmöglich gemacht?
Wir leben in einer Gesellschaft, in der persönliche Verantwortung nicht honoriert wird. Hätte die Feuerwehr die Verantwortung abgelehnt und es wäre gut gegangen, wäre der Ablehner geschasst worden, nu kann er sagen wir haben alles getan und bleibt im Amt.
Was uns heute fehlt, sind Typen wie Helmut Schmidt, der entgegen der Order die Bundeswehr in den Überflutungsgebieten einsetzte, oder jener Italiener, der beim Aufrichten des Obilisken in Rom, rief, Wasser auf die Seile, da er das Geräusch aus der Schifffahrt kannte, obwohl sprechen bei Todesstrafe verboten war.
Was ich vermisse, ist die Aussage, ich war dafür, nun ist es schief gegangen, es tut mir leid. Damit ist nicht nur der Sauerland, sondern auch alle anderen verantwortlichen Beteiligten gemeint.
Paro
Der Charly
31.07.2010, 11:36
@ alle
Mein Mitgefühl gilt allen Betroffenen und Angehörigen.
Ich hab die ganze Geschichte auf WDR am Sa-Nachmittag im Fernseher verfolgt und war sprachlos.
Für mich ist das ganze doppelt so schlimm da ich zum einen schon selbst als DJ in Berlin dabei war und zum Andern da ich als ehemaliger Feuerwehrmann solche Szenarien auf zahlreichen Lehrgängen und Schulungen mehrfach geübt habe.
Doch wenn man dann so etwas wie Duisburg oder Flugzeugabstürze oder andre Katastrophen sieht für die man ja ausgebildet wurde bleibt einem trotz der ganzen Ausbildung der Atem stehen.
Was die Verantwortlichen angeht so leben wir eben in einem Land in dem vom großen Politiker bis zum kleinen Dorfbürgermeister jeder nur auf seinen Vorteil schaut und das Lügen und abstreiten zum Beruf gehört.
Grüssle
an alle,
habe mir heute morgen den Trauergottesdienst angeschaut, mit sehr gemischten Gefühlen.
Ob es den Angehörigen wirklich hilft, wenn sich Gott und die Welt in deren Trauer einmischt?
Ich glaube es nicht. Ist wohl eher einem schlechten Gewissen zuzurordnen, welches die Öffentlichkeit hier veranlasst hat, derartiges in's Leben zu rufen für die viel zu vielen Toten und Verletzten.
Letzte Woche hat die Bildzeitung etliche Fotos der Opfer veröffentlicht. Damit bekam der Tot ein Gesicht und Namen. Mit Beendigung der Anomymisierung bekam diese Tragödie viele Gesichter.
Habe selber in Berlin zweimal die Love Parade mitgemacht, allerdings noch zu einer Zeit, wo sie noch über den Kuhdamm fuhr. Bei einer kam auch ein junges Mädchen um. 19 Jahre alt erst. Das war schon schrecklich mitzubekommen. Und nun 21 Tote bis jetzt und etliche Verletzte.
Die ganzen Ablenkungsmanöver und auch die auf Effekt abgezielte mediale
Einmischung wird nichts daran ändern, dass die wirklichen Opfer hilflos dastehen. Das ganze Drama geht doch erst noch los.
Mir tun die vielen Verletzten schon jetzt leid, die noch einem Kampf entgegengehen, dem sie wahrscheinlich nicht gewachsen sind. Gibt es eigentlich Flyer von diesem Forum was verteilt werden kann an die Opfer
Für die Toten kommt jede Hilfe zu spät und ob nun der OB gegen einen anderen ausgetauscht wird, wird auch nur dazu ausgeschlachtet werden, dass ein Bauernopfer gefunden worden ist und der neue sich profilieren kann.
Ich finde, der OB sollte im Amt bleiben, damit jetzt endlich Verantwortung übernommen werden kann. Jetzt kann ein OB zeigen, was Hilfe bedeutet.
Mit dem Weggang des OB ist niemandem geholfen, jedenfalls nicht den Opfern, sondern nur wieder denjenigen, die an die Macht wollen.
Die Schudfrage ist doch eigentlich gar keine mehr, weil die Frage ist beanwortet. Ursache, zu viele Menschen für zuwenig Platz. Wer letztendlich dafür verantwortlich ist, ist auch beantwortet. Für mich sind das zwei Parteien, der Veranstalter und die Stadt Duisburg. Der Veranstalter hat Erfahrungen damit, der hätte es wissen müssen, die Stadt Duisburg sollte jetzt, allen voran, Herr Sauerlandt, ein Zeichen setzen und echte Hilfe leisten. Damit kann dann letztendlich noch etwas erreicht werden.
Die ganz Energien, die in die Klärung der Schuldfrage gesteckt werden, sollten besser da investiert werden, so sie wirklich gebraucht werden.
nicht dazu angetan, dass
Santafee
31.07.2010, 16:08
Hallo Reickja,
eigentlich hast Du ja völlig Recht, aber der OB macht mir nicht den Eindruck, dass er willig ist Verantwortung zu übernehmen, wenn er sich verdrückt. Angeblich sei er in "Urlaub" gefahren oder so... Also leider nix mit "Verantwortung übernehmen" und somit hat er auf dem Posten auch nichts mehr verloren!
Es gibt Persönlichkeiten, die aus so einer Tragödie wachsen, sich einsetzen, Mitgefühl zeigen, Hilfen organisieren ect. Aber diese muss man suchen - gibts leider nicht mehr viele davon!
Die jetzige angebliche Anteilnahme, in Form von öffentlichen Gottesdiensten hat m.M. doch nur einen Zweck: Aufforderung zu Spenden, um die eigene Versicherung/finanziellen Hilfe/andere Formen von versicherter Unterstützung zu schonen/aussetzen zu können...
Ich weiß auch nicht, ob die wirklich Betroffenen dort hingehen - es ist doch nur eine inszenierte Veranstaltung für die "Großen" und "Mächtigen"!
VG Santafee
Hey Leute...
Echt traurig was da alles passiert ist=/ Mein Beileid an alle Beteiligten...
Ich suche schon seid geraumer Zeit i.eine seriöse und vorallem unpolitische und unkommerziele Spendenseite und bin dabei auf das gestoßen
http://www.wirundduisburg.de/
Klickt euch mal rein und schauts euch selbst an....
Was haltet ihr davon? Ich wollte da Spenden...
Branding
14.11.2010, 00:23
Das gemeinsame Wochenende (23./24.10.10) ist vorbei, jetzt heißt es Abschied nehmen: Überall im Speiseraum des Hotels im Düsseldorfer Norden stehen kleine Grüppchen beisammen, man umarmt sich und tauscht E-Mail-Adressen oder Telefonnummern aus. Auf den ersten Blick haben die Anwesenden kaum etwas gemeinsam: Jugendliche mit vielen Piercings sind ebenso dabei wie Männer und Frauen mittleren Alters. Trotzdem: Der Umgangston ist sehr herzlich, als würden sich alle schon lange kennen. "Wir sitzen hier alle im selben Boot", sagt Timmy (53) aus Düren, der seinen richtigen Namen lieber für sich behalten möchte. "Wenn ich mit Freunden oder Verwandten heute über alles sprechen möchte, sagen sie oft 'Das ist doch schon so lange her, lass uns doch mal wieder über Fußball reden'. Hier ist das anders."
Kontakt kam über das Internet zustande
Timmy ist einer von rund 40 Betroffenen, die sich drei Monate nach der Loveparade-Katastrophe von Duisburg zum ersten Mal getroffen haben. Viele Teilnehmer haben über die Homepage "hilfe-loveparade.de" von dem Treffen erfahren. Hinter dem Angebot steht ein Team , an die sich unmittelbar Betroffene und deren Angehörige mit ihren Fragen wenden können. Zwei Tage lang hatten die Teilnehmer der Selbsthilfegruppe Zeit, von ihren Erfahrungen zu berichten. Und darüber, wie sich ihr Leben seit dem 24. Juli 2010 verändert hat.
Ärger mit der Krankenkasse
Arbeitslos und ausgebrannt
"Alles was ich will, ist einfach ganz normal weiterleben", erzählt Timmy. Aber aufgrund seiner Schlafstörungen und den immer wiederkehrenden Panikattacken lebe er seit Monaten im psychischen Ausnahmezustand: "Tunnel gehen gar nicht mehr, große Menschenmengen auch nicht." Seinen Job als Monteur für Einbauküchen habe er verloren. "Ich konnte mich einfach nicht mehr konzentrieren."
Angefangen habe alles erst Tage nach der Loveparade. "Direkt nachdem sich die Menge aufgelöst hat, bin ich erstmal wie in Trance nach Hause gefahren." Erst viel später sei er zum Arzt gegangen. "Ich wollte eigentlich nur Schlaftabletten, aber der hat sofort gesehen, dass ich Hilfe brauche." Inzwischen hat Timmy einen fünfwöchigen Aufenthalt in einer Klinik hinter sich. Gebessert habe sich sein Zustand nicht. "Eigentlich wurde ich da nur mit Psychopharmaka versorgt. Außerdem gab es ein bisschen Stresstherapie." Eine spezielle Behandlung in einer Klinik für Trauma-Patienten habe seine Krankenkasse abgelehnt, sagt er. "Dabei wurde uns doch gesagt, dass uns allen schnell und unbürokratisch geholfen wird!"
Angstzustände, Depressionen, Aggressionen
Hartmut Jatzko
"Wir werden uns darum kümmern", verspricht Hartmut Jatzko, der die Selbsthilfegruppe als ärztlicher Betreuer begleitet hat. Das Treffen sei nicht nur aus therapeutischer Sicht wichtig gewesen, sondern habe auch gezeigt, wo es noch Lücken bei der Betreuung gebe. Traumata könnten sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen, erklärt der Psychiater, der seit der Ramsteiner Flugtag-Katastrophe im Jahr 1988 mit Trauma-Patienten arbeitet: "Sie können sich in Angstzuständen, Depressionen bis hin zu aggressiven Verhalten äußern." Der Austausch mit anderen Betroffenen sei auch deshalb wichtig, weil sich Betroffene in der Gruppe verstanden fühlen. "Außenstehende können in aller Regel nicht nachvollziehen, was in diesen Menschen vor sich geht."
"Meine Batterie ist leer"
Im Gegensatz zu Timmy ist Bianca Weingarten äußerlich nicht anzusehen, was sie in den vergangenen Wochen durchgemacht hat. Die 34-Jährige aus Mönchengladbach lacht viel und wirkt auch sonst entspannt und abgeklärt. "Ich habe meine Höhen und Tiefen", sagt sie. "Manchmal ist die Depression so stark, dass ich nur noch am Sofa festklebe. Dann kann ich nur noch daran denken, dass ich fast mein Kind verloren habe." In der drängenden Enge auf der Zugangsrampe zum Festgelände hatte sie an jenem Tag im Juli zusammen mit Freunden eine schreckliche Dreiviertelstunde kämpfen müssen, ihre 16-jährige Tochter vor dem Erstickungstod zu bewahren. "Da habe ich alle Kraft verbraucht. Meine Batterie ist leer."
Bianca Weingarten
In den Wochen danach habe sie überall nur noch tödliche Gefahr sehen können. "Ich war auf einem Konzert, aber da hatte ich fast nur die Notausgänge im Blick." Die gegenseitigen Schuldzuweisungen der Loveparade-Organisatoren, der Polizei und der Stadt Duisburg erfüllten sie mit ohnmächtiger Wut, sagt sie. "Mir hätte es schon geholfen, wenn sich einer von denen hingestellt und einfach und ehrlich gesagt hätte 'Es tut uns leid'."
Es ginge dabei nicht um eine finanzielle Entschädigung, sagt auch ihr Freund Jürgen Rosen (41), der sie zur Loveparade und nun auch zur Selbsthilfegruppe begleitet hat: "Das kann man doch gar nicht entschädigen. Oder können Sie sagen, was 45 Minuten Todesangst wert sind?"
Aufarbeitung kann Jahre dauern
Es werde noch viele Treffen dieser Art geben, sagt Jatzko. Die Aufarbeitung sei ein sehr langwieriger Prozess, der viele Jahre andauern könne. Aber es gebe jetzt schon erste Erfolge: "Alle wollen wiederkommen. Sie begreifen sich als Schicksalsgemeinschaft. Das ist unglaublich wichtig." Er hoffe, dass den Betroffenen bald auch die positiven Perspektiven ihrer Situation bewusst werden. "Ein Trauma ist immer auch die Chance, als Mensch zu reifen."
kommt habt Mut und macht mit...
ironman13/08
14.11.2010, 21:01
@All,
danke an Branding, das er uns diesen Einblick gewährt hat, zu Menschen die Todesangst erlebt haben und inzwischen erkennen müssen das andere, die sich aufschwingen uns zu regieren, nicht in der Lage sind Verantwortung zu übernehmen und das Ganze einfach aussitzen als wäre nichts passiert, wie wir ja nun, ein paar Monate später, wissen.
Zitat von Santafee: aber der OB macht mir nicht den Eindruck, dass er willig ist Verantwortung zu übernehmen, wenn er sich verdrückt. Angeblich sei er in "Urlaub" gefahren oder so... Also leider nix mit "Verantwortung übernehmen" und somit hat er auf dem Posten auch nichts mehr verloren!
Pfui zu solchen feigen Typen. Aber er wird sich die Steuergelder derer die er noch verhöhnt, noch lange einverleiben als sei nichts geschehen.
Gitti - Ironman's Ehefrau
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